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Lawinengefahr Wie der Schnee zur Lawine wird

Von außen betrachtet sehen alle Schneeberge gleich aus. Doch das Innenleben einer Schneedecke ist orts- und jahreszeitenabhängig. Wenn die einzelnen Schichten nicht gut verbunden sind, kann es zu Lawinenabgängen kommen.

Stand: 07.01.2019

Schneebedeckte Dächer und Bergpanorama - was idyllisch aussieht, kann schnell zur tödlichen Gefahr werden: Wenn der viele Schnee nicht gut verbunden ist, kann das insbesondere in steilen Hanglagen Lawinen auslösen. Auf unpräparierten Pisten ist laut Lawinenforschung die Lawinengefahr am höchsten. | Bild: colourbox.com

Es schneit. Innerhalb von nur wenigen Stunden kann so eine dicke Decke Neuschnee entstehen. Ob daraus Lawinen entstehen, hängt von mehreren Faktoren ab. Wenn sich die einzelnen Schneeschichten nicht stabil ausbilden und darüber hinaus auch nicht gut miteinander verbunden sind, dann wird's gefährlich.

Geringe Lawinengefahr bei festem Schnee

Bei fest verbundenen Schneekristallen ist die Lawinengefahr gering. So hält sich eine Schneeflocke allerdings nicht lange.

Alles beginnt mit der einzelnen Schneeflocke. Filigran und in Form eines sechseckigen Sterns fällt sie vom Himmel, verändert dann aber bald ihre Kristallform. Die Flocken runden ihre Ecken ab, zum Beispiel weil sie sich im Wind aneinander reiben oder wärmer werden. So wird aus den Flocken etwas Kugeliges. Währenddessen können sich die Flocken miteinander verbinden und gefrieren zu größeren Schneekristallen - und davon hängt ab, wie stabil eine Schneedecke ist. Je enger und fester die Flocken miteinander verbunden sind, desto besser und sicherer der Schnee und desto weniger Lawinen gibt es.

Temperaturunterschiede machen Schneedecke instabil

Nun kann es sein, dass in der Schneedecke große Temperaturunterschiede herrschen. So kann es am Boden um Null Grad sein und an der Oberfläche deutlich kälter. Das hat zur Folge, dass sich ein Teil des Schnees in Wasserdampf umwandelt. Der bewegt sich in der Schneedecke und lagert sich an den kalten, oberflächennahen Schneekörnern an. Dann bilden sich sehr große Schneekristalle, die becherförmig sind und sich nicht mehr so gut miteinander verbinden können. Die Schicht wird brüchig und porös. Eine Schwachschicht entsteht.

Wenn eine Schicht Schnee einbricht und eine Lawine entsteht

Wenn die oberste Schicht Schnee sehr hart ist, wird der Druck besser verteilt. Erschwerte Bedingungen für eine Lawine.

In der Regel sind solche Schwachschichten gefährlich, wenn sie in einer Art Sandwich-Position zwischen zwei stabilen Schichten sind und dann einbrechen. Denn dann kann die oberste Schicht entlang der unteren Altschneeschicht bis ins Tal hinabrutschen - ein Schneebrett entsteht. Das passiert vor allem dann, wenn die Rutschfläche sehr glatt ist, zum Beispiel weil sie vereist ist.

Schneebrettlawine - ihre Entstehung

Weicher Schnee birgt größere Lawinengefahr

Nicht jede Schwachschicht ist gleich einbruchsgefährdet. Je dicker sie ist, desto sicherer ist sie. Eine dünne Schwachschicht dagegen kann kaum Spannungen ausgleichen oder Kräfte durch Skifahrer ausgleichen. Sie bricht schneller in sich zusammen und löst dann eine Lawine aus. Bei über der Hälfte der Lawinenunfälle in den Alpen ist nach Studien die Schwachschicht nur etwa zwei Zentimeter oder dünner gewesen.

Wenn die oberste Schneeschicht sehr weich ist, ist die Gefahr ebenfalls größer. Denn so kann ein Skifahrer oder Wanderer weiter einsinken und übt dann eine größere Kraft auf die Schneedecke aus. Wenn die oberste Schneeschicht sehr hart ist, dann kann sich der Druck in der Schwachschicht auf einen größeren Bereich verteilen, zum Beispiel bei Harsch.

  • Weiße Naturgewalten - Lawinen, Eis und Schnee: am 17. Januar 2019 um 17 Uhr in "Quantensprung", ARD alpha
  • Lawinenforschung in Davos: am 14. April 2018 um 14.05 Uhr in "Breitengrad", Bayern 2
  • Gefährlicher Schnee - Unterwegs mit den bayerischen Lawinenwarnern: am 12. Oktober 2017 um 19.30 Uhr, ARD alpha
  • Lawinen, die weiße Gefahr: am 20. Februar 2014 um 9.05 Uhr in "radioWissen", Bayern 2

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