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MASCOT auf Asteroid Ryugu Das deutsche Landegerät der Mission Hayabusa 2

Begeisterung beim Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum DLR: Am 3. Oktober landete das deutsche Landegerät MASCOT auf dem Asteroiden Ryugu - ein Höhepunkt der Raumfahrtmission Hayabusa 2. Dann hieß es: Forschen im Eiltempo!

Stand: 04.10.2018

Der schuhschachtelgroße Lander MASCOT aus Deutschland kreiste seit Juni an Bord der japanischen Raumsonde Hayabusa 2 um den Asteroiden 162173 Ryugu und wartete auf seinen großen Moment. Der war am 3. Oktober gekommen: MASCOT ist auf dem Asteroiden gelandet.

Schwierige Landung von MASCOT auf Ryugu

Landung mit Schwung

Schon die Landung auf Ryugu war für MASCOT eine große Herausforderung, denn die Anziehungskraft des Asteroiden beträgt nur ein 60.000stel der Erdanziehungskraft. Das Landegerät hätte im schlimmsten Fall von Ryugu wieder abprallen können.

"Es hätte nicht besser laufen können. Aus den Betriebsdaten des Landers konnten wir erkennen, dass er sich von der Raumsonde trennte und nach rund 20 Minuten auf der Asteroidenoberfläche zur Ruhe kam."

Dr. Tra-Mi Ho, MASCOT-Projektmanagerin am DLR-Institut für Raumfahrtsysteme

MASCOT hatte nur wenige Stunden Zeit

Nachdem sich MASCOT mit Hilfe seines Schwungarms neu ausgerichtet hatte, führte das Landegerät zahlreiche Messungen auf Ryugu durch. Der Schwungarm ermöglichte es dem dreißig mal dreißig mal zwanzig Zentimeter großen und zehn Kilogramm schweren Lander auch, noch weiterzuhüpfen und eine andere Stelle der Asteroidenoberfläche zu erkunden.

Insgesamt hatte MASCOT nur etwas mehr als 17 Stunden Zeit, länger hielten seine Batterien nicht durch. Auf dem Asteroiden entspricht das zwei kompletten Tagen und Nächten.

Schon während des Landeanflugs schaltete MASCOT seine Kamera ein und machte zwanzig Bilder. Alle Daten sind offenbar wohlbehalten bei der Muttersonde Hayabusa 2 angekommen und werden von dort zur Erde geschickt - ins DLR-Kontrollzentrum in Köln, das für MASCOT zuständig ist.

MASCOT war auf Ryugu auf sich allein gestellt

Hayabusas Start und Ankunft

Hayabusa 2 hob im Auftrag der japanischen Raumfahrtagentur JAXA am 3. Dezember 2014 von Japan aus ab. Am 27. Juni 2018 ist sie an ihrem Ziel, in einer Umlaufbahn 20 Kilometer um Ryugu entfernt, angekommen. Rund drei Milliarden Kilometer musste die Raumsonde zurücklegen.

Weil der Asteroid Ryugu rund 300 Millionen Kilometer entfernt ist und Kommandos dorthin etwa eine halbe Stunde lang durchs All unterwegs wären, konnte das Landegerät nicht vom Boden aus gesteuert werden. MASCOT war daher weitestgehend auf sich allein gestellt und für größtmögliche Autonomie programmiert. Offenbar musste er aber dennoch per Befehl dazu gebracht werden, seinen Schwungarm zum Einsatz zu bringen.

Messinstrumentde des DLR-Landers MASCOT

Die Oberfläche des Astroiden Ryugu - die Raumsonde Hayabusa 2 hat sie aus einer Entfernung von 851 Metern fotografiert, am 7. August 2018.

Das Landegerät MASCOT stammt vom DLR und wurde in enger Kooperation mit der französischen Raumfahrtagentur CNES entwickelt. Dazu stecken in MASCOT noch viele andere "M"s:
Das Radiometer MARA sollte unter anderem die Temperatur auf der Asteroidenoberfläche messen.
Die Kamera MASCAM sollte schon beim Niedergehen auf Ryugu Aufnahmen erstellen und vor Ort den Boden untersuchen. Mit dem Magnetometer MasMag wurde die Magnetisierung des Gesteins erforscht. Das Spektrometer MicrOmega analysierte Minerale und Gesteine.

DLR-Animation: Hayabusa2 fliegen und MASCOT landen sehen

Asteroid 162173 Ryugu (1999 JU3)

Umlaufbahn von Zielasteroid Ryugu (1999 JU3). Hayabusa, die Vorgängerin von Hayabusa 2, hatte den Asteroiden Itokawa besucht.

Ryugu ist rund 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt und etwa 4,5 Milliarden Jahre alt. Er besitzt einen Durchmesser von circa einem Kilometer und gehört zu einer häufig vorkommenden Klasse von erdnahen Asteroiden. Teleskopbeobachtungen von der Erde aus ließen vermuten, dass er möglicherweise Wasser enthält. Wenn das stimmt, wäre es ein Beleg dafür, dass Wasser einst durch Asteroideneinschläge auf unseren Planeten gekommen ist.

