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Mitteleuropäische Zeit 125 Jahre MEZ in Deutschland

Seit 125 Jahren gilt in Deutschland die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Am 1. April 1893 wurde sie in Berlin per Reichsgesetz eingeführt, unter anderem wegen eines Eisenbahnunglücks.

Stand: 29.03.2018

Weltzeituhr des Uhrmachers August Noll von 1885 | Bild: picture alliance / Patrick Seege

"Früher hatte jeder Ort seine eigene Zeit", sagt Johannes Graf vom Deutschen Uhrenmuseum. Die Einrichtung in Furtwangen im Schwarzwald hat die Geschichte der MEZ zum 125-jährigen Bestehen in Deutschland wissenschaftlich aufgearbeitet. "Diese Ortszeit richtete sich nach dem Sonnenstand auf der jeweiligen geografischen Länge." Ein Problem sei dies lange nicht gewesen. Doch mit dem Siegeszug der Eisenbahn Anfang des 19. Jahrhunderts änderte sich das. "Das vergleichsweise schnelle Verkehrsmittel Eisenbahn passte nicht zu der Vielzahl der örtlichen Zeiten", sagt Graf. So wurden für Züge Einheitszeiten festgelegt, die entlang der Bahnlinien galten und sich meist an der jeweiligen Zeit in den Hauptstädten orientierten.

Falsche Zeit führt zu Kollision

Das neuartige Verkehrsmittel Eisenbahn war so schnell, dass eine einheitliche Zeit entlang der Bahnlinien notwendig wurde.

An den Orten, durch die Züge fuhren, zeigten die Uhren meist jedoch eine andere Zeit. Das sorgte für Verwirrung, die verheerende Folgen haben konnte: Am 12. August 1853 zeigte die Taschenuhr eines Lokführers in den USA die falsche Zeit an, der Mann steuerte die Dampflokomotive mit den Waggons auf ein Gleis. Deshalb stießen in Virginia Falls zwei Züge zusammen, 13 Menschen starben. Das Unglück löste eine Debatte aus.

Fünf Zeiten in fünf Ländern

An den Bahnhöfen am Bodensee, wie hier in Lindau, gab es früher fünf verschiedene Zeiten.

Die Antwort waren Einheitszeiten, die sich an den nationalen Grenzen orientierten. "Doch besonders im kleinräumigen Europa war dieser erste Schritt zur Vereinheitlichung der Zeiten unbefriedigend", sagt Graf. An Grenzbahnhöfen sorgten sie für Chaos. Am Bodensee etwa mit seinen damals fünf Anrainerstaaten galten so in einem einzigen Bahnhof fünf unterschiedliche Zeiten.

In 24 Zeitzonen um die Welt

Die Urania-Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz in Berlin zeigt die Zeitzonen rund um den Globus.

Orientierung versprach ein System aus 24 weltweiten Zeitzonen, das den Staaten 1884 auf einer Konferenz in Washington empfohlen wurde. In Deutschland stieß es auf Vorbehalte. "Um 1890 stritten Politiker und Fachleute heftig über die Frage, ob sich Deutschland dem System anschließen solle", sagt der Direktor des Deutschen Uhrenmuseums, Eduard Saluz. Konservative lehnten die Einführung der Mitteleuropäischen Zeit ab: "Sie wollten die Ortszeiten im Alltag beibehalten."

Mitteleuropäische Zeit statt Weltzeit

Wissenschaftler wiederum sagten: Erdbeben und Wetter sowie Bahn- und Postverkehr machten nicht an den Grenzen von Zeitzonen Halt. Besser sei eine einzige Weltzeit. Doch diese kam nicht. Stattdessen etablierte sich die für Mitteleuropa geltende MEZ, die vor und nach Deutschland auch andere europäische Länder einführten. Später kam es zur Unterscheidung zwischen Winter- und Sommerzeit und damit zur Notwendigkeit, regelmäßig die Uhren umzustellen.

Vertraute Zeit für alle

Zeitzonen seien sinnvoll, sagt Graf: "Sie unterscheiden sich voneinander jeweils um eine ganze Stunde. Die Aufteilung der Erde in 24 solcher Stundenzonen bewirkt, dass die Sonne ungefähr um 12 Uhr mittags im Zenit steht - und das weltweit." Somit lebe jeder in einer ihm vertrauten Zeit, die sich an dem Stand der Sonne orientiere.

Zeitumstellung im Uhrenmuseum

Im Uhrenmuseum verdeutlichen mehrere so genannter Weltuhren, wie unterschiedlich die Erde tickt. Immer zur Zeitumstellung ist Handarbeit gefragt, wie Uhrmachermeister Matthias Beck sagt. Er geht dann stundenlang durch die Räume und dreht den Zeiger der Uhren von Winter- auf Sommerzeit - und im Oktober umgekehrt.

  • Zeitumstellung – Schadet sie der Gesundheit? Gut zu wissen, 24.03.2018, 19:00 Uhr, BR Fernsehen
  • Verflixte Innere Uhr – warum uns Zeitumstellungen stressen. Quarks, 25.03.2018, 18:00 Uhr, ARD-alpha

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