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Saharastaub über Bayern Wenn Sand die Sonne trübt

Wenn bei schönstem Wetter die Sonne doch nur trübe in milchig-rötlichem Licht scheint, dann liegt was in der Luft: Saharastaub. Heiße Winde in Afrika schicken den Wüstensand zu uns – tonnenweise.

Stand: 04.07.2014

Wüstensand verschleiert die Sonne | Bild: picture-alliance/dpa

Die Sonne scheint wie durch Milchglas, getrübt von einem dünnen Schleier. Doch was wie Wolken wirkt, ist in diesem Fall das Gegenteil: Kein Wasserdampf, sondern trockener Wüstensand: Saharastaub an Bayerns Himmel!

Der Wüstensand hat am Wochenende (02./03.04.16) auch die Temperatur um ein bis zwei Grad gesenkt, wie der Deutsche Wetterdienst erklärte. Der Sand habe sich in zwei bis drei Kilometern Höhe befunden und gemeinsam mit den Schleierwolken für Abkühlung gesorgt.

Filter vor der Sonne

Mikrometer

Ein Mikrometer qm misst ein Tausendstel Millimeter: 1 qm = 0,001 mm

Es sind winzig kleine Partikel aus Mineralstaub, im Durchschnitt nur fünf bis zehn Mikrometer groß. Meist bekommen wir es überhaupt nicht mit, wenn der Wüstensand zu uns kommt. Doch bei außergewöhnlich hohen Konzentrationen wird der Saharastaub buchstäblich zu Wetter: Er liegt wie ein Filter vor der Sonne, die dann manchmal von einem Hof umgeben ist, der etwas heller scheint.

"Zu den typischen, eindeutigen Belegen für eine Trübung der Atmosphäre durch einen hohen Staubanteil zählt die starke Aufhellung des Himmels um die Sonne herum. Die Sonne erscheint nur sehr trüb, wie durch ein Milchglas betrachtet. Der Experte nennt das einen 'Hof' (um die Sonne)."

BR-Chefmeteorologe Michael Sachweh

April 2014: 280.000 Tonnen Saharastaub in Bayerns Luft

Zur Infokarte | Bild: BR zur Infografik Infokarte Bayern So viel Saharastaub in der Luft

Rund 140 Tausend Tonnen Wüstenstaub haben sich im bayerischen Luftraum befunden. Südwestwinde trieben die Staubwolke in der Nacht Richtung Osteuropa. Doch Regen und Gewitter haben einen Teil des Saharastaubs niedergehen lassen. [mehr]

Gleichzeitig führen die Staubpartikel aber auch zu Wolkenbildung, wenn besonders viel Sand bei uns ankommt. Im April 2014 waren beispielsweise 280.000 Tonnen Saharastaub in der Luft über Bayern, allein an einem Tag. Das entspricht dem Gewicht von 28 Eiffeltürmen. Der Grenzwert für die Verschmutzung der Luft war um das Doppelte und Dreifache überschritten. Am 22. Mai waren immerhin 120.000 Tonnen Wüstensand über uns. Und am 4. Juli, waren nach Angaben von Michael Sachweh, dem Chef-Meteorologen des Bayerischen Rundfunks, rund 140.000 Tonnen Saharastaub im bayerischen Luftraum.

Ursache: Extrem warme Großwetterlage

Ursache für den Wüstensand in Bayern ist meist eine besonders warme Großwetterlage: Der Saharastaub kommt mit warmer Luft aus Nordafrika nach Deutschland. Ein Wirbelsturm in der Wüste treibt den Sand in die Höhe und starker Wind trägt ihn Richtung Norden. Die mit den Mineralstaubpartikeln beladene Luft strömt dann in mittleren und großen Höhen und gelangt so auch über die Alpen.

Saharastaub zieht's nach Norden

Abgeregneter Saharastaub

Eigentlich ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass der Saharastaub bis in unsere Gefilde vordringt: Im Schnitt zieht Wüstenstaub etwa fünf bis 15 Mal aus der Sahara über Marokko und Frankreich nach Deutschland. Doch normalerweise bekommen wir das überhaupt nicht mit, denn die Mischung aus sogenannten Mineralstaubpartikeln wie Quarzsand, Tone, Geothit und Gips treibt in höheren Luftschichten. Erst Regen transportiert sie in Bodennähe.

Ein Segen für die Landwirtschaft

Während sich heutzutage höchstens hauchdünne Sandschichten bei uns ablagern, die sofort wieder weggespült werden, sorgte der Wüstensand vor Jahrtausenden dafür, dass einige Regionen in Bayern zu nährstoffreicheren Böden kamen.

"Vor rund 8.000 Jahren türmte sich der Staub auf bis zu einem Meter und sorgte gerade im Main-Frankengebiet bei Ochsenfurt und dem Gäuboden bei Straubing für nährstoffreichen Boden."

Roland Eichhorn, Leiter des geologischen Dienstes beim Landesamt für Umwelt

Der Sand kann nämlich Wasser und Nährstoffe besser speichern und sorgt dadurch für besseres Wachstum, wovon vor allem Spargel und Getreide besonders profitieren.


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