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Der Motorflug der Brüder Wright Zwei Brüder heben ab

Orville und Wilbur Wright machten einen Menschheitstraum wahr: Sie bauten ein Fluggerät mit Lenkung und eigenem Antrieb. Mit ihm konnte sich zum ersten Mal ein Mensch fast wie ein Vogel in die Lüfte erheben.

Stand: 22.03.2013 | Archiv

Die motorisierte Luftfahrt begann mit einem "Hopser", der etwa zwölf Sekunden dauerte: Am 17. Dezember 1903 flog Orville Wright mit seinem "Flyer I" am Strand von North Carolina 37 Meter weit. Noch am gleichen Tag gelangen ihm und seinem Bruder Wilbur in den Dünen von Kitty Hawk drei weitere Flüge. Beim letzten flogen sie bereits über 250 Meter weit. Nach jahrelangem Tüfteln und Experimentieren ernteten die Brüder nun den Erfolg ihrer Arbeit.

In Lilienthals Fußstapfen

Die Fahrradwerkstatt von Orville und Wilbur Wright

Orville und sein Bruder Wilbur Wright waren eigentlich Besitzer einer Fahrradwerkstatt in Dayton im US-Bundesstaat Ohio. Begeistert von den Segelflügen Otto Lilienthals hatten sie begonnen, Flugzeugmodelle zu entwerfen und zu bauen. Am Anfang stand ein Flugdrachen, doch bald schon folgten Doppeldecker-Gleiter, die eine Person tragen konnten.

Technische Meisterleistung

Um nicht wie Lilienthal manövrierunfähig den Winden ausgesetzt zu sein, konstruierten die Wrights aerodynamische Ruder zur Steuerung des Gleiters. Das Fluggerät sollte sich um seine drei Achsen bewegen können. Ein Höhenruder erlaubte das Heben oder Senken der Nase des Gleiters, mit dem Seitenruder ließ sich das Fluggerät nach links und rechts drehen und durch ein Querruder konnte es sogar um seine Längsachse gerollt werden. Diese Steuerung ist die eigentliche Meisterleistung der Wright.

Tüftler in den Dünen

Wartungshalle der Wrights in Kitty Hawk

Orville und Wilbur Wright waren für ihre Flugexperimente nach Kitty Hawk gezogen. Sie brauchten den Küstenwind, um ihre Fluggeräte in den Dünen zu testen. Die beiden bauten sogar einen eigenen kleinen Windkanal für ihre Experimente. 1902 hatten sie die Steuerung fertig entwickelt. Nun machten sich die Wrights daran, einen Motor für den Propellerantrieb zu entwickeln.

Der Flyer I

Der erste Motorflug der Geschichte am 17. Dezember 1903

1903 war dann das erste Motorflugzeug gebaut: der Flyer I. Das zierliche Doppeldecker-Einmann-Flugzeug mit strahlend weißen Tragflächen wurde von einem Vierzylinder-Benzinmotor mit 12 PS angetrieben. Aus heutiger Sicht sah es "verkehrt herum" aus: Das Höhenleitwerk war vorne angebracht und die zwei Propeller schoben das Flugzeug von hinten an. Bei späteren Flugzeugen rutschte das Höhenleitwerk nach hinten, während vorne ein Propeller die Maschine zog. Der Pilot lag direkt neben dem Motor bäuchlings auf der unteren Tragfläche und steuerte von dort die Ruder. Das Flugzeug hatte Kufen statt Rollen und glitt auf einem kurzen Holzschienenstück bis zum Punkt des Abhebens.

"17. Dezember 1903: Nachdem der Motor und die Propeller ein paar Minuten gelaufen waren, um sie in betriebsfähigen Zustand zu bringen, bestieg ich die Maschine um 10:35 Uhr für den ersten Versuch. Der Wind wehte laut unseren Anemometern zu dieser Zeit mit ein wenig über 20 Meilen (korrigiert) 27 Meilen gemäß dem Regierungs-Anemometer in Kitty Hawk. Sobald das Seil losgegeben war, startete die Maschine und nahm an Geschwindigkeit zu bis wahrscheinlich 7 oder 8 Meilen.

Die Maschine hob vom Wagen ab, gerade als sie die vierte Schiene erreichte. Mr. Daniels hat ein Bild aufgenommen, in dem Moment als sie die Schienen verließ. Ein plötzlicher Satz, rund 100 Fuß vom Ende der Schienen entfernt, beendete den Flug. Zeit etwa 12 Sekunden (nicht exakt bekannt, da die Uhr nicht sofort gestoppt wurde)."

Aus dem Tagebuch von Orville Wright

Orville Wright bei einem Schauflug in Fort Myer bei Washington D.C.

Die Welt nahm von dem sensationellen Ereignis allerdings zunächst keine Kenntnis. Orville und Wilbur Wright versteckten ihren Flugapparat vor der Öffentlichkeit. Sie hatten Angst, jemand könnte ihn kopieren und sie so um die Früchte ihrer jahrelangen Arbeit bringen. Im Geheimen arbeiteten sie aber weiter, um ihr Flugzeug zu verbessern. Doch auch andere Erfinder arbeiteten an motorisierten Fluggeräten. Die Brüder Wright präsentierten ihre Flugzeuge daher bald auf Flugshows in den USA und Europa.

Siegeszug des Motorflugs

1905 gelangen ihnen mit dem "Flyer III" bereits Flüge über vierzig Kilometer Strecke und 38 Minuten Dauer. Ende 1908 schaffte der Flyer bereits Flüge von fast zweieinhalb Stunden. Der Siegeszug des Motorfluges hatte begonnen. Die Brüder Wright beteiligten sich allerdings kaum noch daran. Andere Konstrukteure brachten neue Ideen in die Lüfte, andere Piloten stellten neue Rekorde auf.


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