Wissen


5

Bayerns Erdöl-Beitrag Kleiner Tropfen im großen Barrel des Bedarfs

Tonnenweise strömt seit Jahrzehnten Erdöl aus Bayerns Boden - und die Suche nach weiteren Quellen hat wieder begonnen. Sind wir bald unabhängig vom weltweiten Ölmarkt? Wie viel ist noch da? Was ist noch zu holen aus dem bayerischen Boden?

Stand: 23.01.2018

Bayerischer Öl-Scheich (Illustration) vor sprudelnden Ölquellen. Seit Jahrzehnten wird in Bayern Erdöl gefördert. Aber wieviel macht Bayerns Fördermenge im nationalen und internationalen Vergleich aus? Wieviel Erdöl verbrauchen wir? Wie lange reicht uns das Öl? | Bild: BR/Christian Sonnberger

Seit fast 30 Jahren pumpen die Pferdekopfpumpen im Lechtal Erdöl zu Tage: Zwischen Großaitingen und Kleinaitingen südlich von Augsburg wurde 1979 das größte Ölfeld Bayerns erschlossen. Bis zu 30.000 Tonnen des schwarzen Goldes werden hier jährlich aus rund einem Dutzend Bohrstellen gewonnen. Über anderthalb Millionen Tonnen sind insgesamt schon abgezapft worden.

Pferdekopfpumpe in Großaitingen

Dazu kommen seit 2008 etwa 6.000 Tonnen jährlich aus dem südlich gelegenen Förderfeld Schwabmünchen und knapp 2.000 Tonnen Erdöl pro Jahr aus Hebertshausen bei Dachau, der dritten aktiven Ölbohrstelle Bayerns. Einige hundert Tonnen Öl jährlich liefert derzeit noch eine Testbohrung in Bedernau im Allgäu (Stand: 2017).

Machen wir uns als bayerische Ölscheichs bald unabhängig von den Multis in Texas und dem Nahen Osten?

Bayerns Anteil an der deutschen Ölförderung

Aktuelle und einstige Ölförderstellen in Bayern

Weit gefehlt! Denn wenn Sie Ihren Tank füllen, dann müssten Sie darin das bayerische Benzin schon mit der Lupe suchen: Zu der Gesamtmenge an Erdöl, die in Deutschland gefördert wird, trägt Bayerns Untergrund gerade einmal 1,6 Prozent bei. Denn die "großen" Ölfelder liegen im Norden Deutschlands. Schleswig-Holstein liefert mehr als die Hälfte des deutschen Erdöls, Niedersachsen etwa ein Drittel.

Bayern und das Erdöl - Fakten zum Durchklicken

Erdöl-Daten-Quellen



Verglichen mit dem Ölverbrauch verschwindet Bayerns Ölförderung komplett hinter dem Komma: Denn die gesamtdeutsche Förderung an Erdöl, derzeit etwa 2,5 Millionen Tonnen im Jahr, deckt gerade einmal fünf Prozent des deutschen Bedarfs an dem kostbaren Rohstoff. Bayern verbraucht etwa 15,4 Millionen Tonnen Erdöl im Jahr - davon fördert es selbst nur etwa ein Viertel Prozent: 0,25 %. Wir Bayern brauchen also rund 400-mal soviel Öl, wie wir selbst fördern. Anders gerechnet: Die Menge Erdöl, die wir in einem Jahr aus Bayerns Boden pumpen, reicht uns nicht einmal einen Tag lang.

Steter Tropfen oder versiegende Quelle

Naja, besser als nichts, könnte man sagen. Nur - wie lange reicht das bayerische Erdöl? Zum Stichtag 1.1.2017 schätzte Bayern seine Reserven an förderbarem Erdöl auf 226.000 Tonnen. Damit wäre bei gleichbleibender Fördermenge von derzeit knapp 40.000 Tonnen im Jahr in ein paar Jahren wohl Schluss.

Ganz schnell weg

Barrel - Liter - Tonnen

1 Barrel = 159 Liter = 136 kg Leichtöl
1 Tonne Leichtöl = 7,3 Barrel = 1.175 Liter

Übrigens: Diese 226.000 Tonnen Erdöl, die Bayern überhaupt noch hat, wären beim weltweiten Bedarf von rund 12 Millionen Tonnen täglich in etwa einer halben Stunde aufgeschlürft - noch bevor große Kontinente wie Afrika überhaupt richtig aufs Gas getreten sind.

Neue Suche in den erschöpften Tiefen

Trotz dieser offensichtlich geringen Ausbeute aus Bayerns Boden und dem längst verebbten Ölboom wird Bayern in den letzten Jahren wieder von Ölfirmen heimgesucht: Vibro-Laster rütteln am Boden, um ihm seine tief-verborgenen Geheimnisse zu entlocken, Probe-Bohrungen winden sich tief in den Untergrund - beispielsweise in Ampfing bei Mühldorf am Inn. Die neue Suche nach Erdöl hat längst begonnen!

  • #kurzerklärt: Wer kontrolliert das Erdöl? Unser Land, 03.12.2017, 16.15 Uhr, BR Fernsehen
  • Erdöl aus Bayern: In Großaitingen wird gebohrt. Rundschau, 29.10.2016, 16:00 Uhr, BR Fernsehen
  • Erdöl aus Bayern. Rundschau-Magazin, 29.10.2016, 21.45 Uhr, BR Fernsehen
  • Erdölbohrung in Großaitingen. 28.10.2016, Bayern 1Bodenständig - Schätze aus dem bayerischen Untergrund. Zeit für Bayern, 27.09.2015, 12.05 Uhr, Bayern 2

5

Kommentare

Inhalt kommentieren

Mit * gekennzeichnete Felder sind verpflichtend.

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein: