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Marmor Ein Stein aufs Edelste gebürstet

Kühl, glatt, weiß schimmernd oder auch mal rau und gräulich - Marmor gehört zum Edelsten, dessen sich Künstler und Architekten aus der Antike, der Renaissance oder der Moderne bedienen. Sie schaffen Kunstwerke für die Ewigkeit.

Stand: 11.10.2016

In der berühmten Bildhauer-Werkstatt "Studio Nicoli" in Carrara | Bild: picture-alliance/dpa

Marmor, das sind die Tränen der Sterne. So sagt es die Legende. Geologen beschreiben den glatten Stein eher nüchtern: Marmor sei gepresstes Kalziumkarbonat, entstanden tief in der Erde unter enormem Druck und hohen Temperaturen. Der bekannteste weiße Marmor kommt aus der italienischen Stadt Carrara in den Apuanischen Alpen am Tyrrhenischen Meer. Dort befindet sich eines der größten Marmorvorkommen der Welt, das vor rund 50 Millionen Jahren entstanden ist, als sich die afrikanische und die europäische Erdplatte aufeinander zubewegten. Dabei faltete sich die zweihundert Meter dicke Kalkschicht vom Meeresboden wie ein Fächer zusammen und bildete eine tausend Meter dicken Marmorader - schneeweiß bis hellgrau, mit vielfältigen Schattierungen und Musterungen.

Kunstwerke von der Antike bis zur Renaissance

Faltenwürfe aufs Natürlichste in Marmor gemeißelt: die Pietà von Michelangelo im Petersdom in Rom

Seinen ersten Glanzpunkt erlebte der kostbare Kalkstein im alten Rom zu Zeiten von Kaiser Augustus. Dieser rühmte sich, die Stadt aus Ziegelbauten übernommen, aber in Marmor hinterlassen zu haben. Ihm war es gelungen, mit seinen prächtigen Marmorbauten der Hauptstadt des Römischen Reiches das Gesicht einer wahren Metropole zu geben. Den zweiten Höhepunkt erlebte der schimmernde Stein im 15. Jahrhundert zur Zeit der Renaissance. Baumeister in Pisa oder in Orvieto und Bildhauer wie Michelangelo entdeckten am Fuße des Monte Altissimo den rein weißen, kostbaren Statuario. Diese edelste aller Marmorsorten ist ideal, weil sie besonders feinkörnig ist und nicht gleich bricht, wenn sie mit Fäustel und Meißel bearbeitet wird. Daraus entstanden beispielsweise Michelangelos Pietà in Rom und sein florentinischer David.

Baustoff für prunkvolle Bauwerke

Filigrane Verzierungen der Außenwände des Taj Mahal: Sie wurden sorgfältig aus dem Marmor herausgearbeitet.

Den dritten Boom erlebte der Marmor aus Carrara dann im 19. Jahrhundert. Das aufstrebende Bürgertum sah den aristokratisch anmutenden Stein als geeigneten Baustoff für Prestige- und Prunkbauten. Zu der Zeit arbeiteten mehr als 10.000 Menschen in den Steinbrüchen und den Werkstätten von Carrrara, die das Material zu Kunst und Kitsch verarbeiteten. Im Lauf der Jahrhunderte entstanden Bauwerke überall auf der Welt, in denen der schimmernde Stein aus den Apuanischen Alpen verwendet wurde: das Taj Mahal in Indien, der Petersdom in Rom, das eingestürzte World Trade Center in New York.

Verarbeitet als Souvenir oder Füllstoff für die Industrie

Weniger bekannt ist, dass Kalziumkarbonat minderer Qualität auch in der Lebensmittelindustrie verwendet wird, beispielsweise als Zusatzstoff bei der Herstellung von Zahnpasta, Nudeln, Tierfutter oder Qualitätspapier. Deshalb interessieren sich weltweit Unternehmen für den Kalkstein aus den Apuanen. Anfangs schien das Zermahlen von Marmorgeröll zu Kalziumkarbonat eine gute Möglichkeit, die riesigen Schutthalden abzubauen. Doch dagegen regt sich mittlerweile Widerstand der Bevölkerung. Gefordert wird ein Abbaulimit von qualitativ hochwertigem Marmor. Der Stein soll vor Ort in den Werkstätten verarbeitet werden, statt die Blöcke nach Asien zu verschiffen, um daraus Souvenirs herzustellen.

  • "Marmor - Ein Stein für Helden, Heilige und Herrschaften": 13. Dezember 2016, radioWissen, 9.05 Uhr, Bayern 2

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Geologe, Dienstag, 13.Dezember 2016, 11:41 Uhr

1. Noch kürzere Definition

Obige Definition von Marmor geht noch kürzer: metamorpher Kalkstein.
Das heißt: In nicht flüssigem Zustand umgewandelt.