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Interstellarer Flugkörper Oumuamua ist möglicherweise ein Komet

Der Flugkörper Oumuamua, der aus einem anderen Sonnensystem bei uns zu Besuch war, wurde zunächst als Asteroid identifiziert. Doch Analysen seiner Flugbahn könnten ihn womöglich auch als Kometen klassifizieren.

Stand: 28.06.2018

Oumuamua sieht nicht aus wie ein Komet, aber verhält sich wie einer. | Bild: NASA/JPL-Caltech

Oumuamua ist Hawaiianisch und heißt übersetzt "Kundschafter" oder "Bote". Als solcher ist der zwischen 400 und 800 Meter lange zigarrenförmige Besucher im Oktober 2017 zum ersten Mal entdeckt worden. Fest steht, er stammt aus den Tiefen des interstellaren Raums und war in unserem Sonnensystem nur auf der Durchreise. Seitdem wird er von Wissenschaftlern intensiv untersucht.

Erst Asteroid, dann Komet

Erste Untersuchungen nach seiner Entdeckung identifizierten das dunkle und zigarrenförmige Objekt als interstellaren Asteroiden. Denn der kosmische Kleinkörper stößt praktisch kein Oberflächenmaterial aus.

Doch dann kamen Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile ins Spiel. Der außerirdische Besucher entfernt sich demnach schneller als erwartet von der Sonne, teilte die ESO in Garching mit. Das Team unter der Leitung von Marco Micheli vom Koordinationszentrum erdnahe Objekte (NEOCC) der europäischen Raumfahrtagentur ESA im italienischen Frascati zog daraus den Schluss, dass der kosmische Nomade womöglich durch Sonneneinstrahlung Material von seiner Oberfläche abgibt. Ein Vorgang, den die Astronomen Ausgasen nennen.

Oumuamua besitzt eigenen Antrieb

Das ausgestoßene Material produziert einen Rückstoßeffekt und dieser stetige Schub schießt Oumuamua schneller als erwartet aus unserem Sonnensystem heraus. Am 1. Juni 2018 bewegte er sich nach Angaben der ESO mit rund 114.000 Kilometern pro Stunde. Ein solches Ausgasen ist ein typisches Merkmal eines Kometen. "Wir denken, er ist in Wirklichkeit ein winziger, seltsamer Komet", erklärte Micheli. Ihre Ergebnisse veröffentlichte das internationale Forscherteam am 27. Juni 2018 in der Fachzeitschrift "Nature".

"Wir können an den Daten erkennen, dass sein Schub umso geringer wird, je weiter er von der Sonne entfernt ist, was typisch für Kometen ist."

Marco Micheli von der Europäischen Weltraumagentur ESA

Kometenstaub, Kometenschweif - Fehlanzeige

Kometen sind kleine eisige Körper, die, wenn sie von der Sonne erwärmt werden, Staub und Gas ausstoßen. Diese Materialwolke aus auftauenden Gasen wird Koma genannt. Und Kometen besitzen den für sie charakteristischen Schweif. Allerdings konnten die Forscher bei Oumuamua nichts von alledem feststellen:

"Wir haben keinen Staub, keine Koma oder gar einen Schweif gesehen, was ungewöhnlich ist."

Karen Meech von der University of Hawaii

Kosmischer Körper gibt grobe Staubkörner ab

Nun suchen die Wissenschaftler nach einer plausiblen Erklärung. Eine könnte sein, dass bei der Reise des interstellaren Boten die von den meisten Kometenoberflächen bekannten kleinen Staubkörner erodiert sind. Übrig geblieben wären dann nur größere Staubkörner oder Gase wie Kohlenmonoxid oder Kohlendioxid. Eine Wolke dieser größeren Partikel ist nicht hell genug, um entdeckt zu werden. Es würde aber die unerwartete Änderung der Geschwindigkeit von Oumuamua erklären.


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