Wissen


9

Osmose-Kraftwerk Aus Fluss und Meer soll Strom werden

Das Prinzip klingt verblüffend einfach: Wer Süß- und Salzwasser miteinander vermischt, kann so Energie erzeugen. Was einfach und ökologisch sauber klingt, ist in der Umsetzung bisher nicht immer rentabel.

Stand: 02.03.2016

Osmose-Kraftwerk in Norwegen | Bild: picture-alliance/dpa

Gewonnen wird die Energie für den Osmose-Ökostrom aus der unterschiedlichen Salzkonzentration von Meer- und Süßwasser. Das Prinzip ist einfach: Von der einen Seite wird Süßwasser aus einem kleinen Fluss in das Kraftwerk gepumpt, von der anderen Seite kommt Salzwasser aus dem Oslo-Fjord. Dazwischen liegt eine halbdurchlässige Membran, die nur das Süßwasser durchlässt, aber kein Salz. Dadurch entsteht im nun verdünnten Salzwasser ein Überdruck, der Turbinen antreibt – fertig ist der Osmose-Ökostrom.

Vorteile des Osmose-Kraftwerks

Im Gegensatz zu Wind- oder Solaranlagen kann ein Osmose-Kraftwerk kontinuierlich Strom liefern. Denn die Wasserzufuhr kann geregelt werden, wodurch große Schwankungen ausfallen. Zudem arbeiten Osmose-Kraftwerke leise und sie setzen keine Treibhausgase frei.

Die Vision: zehn Prozent des Stromverbrauchs

Die Turbine der Pilotanlage in Tofte am südwestlichen Ausgang des Oslo-Fjordes drehte sich ab November 2009. Betrieben wurde sie von Statkraft, einem großen Erzeuger erneuerbarer Energien. Das Pilotprojekt reichte gerade aus, um auf einer Herdplatte Essen zu kochen. Die Anlage war primär für Test- und Entwicklungszwecke bestimmt. Um eine Kleinstadt mit 30.000 Einwohnern mit Strom zu versorgen, hätte ein Osmose-Kraftwerk in der Größe eines Fußballstadions gebaut werden müssen.

Das norwegische Osmose-Kraftwerk liegt südlich der Hauptstadt Oslo.

Solche Kraftwerke, so hieß es, könnten überall dort angelegt werden, wo Süßwasser ins Meer fließt. Zieht man alle theoretisch geeigneten Flüsse in Betracht, könnte man mit einem weltweiten Potenzial von 1.600 bis 1.700 Terrawattstunden rechnen. Zum Vergleich: Deutschland hat nach Angaben von Statista in Hamburg 2014 rund 540 Terrawattstunden verbraucht.

"Diese neue Technik erzeugt elektrische Energie einfach, indem sie Wasser vermischt. Neue und grundlegende Antworten auf die Energiefragen der Zukunft scheinen näher zu liegen, als wir bisher dachten."

Bård Mikkelsen, 2009 CEO von Statkraft

Der damalige Statkraft-Chef Bård Mikkelsen zeigte sich begeistert von den Möglichkeiten und das Unternehmen setzte bereits auf eine größere Anlage mit zwei Megawatt Leistung. Doch dann kam für viele überraschend das plötzliche Aus für das norwegische Osmose-Kraftwerk-Projekt. Statkraft gab am 20. Dezember 2013 in einer Pressemitteilung bekannt, dass sich das Unternehmen aus der Energiegewinnung durch Osmose zurückziehe, der Prototyp wurde stillgelegt. Der Grund: Es war nicht abzusehen, dass die Technik in absehbarer Zeit konkurrenzfähig und gewinnbringend arbeiten könnte.

Neuer Versuch in den Niederlanden

Auch auf Osmose beruhend, aber nach einem anderen Konzept, hat ein Kraftwerk in den Niederlanden den Betrieb aufgenommen. Es liegt an dem Deich, der das Ijsselmeer von der Nordsee trennt. Es funktioniert ähnlich einer Autobatterie mit zwei Polen und basiert auf dem unterschiedlichen Salzgehalt von Süß- und Salzwasser. Es werden dabei zwei Membranen eingesetzt: Die eine Membran ist durchlässig für positiv geladene Natriumionen, die in einen Süßwasserkanal fließen. Die zweite ist durchlässig für negativ geladene Chloridionen, die durch die andere Membran in die entgegengesetzte Richtung fließen. Durch das Abtrennen der unterschiedlichen Ionen ergibt sich eine elektrische Spannung, die wie in einer Batterie als Strom genutzt werden kann. Geplant ist, die Anlage in den nächsten Jahre auf eine Leistung von 50 Kilowatt zu bringen und damit zu zeigen, dass dieses Prinzip funktioniert kann.


9