Ryugu wurde am 10. Mai 1999 entdeckt und wird auch 1999 JU3 genannt. "Ryugu" heißt der Asteroid erst seit 28. September 2015: Die japanische Raumfahrtbehörde JAXA hatte öffentlich zur Namensfindung aufgerufen. Ein Vorschlag war "Ryugu" - so heißt der Unterwasserpalast eines Drachengottes in einer japanischen Sage. Ein Fischer gelangt in diesen Palast und bringt eine geheimnisvolle schwarze Kiste mit zurück.

Asteroid Ryugu wird beschossen

Hayabusa 2 nimmt den Asteroiden Ryugu ins Visier - und unter die Lupe.

Während MASCOT den Asteroiden vor Ort unter die Lupe nahm, kreist Hayabusa 2 um den Asteroiden und vermisst und kartographiert Ryugu. Außerdem soll die japanische Sonde auf ihrer sogenannten "Probenrückführmission" Bodenproben aufnehmen und mit diesen im Jahr 2020 zur Erde zurückkehren. Hierfür wird sie Ryugu mit Projektilen beschießen, um Material aus seiner Oberfläche zu schlagen. Bereits 2010 hatte die japanische Raumsonde Hayabusa, die Vorgängerin von Hayabusa 2, erstmals Bodenproben von einem Asteroiden zur Erde gebracht. Der Lander MASCOT wird auf Ryugu verbleiben.

Hayabusa 2 und MASCOT sind das perfekte Team

Das Missionsteam hofft, dass MASCOT wichtige Beobachtungen für die späteren Bodenproben gemacht hat: Seine Untersuchungen von Ryugus Oberfläche und dem dort auftretendes Material soll den Entnahmeplatz für die Bodenproben mitbestimmen. Die soll Hayabusa 2 während einer kurzen Bodenberührung einsammeln und zur Erde zurückbringen. MASCOTS Messungen werden dann eine wichtige Referenz für die mitgebrachten Proben sein - sie könnten sich schließlich durch das Entnehmen, Zurückfliegen und Untersuchen verändern.

"Sonde und Lander werden unser Wissen über Asteroiden auf jeden Fall vervielfachen."

Tra-Mi Ho, MASCOT-Projektleiterin, DLR

Japanische Minerva-Lander

Außer dem deutschen MASCOT sind noch zwei weitere Landegeräte auf dem Asteroiden Ryugu gelandet: Am 21. September 2018 wurden die beiden japanischen Lander MINERVA-II1A und MINERVA-II1B aus einer Höhe von etwa 55 Metern abgeworfen. Die nur rund ein Kilogramm schweren und 18 Zentimeter im Durchmesser messenden Zylinder landeten laut der japanischen Raumfahrtagentur JAXA erfolgreich.

Ein Blick in unsere Vergangenheit und Zukunft

NASA-Mission Osiris Rex

Auch die NASA hat eine Mission zu einem Asteroiden gestartet, um ihn zu erforschen und Proben zu entnehmen: Osiris Rex. Die Sonde soll 2023 zur Erde zurückkommen. Dann wollen NASA und JAXA Proben austauschen und vergleichen.

Asteroiden gelten als Überreste aus der Frühzeit unseres Sonnensystems. Daher sind Forscher sehr daran interessiert zu erfahren, woraus diese bestehen. Dies ermöglicht den Blick zurück in unsere kosmische Vergangenheit und die Entstehung der Erde, der Ozeane und des Lebens. Gleichzeitig stellen besonders die erdnahen Objekte, zu denen auch Ryugu gehört, eine potentielle Bedrohung für die Menschheit dar. Auch wenn er selbst der Erde nie gefährlich werden wird, wäre es für zukünftige Abwehrmissionen hilfreich, wenn Forscher mehr über Asteroiden wie Ryugu erfahren.

Die Bedeutung der Namen "Hayabusa", "Ryugu" und "MASCOT"

Ein Wanderfalke fliegt zu einem Unterwasserpalast und kommt mit einem Kästchen voller geheimnisvoller Dinge zurück. Diese Geschichte erzählen zumindest die japanischen Namen der Mission. Von der Sagenwelt ins Weltall übersetzt ist gemeint: Die Sonde Hayabusa 2 ("Wanderfalke 2") fliegt zum Asteroiden Ryugu (Unterwasserpalast eines Drachengottes), um Materialproben zu nehmen und zur Erde zu bringen. MASCOT steht für Mobile Asteroid Surface Scout, was so viel bedeutet wie mobiler Erkunder der Asteroidenoberfläche.

  • Landung auf Asteroid - Sonde Mascot soll Ryugu erforschen: IQ - Wissenschaft und Forschung, 01.10.2018, 18.05 Uhr, Bayern 2.
  • Hayabusa 2 - Ankunft beim Asteroiden: IQ - Wissenschaft und Forschung, 27.06.2018, 18.05 Uhr, Bayern 2.
  • Hayabusa 2 und die MASCOT-Mission: nano, 27.06.2018, 17.45 Uhr, ARD-alpha.
  • Raumsonde Hayabusa 2: nano, 4.12.2014, 16.30 Uhr, ARD-alpha.

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