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Wenn frisch geschorene Schafe frieren Die Bauernregel von der Schafskälte

Mitte Juni trifft uns immer wieder die sogenannte Schafskälte: Kalte Polarluft bringt Kälte nach Mitteleuropa. Doch wer denkt, es handle sich "nur" um einen Spruch, der hat sich geirrt. Die Bauernregel tritt zu 80 Prozent ein!

Stand: 23.01.2018

Schafsherde im Regen | Bild: picture-alliance/dpa

Fast jedes Jahr um den 11. Juni dasselbe Spiel: Es wird wechselhaft, kälter, nasser und ungemütlicher als man es sich in dieser Jahreszeit erhofft. Meist war es im Mai schon wärmer – dann folgt der Kälteeinbruch, ausgelöst durch Polarluft, die sich über Mitteleuropa breit macht. Temperaturstürze um fünf bis zehn Grad sind dann die Regel – die Schafskälte ist wieder eingetreten. Die Bauernregel hatte wieder recht.

Kaltluft aus Nordwesten

Schaf Carla wird geschoren

Wenn es zwischen 4. und 20. Juni nochmals so richtig kühl wird, spricht man von der Schafskälte. Grund für den Kälteeinbruch ist die feuchte und kühle Luft, die von Nordwesten einströmt. Der Name kommt daher, dass die Schafe bis zu diesem Zeitpunkt normalerweise schon einmal geschoren werden und die Kälte für die Tiere durchaus bedrohlich werden kann.

Lostage als Wetterboten

Lostage?

Der Begriff kommt von "losen", das früher Orakel befragen oder den Geistern zuhören bedeutete.

"Schafstage", "Johannistag" oder "die kalte Sophie" – sie zählen zu den sogenannten Lostagen. So werden die Tage genannt, die nach dem Volksglauben einen Hinweis auf weitere Wetterentwicklungen und den Wetterablauf der kommenden Wochen und Monate geben oder an denen man ablesen kann, ob die Ernte und das Jahr erfolgreich werden oder nicht.

Singularität

Als Singularität bezeichnen Meteorologen eine vom normalen Wetterverlauf abweichende Wetterlage, die aber zu bestimmten Jahreszeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit auftritt.
Traurigstes Beispiel: grüne Weihnachten.

Die Lostage basieren - wie die Bauernregeln - auf langjährigen Wetterbeobachtungen und haben oft auch einen wahren Kern. Sie basieren oft auf Singularitäten, also eigenartigen Witterungsregelfällen wie Kälteeinbrüchen. Für die Bauern waren sie früher von großer Bedeutung, weil sie sich mit ihren unterschiedlichen landwirtschaftlichen Arbeiten nach ihnen richteten. Insgesamt gibt es 84 Lostage.

Bekannte Lostage

Eisheiligen

Als Eisheilige werden die Tage vom 11. bis 15. Mai bezeichnet. Gerade in dieser Zeit kommt es häufig zu Kälteeinbrüchen, bedingt durch Nordwetterlagen mit arktischer Polarluft, die in Deutschland das Wetter bestimmen.

Da die Kaltluft von Norden einströmt, ist zuerst Nord-, dann Süddeutschland von der kalten Wetterlage betroffen: Während in Norddeutschland die Tage vom 11. bis 13. Mai als Eisheilige bezeichnet werden und Mamertus, Pankratius und Servatius heißen, kommen im Süden Deutschlands am 14. Mai Bonifatius und am 15. Mai die kalte Sofie dazu.

Die Eisheiligen sind deshalb so "berühmt", weil der mit ihnen verbundene Kälteeinbruch in eine frostempfindliche Wachstumsphase der Pflanzen fällt. Besonders nachts bringen die Eisheiligen oftmals Bodenfrost. Deshalb raten Gärtner viele Pflanzen erst nach den Eisheiligen ins Freie zu setzen oder zu säen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) weist darauf hin, dass in den letzten Jahren die frostigen Kälteperioden im Mittel früher, also schon Ende April, auftreten. Deshalb wirken sie sich in den letzten Jahren nicht so stark auf die Pflanzen aus, da die Saat zu dieser Zeit noch nicht ausgesät wird und die Keimlinge noch nicht entsprechend weit sind.

Schafskälte

Die Schafskälte ist der Zeitraum vom 4. bis 20. Juni, in dem es häufig kalt und feucht wird. Ursache für den Kälteeinbruch ist die einfließende Polarluft. Geht man für die Schafskälte vom genauer eingeschränkten Zeitraum vom 10. bis 12. Juni aus, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es kaltes, wechselhaftes Schmuddelwetter gibt, bei 80 Prozent! Die Wahrscheinlichkeit, dass es regnet liegt, bei rund 55 Prozent.

Den Namen hat der Tag erhalten, weil die Schafe normalerweise bis zu diesem Zeitpunkt schon einmal geschoren wurden und die Kälte für die Tiere durchaus bedrohlich werden kann.

