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75 Jahre LSD Horrortrip und Wunderdroge

Im April 1943 gerät der Schweizer Pharmaforscher Albert Hofmann durch Zufall in einen Rausch, der seine Welt aus den Fugen hebt. Beim Experimentieren hat er eine Substanz entdeckt, die die Wahrnehmung extrem verändert: LSD.

Stand: 10.04.2018

Ein in Folie eingeschweißter LSD-Trip mit dem Gesicht von Marylin Monroe. | Bild: picture alliance / Markus C. Hur

Am Freitag, dem 16. April 1943, räumt Albert Hofmann sein Labor beim Pharmaunternehmen Sandoz in Basel für das Wochenende auf. Er ist etwas frustriert, denn seine Suche nach einem Mittel zur Kreislaufstabilisierung kommt nicht recht voran. Doch dann erlebt er völlig unvorbereitet einen bizarren Rausch. Später wird er ihn als wunderbares Erlebnis bezeichnen. Hofmann beschrieb seine Erfahrung bei einem Symposium in Basel anlässlich seines 100. Geburtstags im Jahr 2006 so:

"Ich musste das Labor verlassen, ich hatte das Gefühl, es passiert etwas mit Dir. Ich fuhr mit dem Velo (Rad) nach Hause, legte mich hin und hatte ein wunderbares Erlebnis. Was immer ich mir vorstellte, war bildhaft vor mir, tief beglückend. Es dauerte drei, vier Stunden, und dann verschwand es."

LSD-Entdecker Albert Hofmann

Hofmann hatte vor 75 Jahren etwas schlampig im Labor gearbeitet. Dabei war er mit der Substanz in Berührung gekommen, an der er gerade forschte: Lysergsäurediethylamid, abgekürzt: LSD.

Mit Überdosis in den Horrortrip

Albert Hofmann im Labor

Am folgenden Montag, dem 19. April 1943, wollte Hofmann herausfinden, was die Halluzinationen bei ihm ausgelöst hatte. Er nahm das LSD, das er aus dem Pilz Mutterkorn gewonnen hatte, nun bewusst ein. Die Dosis sollte eigentlich minimal sein, stellte sich aber trotzdem als viel zu hoch heraus. Was folgte, war entsetzlich: "Ein Horrortrip", sagte Hofmann. "Ich dachte, jetzt hast Du eine große Erfindung gemacht und jetzt musst Du gehen." Vertraute Möbelstücke hätten in seiner Wahrnehmung groteske Formen angenommen und die Nachbarin sei ihm wie "eine bösartige, heimtückische Hexe mit einer farbigen Fratze" erschienen. Nach Stunden ließ die Wirkung nach: "Ich hatte das Gefühl, es kommt ein neues Leben in mich hinein, ich kann gar nicht beschreiben, wie schön es war."

LSD als Medikament bei Schizophrenie und Alkoholismus

Hofmanns Arbeitgeber machte aus der Substanz bald ein Medikament, das für den Einsatz in der Psychotherapie auf den Markt kam. LSD habe etwa psychisch Kranke gelöst, die vorher blockiert waren, sagte Hofmann. Sie hätten dann behandelt werden können. Ärzte setzten LSD in der Behandlung von Alkoholikern ein, als Stimmungsaufheller bei Schizophrenie-Patienten oder bei schweren Traumata.

Erst Hippie-Droge, dann verboten

"Turn on, Tune in, Drop out!“ lautete der Wahlspruch von Timothy Leary

In den 1960er-Jahren entdeckte die Hippie-Bewegung LSD. Als Flucht vor der von manchen empfundenen Banalität und Konformität der Gesellschaft propagierten Aussteiger LSD-Trips. Auch der amerikanische Psychologie-Professor Timothy Leary forderte die Freigabe bewusstseinsverändernder Drogen, darunter LSD. Im Jahr 1963 wurde er von der renommierten Harvard-Universität gefeuert. Wegen falscher Dosierung erlebten Menschen immer öfter Horrortrips. Verbrechen wurden im LSD-Rausch verübt und Selbstmorde begangen. Die Behörden waren entsetzt. Ende der 1960er-Jahre wurde die Droge in den USA und kurz darauf weltweit verboten.

Hofmann und sein "Sorgenkind" LSD

Albert Hofmann im Jahr 2006 auf einem Symposion anlässlich seines 100. Geburtstages

Erst Jahrzehnte später wuchs wieder das akademische Interesse an den Möglichkeiten von LSD. Der Schweizer Psychiater Peter Gasser, der Hofmann vor dessen Tod 2008 mehrmals traf, durfte 2007 mit einer Ausnahmegenehmigung erforschen, wie LSD Patienten mit Krebs oder anderen tödlichen Krankheiten helfen kann. Hofmann schrieb ein Buch über "LSD - mein Sorgenkind". Er war tief traurig über den Missbrauch, der seine Wunderdroge in Verruch gebracht hatte. Bis zuletzt war er überzeugt, dass die Substanz bei kontrollierter Einnahme eine positive Bewusstseinserweiterung bedeute. "Es hat mir offene Augen und innere Empfindlichkeit für das Wunder der Schöpfung gegeben, und dafür bin ich meinem Schicksal dankbar", sagte er an seinem 100. Geburtstag.


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