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Matthias Maurer Der nächste deutsche Astronaut im Weltall

Alexander Gerst bekommt Verstärkung: Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer hat seine Grundausbildung beendet. Jetzt beginnt für den 48-Jährigen das missionsspezifische Training, das ihn auf Raumflüge vorbereitet.

Stand: 26.09.2018

Am 25. September 2018 hat der deutsche Astronaut Matthias Maurer sein Zeugnis bekommen: Er hat die Grundausbildung geschafft und darf sich nun offiziell ESA-Astronaut nennen. Jetzt wird Maurer gezielt für kommende Missionen trainieren. Er sei zwar nun ausgebildeter Astronaut, betonte der 48-Jährige - "aber das bedeutet nicht, dass ich morgen in den Weltraum fliegen werde". Vor einer möglichen Mission, voraussichtlich zur Internationalen Raumstation ISS - wird er jetzt noch mindestens zwei Jahre lang trainieren. Innerhalb der nächsten drei Jahre könnte er seinen ersten Weltraumflug unternehmen, sagte ESA-Chef Jan Wörner.

"Glückwunsch an meinen Kollegen Explornaut zum erfolgreichen Abschluss der Astronautenausbildung - auf zu den Sternen!"

Alexander Gerst (Astro_Alex) beglückwünschte Matthias Maurer (Explornaut) via Twitter von der ISS aus

Matthias Maurer hatte sich zusammen mit Alexander Gerst beworben

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer wurde am 18. März 1970 im Saarland geboren.

Nach Alexander Gerst ist Matthias Maurer nun der zweite Deutsche im aktuellen ESA-Astronauten-Korps.
Wie Alexander Gerst und der französische Astronaut Thomas Pesquet hatte sich auch Matthias Maurer 2008 auf eine Ausschreibung der ESA als Astronaut beworben. Anders als Gerst wurde Maurer aber nicht sofort ins Team der aktiven Astronauten aufgenommen. Er schaffte es damals unter die zehn Finalisten, wurde nachnominiert und im Februar 2017 ins Astronauten-Korps berufen.

"Weil er gut ist."

So begründete Jan Wörner, Chef der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, die Wahl von Matthias Maurer ins aktive Astronauten-Korps 2017.

Matthias Maurer könnte der zwölfte Deutsche im All werden

Matthias Maurer (r) mit seinen ESA-Kollegen Pedro Duque (l) und Luca Parmitano (M) 2016 auf Expedition im Timanfaya Nationalpark auf Lanzarote.

Bislang waren elf Deutsche auf Missionen im Weltraum, zuletzt Alexander Gerst: Das erste Mal im Jahr 2014. Jetzt gerade befindet sich Astro_Alex zum zweiten Mal auf der ISS. Matthias Maurer arbeitet bereits seit 2010 für die ESA. Er war Astronauten-Support-Ingenieur, kommunizierte als sogenannter Eurocom mit den Crews auf der Internationalen Raumstation ISS und trainiert schon länger Fähigkeiten, die ihm bei einem Einsatz im Weltraum hilfreich wären.

"Meine Großväter waren einfache Bergarbeiter im Kohlebergbau. Die hätten sich nie im Leben vorstellen können, dass ich mal Astronaut werde."

Matthias Maurer, deutscher ESA-Astronaut, zum Abschluss seiner Grundausbildung im September 2018

Matthias Maurer, der sportliche Materialwissenschaftler aus dem Saarland

Deutsche Astronauten im All

Matthias Maurer wurde am 18. März 1970 geboren. Er wuchs in der etwa 6.000 Einwohner zählenden Gemeinde Oberthal im Kreis St. Wendel im Saarland auf. Maurer studierte unter anderem an der Universität Saarbrücken Materialwissenschaft und Werkstofftechnik. Er promovierte und erhielt 2004 einen Doktortitel in Materialwissenschaft an der RWTH Aachen. Bei der Bewerbungsrunde der ESA im Jahr 2008 hatten sich mit ihm zusammen rund 8.500 Kandidaten mit den notwendigen Voraussetzungen beworben - in der Regel Ingenieure und erfahrene Test- oder Verkehrspiloten mit guter körperlicher Fitness. Zu Maurers Hobbys zählen Reisen, Wandern, Radfahren, Fotografieren, Lesen und Sprachenlernen.