Siebenschläfer

Als Siebenschläfer gilt der 27. Juni. Es gibt zahlreiche Bauernregeln zu diesem Tag, die auf langjährigen Wetterbeobachtungen beruhen. Diese basieren darauf, dass sich im Zeitraum vom 27. Juni bis 8. Juli bestimmte Großwetterlagen einstellen, die von einer dauerhaften Lage des ostatlantisch-europäischen Jetstreams abhängen. Dieses ausgeprägte Starkwindband bestimmt je nach Lage, ob Feuchtigkeit und kühle Luft zu uns kommen oder ob es trocken und warm wird.

"Ist der Siebenschläfer nass, regnet's ohne Unterlass" – die Wahrscheinlichkeit, dass diese Bauernregel stimmt, liegt bei 62 Prozent, für kühles Wetter bei 70 Prozent.

Hundstage

Brütende, anhaltende Hitze – das sind die Hundstage. Sie sind benannt nach dem Fixstern Sirius. Sie bezeichnen ursprünglich den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 23. August, wenn die Sonne im Tierkreiszeichen Löwe steht.

Vor 2.000 Jahren ging im alten Ägypten der Stern Sirius im Sternzeichen "Großer Hund" im August gemeinsam mit der Sonne auf und unter – deshalb wurde die Schönwetterperiode "Hundstage" genannt. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Hochdruckgebiet zeitlich etwas verschoben.

Die Existenz der alten Ägypter war stark von Nilüberschwemmungen abhängig. Und sie wussten: Wenn der Fixstern Sirius aufgeht, dann kommt auch die Zeit der Überschwemmungen.

Die Dauer der Hundstage erklärt sich übrigens daraus, dass vom ersten Auftauchen des Sirius in der Morgendämmerung bis zum vollständigen Erscheinen des gesamten Sternbilds rund ein Monat vergeht. Die meisten anderen Sterne des Großen Hunds werden zu diesem Zeitpunkt vom Licht der Sonne noch überstrahlt oder sind teils noch gar nicht aufgegangen.

Altweibersommer

Eine beständige frühherbstliche Hochdrucklage mit angenehm warmen Tagen - das versteht man unter einem Altweibersommer. Besonders häufig gibt es diese sommerlichen Temperaturen und kühlen Nächte von Mitte September bis Anfang Oktober.

Der Begriff "Altweibersommer" geht auf das altdeutsche Wort "weiben", das von "Weben" kommt, zurück. "Weiben" bezeichnete das Knüpfen von Spinnweben und bezieht sich auf die germanische Mythologie: Nach klaren Nächten sieht man in den Morgenstunden sonniger Septembertage den Tau an den Spinnweben. Dies feinen Fäden glitzern wie silbernes Haar. Früher glaubte man, dass dieses Haar ältere Weiber beim Kämmen verloren hatten. Diese älteren Weiber waren die Schicksalsgöttinnen, die Nornen, die die Lebensfäden der Menschen spannen.

Raunächte

Die Raunächte gehen vom 24. Dezember bis 5. Januar. Eine Raunacht geht immer von Nacht zu Nacht, zum Beispiel von 00.00 am 24. Dezember bis 24.00 Uhr am 25. Dezember.

Nach dem keltischen Jahreskreis ist dies die Zeit der "Jahresnächte". Früher wurde jede der zwölf Nächte einem Monat des kommenden Jahres zugewiesen und so orakelte man sich durch das kommende Jahr. Auch das Wetter an jedem einzelnen Tag wurde mit einer bestimmten Bedeutung belegt: War beispielsweise am 25. Dezember schönes Wetter, so stand das für ein glückliches, neues Jahr.

Eine besondere Bedeutung hatte der 5. Januar, der sogenannte "Perchtenabend". Noch heute finden am Alpenrand "Perchtenläufe" statt, bei denen Menschen, verkleidet als Dämonen und wilde Tiere durch die Straßen ziehen und dabei böse Geister austreiben sowie den Winter vertreiben.

Verwirrung um das genaue Datum

Siebenschläfer | Bild: picture-alliance/dpa zur Bildergalerie mit Informationen Der Siebenschläfer Ein kleiner Kobold und großes Wetter

Der 27. Juni ist berühmt-berüchtigt: Siebenschläfertag! Das Wetter der nächsten sieben Wochen steht auf dem Spiel. Einem kleinen Kerl ist das jedoch völlig egal: dem Siebenschläfer. [mehr]

Warum beginnt die Schafskälte um den 11. Juni und ist der Siebenschläfer wirklich am 27. Juni? Es gibt immer wieder Verwirrung wegen der genauen Tage, an denen eine Bauernregel eintreffen soll. Das liegt vor allem auch daran, dass zahlreiche Wetterregeln aus der Zeit des julianischen Kalenders stammen. Da ein julianisches Kalenderjahr länger war als ein Sonnenjahr, verschob sich zum Beispield der Tag des Frühlngsanfangs und es entstand ein Fehler zwischen berechnetem und astronomischen Vollmondzeitpunkt. Mit der Kalenderreform von Papst Gregor XIII., Ende des 16. Jahrhunderts, wurde das Zählschema des vorher gültigen julianischen Kalenders geändert und verallgemeinert. So wurden zum Ausgleich zehn Tage gestrichen und das mittlere Kalenderjahr hat seither 356, 2425 Tage. Auch die Lostage, die auf alten Bauernregeln beruhen, sind deshalb nicht genau festzulegen.


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