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Naturpark Steinwald Der Kleine ganz groß

Der Naturpark Steinwald in der nördlichen Oberpfalz ist zwar der kleinste Naturpark Bayerns, dafür liegt er auf bis zu 950 Metern Höhe - und wird als einziger ehrenamtlich geführt. Zwischen den Felsen, in den dichten Wäldern und an den vielen Bächen und Teichen sind seltene wilde Tiere und Pflanzen zuhause.

Stand: 21.06.2017

Wurmfarn | Bild: Robert Mertl/Steinwaldfoto.de

Mit seinen 25.000 Hektar ist er zwar der kleinste der 16 Naturparke Bayerns, trotzdem ist er ein ganz Großer und ganz Harter: Mehr als 900 Meter ist der Granitrücken des Steinwaldes hoch, steil aufragende, bizarr geformte Felsen sind typisch für ihn. Seit 1970 gibt es den Naturpark Steinwald, ehrenamtlich geführt und vom Massentourismus weitgehend unentdeckt. In Beschlag genommen haben den Naturpark dagegen die unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenarten.

Der Naturpark in Bildern

Harter Kern mit weicher Schale

Im Naturpark Steinwald finden aufmerksame Spaziergänger Arnika.

Seinen harten Kern versteckt der Steinwald zu 80 Prozent unter einer dichten Walddecke: Überwiegend besteht sie aus Fichten, versetzt mit Kiefern, Buchen, Bergahorn, Eichen und Tannen. Der Boden selbst ist von dicken Moospolstern, feingliedrigen Farnen und verschiedensten Sträuchern bedeckt. Am Waldrand und auf Lichtungen sind unter anderem Habichtskraut und Goldnesseln zuhause, in höheren Lagen auch die Verschiedenblättrige Kratzdistel. Auf den Wiesen fühlen sich sogar Thymian, Arnika und Orchideen wohl. Sonnentau, Sumpfblutauge, Wollgras und Knabenkraut dagegen bevorzugen die nassen und moorigen Plätzchen. An kühlen Quellen und Bächen gedeihen Bitteres Schaumkraut, Hexenkraut und Gegenblättriges Milzkraut.

Heimat für Luchs und Wildkatze

Flussperlmuscheln sind vom Aussterben bedroht.

Neben seltenen Pflanzen suchen auch viele Tiere Obhut im Steinwald: Rund 100 Rothirsche ziehen hier in freier Wildbahn ihre Fährten. Wildschweine, Füchse, Marder, Iltisse, Wiesel, Uhus und Schwarzstörche gibt es genauso wie Flussperlmuscheln, Fischotter und Biber. Seit ein paar Jahren durchstreift sogar der Luchs den Naturpark und die Wildkatze hat ihn als Kinderstube auserkoren. Die Felsbrocken, die dem Steinwald seinen Namen gaben, bieten Eidechsen ein geschütztes, warmes Zuhause. Sonnige Plätzchen lieben auch die Kreuzottern.

Eldorado für Schmetterlinge

Hier labt sich ein Schachbrettfalter an einer Distel.

Die vielen Blühpflanzen versorgen zahlreiche Schmetterlingsarten mit Nektar. Über Wiesen und Waldlichtungen flattern zum Beispiel der Große Feuerfalter, der Wachtelweizen-Scheckenfalter, der Kaisermantel, der Distelfalter, der Baumweißling, der Dukatenfalter, der Schachbrettfalter, das Kleine Wiesenvögelchen, das Braunauge und die Goldene Acht.

Naturschutzgebiete im Steinwald

Besondere Orte

Im Naturpark gibt es zwei extra ausgewiesene Naturschutzgebiete: den Föhrenbühl bei Grötschenreuth und den Teichelberg bei Pechbrunn.

Föhrenbühl

Am Föhrenbühl werden auf 34 Hektar seltene Pflanzen geschützt. Neun verschiedene Farnarten, darunter seltene Streifenfarne, sind hier heimisch: Relikte aus der Eiszeit und der nachfolgenden Wärmeperiode. Zu finden sind aber auch Wacholder, Zwergbuchs und Bergjohanniskraut.

Teichelberg

Auf dem rund 115 Hektar großen Teichelberg, einer Basaltkuppe, wird Edellaubwald geschützt: Mit bis zu 230 Jahren sind hier die ältesten Baumbestände zu finden, darunter Buchen, Linden und Traubenkirschen. Seltene Pflanzen sind dort zuhause, aber auch über 220 verschiedene Nachtfalterarten, Luchse und Wildkatzen. Die Wildkatze pflanzt sich in ganz Bayern nur an drei Plätzen fort - der Teichelberg ist einer davon. In der einheimischen Bevölkerung ist der Teichelberg übrigens besonders für seine "Hankerl" bekannt: Der Sage nach wohnten dort früher hilfsbereite Zwerge mit unterirdischen Goldschätzen - solange, bis sie undankbare Menschen vertrieben.

Abenteuer für einen Tag

Infos

Auch seinen menschlichen Besuchern bietet der Naturpark Steinwald Vorteile: Auf der mit 946 Metern höchsten Erhebung, der "Platte", wurde der 35 Meter hohe Oberpfalzturm errichtet. Wer ihn erklimmt, wird mit einem Rundumblick über das Stiftland und Sicht bis ins Fichtelgebirge, ins Egerland und in den Böhmerwald belohnt. Den Naturpark selbst kann man an einem Tag durchwandern - eine abenteuerliche Tour, vorbei an "Räuberfelsen", "Saubadfelsen", "Steinschlatter" und "Teufelsstein".


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