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Wetter Föhn - der warme, wilde Wind

Er teilt den Himmel wie mit dem Messer und holt die Berge zum Greifen nah: Der Föhn weht von den Alpen herab! Dann geben ihm viele die Schuld an Kopfschmerzen und Nervosität. Aber die Meteorologen erklären: Das ist doch gar kein Föhn!

Stand: 12.04.2016

Föhnwetter in München | Bild: picture-alliance/dpa

Der Föhn ist ein Südwind, der von Italien über die Alpen nach Norden weht. Auf der Südseite muss die Luft aufsteigen und nördlich der Berge wieder absinken. Beim Aufsteigen kühlt die Luft ab und verliert dabei ihre Feuchtigkeit. Beim Absinken erwärmt sie sich wieder, und zwar doppelt so schnell wie beim Aufsteigen. Die restlichen Spuren von Feuchtigkeit verdunsten und die Luft ist extrem warm und klar. Für gute Sicht sorgt darüber hinaus, dass der Staub in der Luft auf der Alpensüdseite hängen bleibt.

Wie Föhn entsteht

Kampf gegen die Inversion

Morgenrot am Baierbrunner Kirchberg

Meist beschränkt sich der Föhnwind auf die direkte Alpenregion. Nur selten setzt er sich bis nach München durch. Im Winter liegt oft kalte Luft wie eine schwere Decke über der Stadt, dann sieht man vom Föhn gar nichts. Sehr viel Wind ist nötig, um diesen "stabilen Zustand" zu beseitigen. Ist der Wind zu schwach, bleibt die Kaltluft am Boden. Es herrscht eine "Inversion": Unten ist eine kalte Luftschicht und darüber eine wärmere. Bei solchen Wetterlagen ist es in den Bergen oft wunderbar mild und sonnig, im Flachland hingegen ist es trübe, wolkenreich und teils neblig.

Doch manchmal, wenn der Föhn stark genug ist, setzt er sich tatsächlich bis nach München durch. Die Sonne scheint, es herrscht extrem klare Sicht und ist sehr mild - aber auch sehr windig.

Der Föhn, der keiner ist

Oktoberfest bei Föhn

Nur zwanzig Prozent aller echten Föhnfälle setzen sich bis in die bayerische Landeshauptstadt durch. Wenn in München alle vom Föhn reden, sprechen die Meteorologen nur von "föhnigen Effekten": Eine Föhnströmung kann die Wolken bis zur Donau blasen. Über der Stadt scheint dann die Sonne und es ist mild. Doch wenn sich der Föhn voll durchsetzt, weht der warme Wind durch die Straßen und es ist noch einmal deutlich wärmer.

Wind aus der Wüste

Manchmal kommt die Luft, die der Föhn uns bringt, von viel weiter her als aus Italien. Wenn sie zum Beispiel aus der Sahara stammt, erreicht die Luft schon in sehr großen Höhen die Alpen. Die Luft muss dann nicht mehr aufsteigen, und es bilden sich auch keine Wolken. Es ist also eine Legende, dass bei Föhn auf der Alpensüdseite das Wetter immer schlecht ist.

Kalter Nordwind im Süden

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: Wenn der Wind von Norden über die Alpen bläst. Die Auswirkungen sind zwar anders, doch im Prinzip passiert das Gleiche wie bei Föhn: Auf der Nordseite der Alpen staut sich feuchte Luft und es regnet. Auf der Alpensüdseite weht dafür ein kalter Fallwind. Auf dem Balkan heißt er beispielsweise "Bora", in Südfrankreich "Mistral".

Bekannte Winde

Bise

Meist kalter, trockener Nordostwind im Schweizer Mittelland. Da der Wind zwischen Jura und Alpen sozusagen kanalisiert wird, ist er am Genfersee am stärksten.

Bora

Ein kalter, starker und böiger Fallwind aus Nordosten, zwischen Triest, der kroatischen und der montenegrinischen Adriaküste. Einzelne Böen können bis zu 200 Kilometer pro Stunde erreichen.

Etesien

Die Griechen nannten ihn Etesien, die Türken sagen Meltemi zu diesem Wind, der mit großer Beständigkeit von Mai bis Oktober in Griechenland sowie in der Ägäis weht. Er ist ein Schönwetterwind, der aus nordwestlicher bis nördlicher Richtung weht.

Föhn

Meist warmer, trockener und böiger Fallwind auf der Nordseite der Alpen oder allgemein im Windschatten (Lee) von Gebirgen. Je nach Region der Erde heißt er anders: in Nordamerika Chinook, in Algerien wird der föhnartige Sandsturm Samum genannt, in Ägypten Chamsin.

Levante

Der Levante kommt im westlichen Mittelmeer zwischen Spanien und der nordafrikanischen Küste auf. Er ist ein warmer Wind der Stärke 3 bis 5, seltener bis zu 8. Er folgt oftmals dem Mistral, weht ganzjährig und ist zwischen Mai und Oktober am stärksten.

Mistral

Rauher, meist kalter Nord- bis Nordwestwind in Südfrankreich. Durch Kanalisierung im Rhonetal erreicht er in Böen teilweise mehr als 100 Kilometer pro Stunde.

Ora

Ora ist der bekannte Südwind des Gardasees. Ora ist ein thermischer Wind, der entsteht, wenn die von der Sonne aufgeheizte Luft am Nordende des Sees nach oben steigt. So wird ein Vakuum erzeugt, das neue Luftmassen aus der Poebene ansaugt. Diese strömen mit hoher Geschwindigkeit heran, der Ora. Die Ora beginnt zumeist gegen Mittag und flaut am späten Nachmittag wieder ab.

Pelér

Der Schönwetterwind des Gardasees weht zumeist von Juni bis September gleichmäßig aus nördlicher Richtung. Typisch für den Pelér: Er bringt auf dem Gardasee drei große Wellen, gefolgt von kleinen mit sich. Die höchste der großen Wellen ist die zweite - sie ist ideal für die Surfer. Er wird auch Vento genannt. Abgelöst wird der Pelér von der Ora, dem Südwind.

Scirocco

Heißer, trockener, mit Staub beladener Südwind aus der Sahara, der sich beim Weg über das Mittelmeer mit Feuchtigkeit anreichert und in Italien sehr schwül ankommt.

Wärmer, aber trotzdem kalt

Die Luft erwärmt sich auch, wenn sie in umgekehrter Richtung über die Berge weht. Aber die Nordströmung besteht meist aus arktischer Kaltluft. Wenn die Luft beispielsweise auf der Alpennordseite minus zehn Grad Celsius kalt ist, kommt sie auf der anderen Seite mit plus vier oder fünf Grad an. Eigentlich eine deutliche Erwärmung, doch wenn es im Süden plus 15 Grad warm war, sorgt der Fallwind für eine deutliche Abkühlung. Aber sonst ist das Wetter wie bei Föhn an der Alpennordseite: Der Himmel ist blau, die Sonne scheint - und der Wind bläst heftig.


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