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"Hallo Polarstern" Anrufe bei Forschern im antarktischen Amundsenmeer!

Die Polarstern war im eisigen Amundsenmeer unterwegs – und wir waren dabei! Die Forscher der Expedition haben im Eis Bohrungen und weitere Experimente durchgeführt. In Telefonaten haben sie von ihrer Arbeit im ewigen Eis und dem Leben auf dem Schiff erzählt.

Stand: 20.03.2017

Der Eisbrecher Polarstern hat seine 104. Forschungsreise im antarktischen Amundsenmeer erfolgreich beendet. Die 50 Wissenschaftler an Bord waren sechs Wochen im pazifischen Südpolarmeer unterwegs und sind wieder an den Ausgangspunkt Punta Arenas in Chile zurückgekehrt.

"Hallo Polarstern! Anruf in der Antarktis"

Unter dem Titel "Hallo Polarstern! Anruf in der Antarktis" erzählten die Forscher auf dem Schiff vom 8. Februar bis 17. März 2017 von ihrer Arbeit. Per Satellit stellte die "IQ - Wissenschaft und Forschung"-Redaktion einmal pro Woche eine Gesprächsverbindung mit der Polarstern her.
So erzählten Karsten Gohl, der wissenschaftliche Expeditionsleiter des Alfred-Wegener-Institutes (AWI), und einige seiner Kollegen von ihrer Arbeit unter oft widrigen Bedingungen, von der Antarktis, den Bohrungen im Eis und dem Leben auf einem Forschungsschiff.
Hier können Sie die Gespräche nachhören:

Einer der wichtigsten Punkte der Reise, auf den Karsten Gohl, der wissenschaftliche Expeditionsleiter des Alfred-Wegener-Institutes (AWI), und das gesamte Team sehr gespannt waren: die Bohrungen im antarktischen Eis. Die Planungen dafür liefen schon seit Jahren. Doch die Expedition mit dem komplexen Bohrgerät musste immer wieder verschoben werden – nun kam es in der Antarktis zum ersten Mal und mit Erfolg zum Einsatz.

Ziel der Expedition: Bessere Prognosen

Karte des Alfred-Wegener-Instituts, wo Bodenbohrungen im Amundsenmeer vorgenommen werden sollen.

Die Forscher wollten auf ihrer Reise Daten sammeln, um bessere Prognosen für den globalen Anstieg des Meeresspiegels zu erstellen. Sicher ist: Von 1901 bis 2010 hat sich der Meeresspiegel um 19 Zentimeter erhöht. Doch die Prognosen für die Zukunft schwanken sehr: Je nach Modell zwischen 26 Zentimeter und einem Meter bis zum Ende des Jahrhunderts. Um diesen Anstieg genauer zu bestimmen, wären bessere und mehr Daten zum Eisschild in der Antarktis nötig.

"Wir wollen deshalb erforschen, mit welcher räumlichen und zeitlichen Variabilität und in welchem Tempo sich der westantarktische Eisschild in der Vergangenheit vorgeschoben und zurückgezogen hat."

Karsten Gohl, Expeditionsleiter des Alfred-Wegener-Institutes (AWI)

Möglicher Kollaps des Eisschildes

Eisberg nahe Pine-Island im Amundsenmeer

Gerade in der Region des Amundsenmeeres beobachten die Forscher seit einigen Jahrzehnten einen ungewöhnlich rapiden Rückzug des Eisschildes, "der als Vorläufer für einen Kollaps des gesamten westantarktischen Eisschildes vermutet wird", so Gohl warnend.

Verlust von kontinentalem Eis

Wissenschaftsjahr-Partner

"Meere und Ozeane: Entdecken. Nutzen. Schützen" ist der Titel des Wissenschaftsjahres 2016/17, an dem sich auch das Alfred-Wegener-Institut (AWI) beteiligt. Insgesamt nehmen 16 Schiffe der deutschen Forschungsflotte teil, darunter die Polarstern.

Ins Amundsenmeer münden die beiden großen Gletscher Pine-Island und Thwaites ins Meer. Über sie gelangen gewaltige Eismassen des westantarktischen Eisschildes in den Ozean. Wie das Alfred-Wegener-Institut erklärt, ist es typisch für den Eisschild dieser Region, dass ein Großteil seiner Basis unter dem Meeresspiegel auf dem Kontinent aufliegt. Dort zirkuliert schon heute relativ warmes Meerwasser, mit beeindruckenden Folgen: Wird der Ozean wärmer, so lässt er das Schelfeis von unten schmelzen und verschiebt die Aufsatzzone weiter landeinwärts. "In der Folge zieht sich der Gletscher zurück und hinterlässt einen offenen oder nur von dünnem Meereis bedeckten Ozean, wo vorher ein hunderte Meter dicker Eisschild lag", erklärt das Institut.

