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Himmelskörper Auf der Suche nach Planet Neun

Pluto wurde disqualifiziert, doch Wissenschaftler schickten 2016 einen Ersatzkandidaten für den neunten Platz ins Rennen. Weil "Planet Neun" bislang nur in der Theorie existiert, darf sich jeder an seiner Suche beteiligen.

Stand: 18.02.2019

Generationen von Schülern in Deutschland haben diesen Merkspruch gelernt: "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten". Weil die Anfangsbuchstaben der Wörter die Anfangsbuchstaben der Planeten waren, konnten sie sich damit die Reihenfolge der ehemals neun Planeten unseres Sonnensystems merken: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Das ging so lange gut, bis Pluto im Jahr 2006 zum Zwergplaneten degradiert wurde. Seitdem gibt es offiziell nur noch acht Planeten. Doch US-Forscher sind seit 2016 einem Ersatz-Planeten auf der Spur: Sie vermuten einen noch unentdeckten riesigen Planeten im äußeren Sonnensystem. Provisorisch wird er bislang schlicht "Planet Neun" genannt.

US-Forscher vermuten Planet Neun

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Der Haken an der Sache: Niemand hat den Planeten je gesehen. Im Jahr 2016 fiel Wissenschaftlern auf, dass sich weit draußen im Sonnensystem, in einer ganz bestimmten Region, mehrere Eis-Gesteins-Brocken befinden, die auf ungewöhnlich langgezogenen Bahnen um die Sonne kreisen. Die Astronomen Michael "Mike" Brown und Konstantin Batygin vom California Institute of Technology (Caltech) wollten wissen, was dahinter steckt. Sie berechneten Anziehungskräfte sowie hypothetische Flugbahnen und simulierten am Computer verschiedene Möglichkeiten, wie sich die Objekte in den letzten paar Milliarden Jahren bewegt haben könnten. Ihre Schlussfolgerung: Da draußen muss es noch einen Planeten geben, der sich durch seine Anziehungskraft bemerkbar macht.

Planet Neun, der geheimnisvolle Schäferhund in unserem Sonnensystem

Für Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen ist die Argumentation der beiden Wissenschaftler schlüssig: Die Eis-Gesteins-Brocken, die beobachtet wurden, fliegen deshalb auf skurrilen Bahnen und bleiben so eng zusammen, weil sie von der Gravitationskraft eines großen Planeten angezogen werden - den wir aber selbst nicht sehen. Ein gut versteckter Schäferhund, der die kleineren Objekte zusammenhält. Skeptisch bleibt der deutsche Wissenschaftler trotzdem:

"Die Chance besteht. Es besteht natürlich auch genau die Chance, dass es ihn vielleicht nicht gibt, zumindest nicht in der Art, wie er jetzt vorhergesagt ist. Den Beleg haben wir ja noch nicht in Händen, dass es diesen Planeten tatsächlich gibt."

Hermann Böhnhardt, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Göttingen

Fehlender Beweis: eine Aufnahme von Planet Neun

Dass die Berechnungen der US-Wissenschaftler auf einen neunten Planeten hinweisen, ist laut Hermann Böhnhardt noch nicht als Beleg zu werten: "Da muss man dann eine Aufnahme haben, wo man das Planeten-Scheibchen erkennen kann." Eine solche Aufnahme zu bekommen, ist schwierig. Sollte es Planet Neun geben, müsste er sich sehr weit draußen befinden. Im dunklen Hinterhof unseres Sonnensystems, wo die Sonne zu weit weg ist, um die Eis-Gesteins-Klumpen, die sich hier tummeln, nennenswert zu beleuchten. "Der Planet Neun ist möglicherweise in so einem großen Erdabstand, etwa tausendfachen Erdabstand, dass er sehr schwach ist und dass man also wirklich die größten Teleskope, die auf der Erde existieren, einsetzen muss, um ihn überhaupt erkennen zu können", erklärt Böhnhardt. Gleichzeitig müsse man ein bestimmtes Himmelsareal abfotografieren, was bei den kleinen Blickfeldern, die unsere Großteleskope haben, sehr viel Zeit benötige. "Da spricht man durchaus in der Größenordnung von Jahren, bis das also erfolgt ist."