"Das ist ein super Ding, das ist klasse. Da könnte man glattweg in die Luft gehen."

So freute sich Stephan Rausch, Bürgermeister von Maurers Heimat Oberthal 2017 über die Ernennung

Maurer hat das Leben in einer Forschungsstation bereits getestet

Matthias Maurer auf Twitter folgen

Auf Twitter ist Astronaut Matthias Maurer als "Explornaut" unterwegs.

Wie es sich anfühlt, auf einer isolierten Forschungsstation zu sein, konnte Maurer im Sommer 2016 vor der Küste Floridas erleben. Dort befindet sich etwa zwanzig Meter unter dem Meer die Unterwasserstation Aquarius. Mit anderen ESA- und NASA-Spezialisten verbrachte der passionierte Taucher dort 16 Tage am Stück. Er führte unter anderem Experimente durch, die später auf der ISS durchgeführt werden sollten. "Wir versuchen, Kinderkrankheiten dieser Experimente auszumerzen", sagte er dem Radiosender "SR3 Saarlandwelle". Und: "Wir müssen mit unseren Problemen und Situationen hier auf dem Meeresboden alleine klarkommen. Wir haben wirklich das Gefühl, wir sind auf einem anderen Planeten." Diese Erfahrungen werden ihm nützen, wenn er eines Tages ins All fliegt. Bei seinen Abenteuern kann man Matthias Maurer übrigens begleiten - wie auch schon seinen Kollegen Alexander Gerst via Twitter: Maurer heißt dort "Explornaut".

Astronaut werden

Bewerbung

Interessenten können sich bewerben, wenn die ESA ihre Ausbildungsplätze offiziell ausschreibt. Das passiert allerdings nur alle paar Jahre - zuletzt 2008.

Formales

Man sollte 27 bis 40 Jahre alt und kerngesund sein. Bewerben kann sich nur, wer ein fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis vorweisen kann. Die ESA erwartet drei Jahre Berufserfahrung. Gefragt sind Piloten, Naturwissenschaftler, Mediziner und Ingenieure.

Eigenschaften

"Toleranz ist das Wichtigste für einen Astronauten", sagt ESA-Sprecher Jules Grandsire. Schließlich gebe es auf einer Raumstation wenig Platz und Komfort. Die Bewerber sollten außerdem keine Angst vor, sondern Vertrauen in Technik haben. Das zeigen Hobbies wie Tauchen, Klettern, Fliegen oder Fallschirmspringen.

Auswahlverfahren

Die ESA siebt unter den Bewerbern rund ein Jahr lang aus. So lange werden Reflexe, Rechenfähigkeiten und Maschinenbaukenntnisse geprüft sowie psychologische Untersuchungen gemacht. Am Ende steht eine Art Shortlist mit circa zehn Kandidaten fest. In weiteren Gesprächen werden die künftigen Astronauten bestimmt. Nachnominierungen sind möglich.

Chancen

Letztes Mal haben sich 8.413 Männer und Frauen beworben. Sechs haben es geschafft. Wer ausgewählt wird, fliegt in der Regel auch ins All.

Ausbildung

Vier Jahre lang werden die Bewerber im Europäischen Astronautenzentrum in Köln zum Astronauten ausgebildet. Auf ihrem Stundenplan stehen unter anderem Maschinenbau, Naturwissenschaften, aber auch ein medizinisches Training, damit sie wissen, wie man eine Wunde näht oder eine Spritze setzt. Teile der Ausbildung finden auch in Houston und Moskau statt. Sobald feststeht, an welcher Mission sie teilnehmen sollen, trainieren sie rund zwei Jahre speziell dafür.

Verdienst

Während der Ausbildung verdienen Astronauten nach ESA-Angaben etwa 5.000 Euro netto.

  • Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer: 26.09.2018, 18.05 Uhr, IQ.

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