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Lockende Reize in der Nacht Nachtaktive Pflanzen in Aktion

Mit List und Tücke locken nachtaktive Pflanzen Insekten zu sich. Sie reizen nicht nur mit ihrer Blütenpracht, sondern auch mit ihrem ganz speziellen Duft. Dieser Geruch kann sogar richtig arg stinken.

Stand: 18.05.2018

Wenn die Sonne untergeht, werden sie munter. Das ist nicht nur bei nachtaktiven Tieren zu beobachten, sondern ebenso bei nachtaktiven Pflanzen. Um aufzufallen entfalten sie ihre volle Blütenpracht oder senden einen ganz besonderen Duft aus. Sie verfolgen damit ein wesentliches Ziel, Blütenstaub zu ergattern, um sich vermehren zu können. Für die Befruchtung  benötigen Pflanzen Insekten, Schmetterlinge, Falter oder Motten. Um die nächtlichen Schwärmer zu überzeugen, lockt jede nachtaktive Pflanze mit ihrer individuellen Note. Das kann eine Farbe oder ein besonderer Duft sein. Da Farben in der Nacht aber nicht so deutlich zu sehen sind, leuchten nachtaktive Pflanzen meist mit hellen, eher weißen Blüten.

Nur Schmetterlinge können an den Nektar des Ziertabaks ran.

Das Seifenkraut und der Ziertabak zum Beispiel wollen besonders Schmetterlinge anlocken. Denn nur diese können mit ihren langen Rüsseln an den Nektar herankommen. Wenn der nächtliche Besucher von einer anderen Pflanze Pollen mitbringt, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es zur Befruchtung kommt. In Botanischen Gärten oder in Naturschutzstationen kann man wild wachsende, nachtaktive Pflanzen wie das Seifenkraut, die Nachtkerze oder die Wegwarte finden und erkennen, wie sie sich ins Zeug legen, um ihre Reize auszusenden.

"Es gibt so eine Ko-Evolution zwischen Tier und Pflanze, die sind ja voneinander abhängig, damit sich die Pflanze vermehren kann, und da haben sich im Laufe der Zeit eben ganz viele Partnerschaften herausgebildet und natürlich haben sie auch die Nacht für sich erobert."

Beate Kitzmann, Geschäftsführerin der Naturschutzstation Malchow, Berlin

Das Geschäft mit dem Duft von nachtaktiven Pflanzen

Manche nachtaktive Pflanze sendet einen ganz speziellen Geruch als Lockmittel aus. Zum Beispiel Jasmin, deren Duft für die Parfumindustrie genutzt wird. Aber auch viele Gartenbesitzer wählen ihre Pflanzen nicht nur nach Farben, sondern nach ihrem Geruch aus. Gerade Ziertabak, Wunderblume oder verschieden Lilienarten, wie Madonnenlilie oder Königslilie riechen abends noch intensiver. Selbst über viele Meter und sogar Kilometer hinweg können Tiere diesen Duft wahrnehmen. Zitrusfrüchte legen dazu noch eins drauf. Wenn sie tagsüber blühen verstärken sie nachts ihren Duft.

Die Titanwurz lockt Tiere und Menschen.

Der Geruch ist für uns Menschen sehr subjektiv und eng mit Emotionen verknüpft. Pflanzen wiederum möchten damit bestimmte Tiere anlocken und das kann sogar sehr unangenehm werden. Die Titanwurz, eine Pflanze, die ursprünglich im Urwald von Sumatra vorkommt, ist in vielen Botanischen Gärten ein beliebtes Besuchsobjekt. Bis zu drei Meter groß kann sie werden. Sie blüht nur zwei Nächte und sobald sie damit anfängt, sendet sie einen intensiven, unangenehmen Geruch aus. Dieser üble Gestank soll schließlich Aaskäfer und Schmeißfliegen anlocken, damit sie ihre Eier ablegen und nebenbei Pollen mitnehmen. Für die Käfer kein lukratives Geschäft, denn sie werden von der Pflanze nur getäuscht, betont der Biologe Nils Köster.

"Die jungen Larven sterben dann aber den Hungertod, weil letztendlich nichts geboten wird, das ist dann der reine Betrug. Also von daher machen sich die Pflanzen schon sehr geschickt die Tiere zunutze."

Dr. Nils Köster, Biologe im Botanischen Garten Berlin

Abhängigkeiten zwischen nachtaktiven Pflanzen und Tieren

Doch nicht jede nachtaktive Pflanze täuscht ihre Bestäuber und nutzt sie aus. Es gibt auch freundliche Arten wie die Glockenblume, die Bienen einen Schlafplatz zum Schutz anbietet oder ein Kaktus, der Fledermäuse Orientierung gibt und zugleich durch seine speziellen Haare vor seinen eigenen Stacheln schützt.

Königin der Nacht blüht nur einmal.

Nachtaktive Pflanzen sind vielfältig und ganz schön klug. Aber eine macht sich besonders rar, die Königin der Nacht. Sie öffnet ihre Blüte nur einmal für wenige Stunden. Letztlich sind alle nachtaktiven Pflanzen von Tieren abhängig, die ihren Nektar saugen und Pollen von Pflanze zu Pflanze tragen. Wenn Motten und Schmetterlinge aber zu sehr von künstlichen Lichtquellen angelockt werden, dann helfen alle Reize nicht mehr. In Großstädten haben nachtaktive Pflanzen deshalb wenig Chancen zu wachsen.

  • Nachtaktive Pflanzen – Was uns im Dunkeln blüht: radioWissen am 18.05.2018 um 9.05 Uhr

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