Laien helfen bei der Suche nach dem Planeten im Pixelhaufen

Die erste Schwierigkeit besteht schon darin, herauszufinden, auf welchen Ausschnitt des Himmels man die Teleskope richten soll. Um die Suche örtlich einzugrenzen und gleichzeitig die Zahl der Suchenden zu erhöhen, hat die NASA eine öffentliche Internetseite eingerichtet, über die sich jeder von zuhause aus bei der Jagd nach Planet Neun beteiligen kann: "Backyard Worlds: Planet 9". Es gilt, auf Millionen Infrarot-Aufnahmen des Himmels, in einem unruhigen Durcheinander von winzigen Punkten, ein sich bewegendes Objekt zu finden. Wer das wandernde Pixel, sprich den neuen Planeten aufspürt, wird als Mit-Entdecker genannt. Bislang war die Suche jedoch noch nicht erfolgreich.

Annahmen über Planet Neun

Die Existenz von Planet Neun ist bislang nur rein rechnerisch anhand von mathematischen Modellen und Computersimulationen bestätigt. Mike Brown und Konstantin Batygin, die beiden Astronomen des California Institute of Technology, gehen davon aus, dass der Himmelskörper zehnmal so schwer wie die Erde ist. Er soll zwanzigmal so weit von der Sonne entfernt sein wie Neptun, der bisherige äußerste Planet unseres Sonnenystems. Planet Neun soll die Sonne nur alle 10.000 bis 20.000 Jahre einmal umkreisen, auf einer "bizarr, gestreckten Umlaufbahn". Demnach würde es sich bei dem Planeten wohl eher um einen unterkühlten und nicht um einen schnuckelig warmen Gesellen handeln.

Mike Brown bringt Bewegung ins Sonnensystem

US-Forscher Mike Brown ist kein Unbekannter, wenn es um grundlegende Veränderungen in unserem Sonnensystem geht: 2005 entdeckte der Astronom den Himmelskörper Eris im Kuipergürtel, dem Ring aus eisigem Geröll rund um den Planeten Neptun. Da Eris in etwa so groß wie Pluto war, setzte Browns Entdeckung eine Diskussion in Gang, ob Pluto ein Planet sei - mit dem bekannten Ergebnis. Bei Planet Neun allerdings gäbe es keine Diskussionen, er sei 5.000 mal schwerer als Pluto, vermutet Brown.

"Planet Neun ist der 'planetigste' aller Planeten im ganzen Sonnensystem."

Mike Brown, California Institute of Technology

Abtrünnige Planet-Neun-Schafe gefunden

Bislang wurde noch kein handfester Beweis für Planet Neun entdeckt - dafür aber andere Himmelskörper, die die ganze Theorie aufweichen: Objekte, die nicht alle in der gleichen Gegend konzentriert sind, die sich etwas weiter am Himmel verteilen - und die dadurch die Annahme vom großen Planeten mit der Schäferhund-Funktion schwächen. Dass sich so viele Objekte in einer bestimmten Region häufen, ist laut Experten aber immer noch auffällig. Noch gibt es einfach zu wenig Indizien, um sich endgültig sicher zu sein, ob es Planet Neun nun gibt oder eben nicht. Die Suche nach dem großen Unbekannten geht weiter.

Was ist ein Planet?

Ein Planet ist nach Definition der Internationalen Astronomischen Union (IAU) seit 2006 ein Himmelskörper, der sich in einer Umlaufbahn um die Sonne befindet, genug Masse besitzt, dass seine eigene Schwerkraft ihn in eine nahezu runde Form zwingt und der die Umgebung seiner Umlaufbahn von anderen Himmelskörpern freigeräumt hat.

  • Planet Neun - Geheimer Gigant im Sonnensystem: 19. Februar 2019, 18.05 Uhr, IQ, Bayern 2
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