Auf der Reise konnten sich die Forscher davon überzeugen, dass der Pine-Island Gletscher sich tatsächlich schon zurückgezogen hat und dass in der Antarktis ein durchaus großer Verlust an kontinentalem Eis zu verzeichnen ist.

Bohren nach Resten der Vergangenheit

Meeresboden-Bohrgerät MARUM-MeBo

Wie hat sich das westantarktische Eisschild während der verschiedenen Warmzeiten verhalten und entwickelt? Auf dieser Reise wollten Geowissenschaftler anhand von Sedimentkernen aus dem eisfreien Kontinentalschelf herausfinden, wann und wie das Amundsenmeer in der Erdgeschichte von Eis bedeckt war und wann nicht.

Dazu kam erstmals in der Antarktis das Meeresboden-Bohrgerät MeBo70 zum Einsatz, das dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen gehört. MeBo70 kann Kerne bis zu einer Gesamtlänge von 70 Metern herausbohren. Das Bohrgerät wird an einem Kabel aufgehängt ins Meer abgesenkt. Währenddessen und während der Bohrungen muss das Schiff zwei Tage lang komplett still stehen. Es dürfen sich also keine Eisschollen oder Packeis auf die Polarstern zu bewegen.

Eisberge auf Kollisionskurs

Doch genau das passierte: Herantreibende Eisberge und -schollen zwangen die Forscher immer wieder dazu, die Bohrungen abzubrechen. Besonders gefordert war in solchen Momenten auch der eiserfahrene Kapitän des Schiffs, Stefan Schwarze. Schließlich sollte die Polarstern ja nicht gerammt werden. Doch trotz dieser Widrigkeiten gelang es einige Male, das Schiff lange genug ruhig an einer Stelle zu halten, um Proben zu nehmen, sodass nun Bohrkerne und Sedimentmaterial zur Analyse nach Bremerhaven gebracht werden können.

"Wir wollen Sedimente aus den Epochen der Erdgeschichte beproben, die analog zu den Klimabedingungen sind, die wir in den kommenden 100 bis 200 Jahren erwarten."

Karsten Gohl, Expeditionsleiter des Alfred-Wegener-Institutes (AWI)

Mit Spannung erwartet

Durch den Blick und die Analyse der Daten aus der Vergangenheit erhoffen sich die Forscher Hinweise auf die Zukunft des antarktischen Eisschilds und des Anstiegs des Meeresspiegels. Doch die Auswertungen der Bohrkerne und des Sedimentmaterials wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Polarstern und ihre Route

Hier finden Sie Links zur Route der Polarstern und zur Seite des Alfred-Wegener-Institutes, das laufend über diese und weitere Expeditionen berichtet.


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Realist, Montag, 06.Februar, 20:04 Uhr

1. Die Antarktis weigert sich, am Klimawandel "teilzunehmen"

Die Forscher das AWI haben dem klimawandelgläubigen BR „vergessen“, zu sagen, dass der Meeresspiegel eben nicht, wie in den Simulationen vorhergesagt überproportional steigt. Und dass die Antarktis nicht am Klimawandel „teilnimmt“, sondern immer kälter wird. Wenn die aber nicht „endlich“ massiv zu schmelzen beginnt, fällt die Meerwasser-Anstiegs-Apokalypse aufs Trockene. Und nicht gesagt hat das AWI, dass das Wedell-Meer 1823 von einem Segelschiff auf einer heute ausschließlich mit Eisbrechern befahrbaren Route erkundet wurde. Wäre es umgekehrt, stände es als Klima-Alarmmeldung längst in allen Zeitungen.

  • Antwort von Waldler, Dienstag, 07.Februar, 07:50 Uhr

    Und was ist Ihre Schlussfolgerung?
    Noch mehr CO2 in die Atmosphäre blasen? Weiter eigentlich viel zu kostbares Öl sinnlos verbrennen?

  • Antwort von steve, Dienstag, 07.Februar, 09:38 Uhr

    In der Arktis geht das Eis mehr zurück als es in der Antarktis zu nimmt. - (IPPC 13)
    Wir könnten natürlich auch so tun, als ob der Klimawandel eine Erfindung der Chinesen ist...

  • Antwort von Aglefs, Mittwoch, 08.Februar, 17:38 Uhr

    Dies ist eine Antwort zu Kommentar1 und kein eigenständiger Kommentar2

    Realist oder Ignorant? Was heißt "klimawandelgläubig"? Bereits der Begriff Klimawandel ist eine sprachliche Beruhigungspille.
    Der Westen der Antarktis wird keinesfalls immer kälter. Ein immer wärmer werdendes Südpolarmeer lässt Gletscher und Schelfeis
    schmelzen. Und Fakt ist, die weltweiten Durchschnittstemperaturen steigen an. Ich vergaß, wir leben ja im postfaktischen Zeitalter.