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Bedrohtes Korallenriff Gelungene Korallen-Umsiedlung am Great Barrier Reef

Hoffnung für das bedrohte Great Barrier Reef vor der australischen Küste: Forscher haben erfolgreich Korallenlaich aus einem Teil des Riffs in einen anderen gefährdeten Teil umgesiedelt.

Stand: 14.12.2017

Die Forscher von der australischen Southern Cross Universität hoffen nun, dass die Korallen-"Transplantation" nicht nur im Great Barrier Reef erfolgreich verläuft. Vielmehr glauben sie, dass das Projekt weltweit helfen könnte, beschädigte Ökosysteme wieder aufzubauen.

"Das ist das erste Projekt dieser Art im Great Barrier Reef, bei dem es gelungen ist, eine Population von jungen Korallen wiederaufzubauen, indem Larven direkt auf das Riff angesiedelt wurden."

Peter Harrison, Projektleiter an der Southern Cross University

Korallen-Aufzucht

Laut Peter Harrison, Projektleiter der Southern Cross Universität, sei diese neue Methode wesentlich schonender als die sonst herkömmliche. Bisher seien beim "Anbau von Korallen" die Ableger von gesunden Korallen abgetrennt worden und an anderer Stelle wieder ins Riff gesteckt worden, um anzuwachsen.

Im November 2016 hatten Forscher große Mengen an Korallenlaich aus Koralleneiern und -sperma vor der Insel Heron Island im südlichen Teil des Great Barrier Reefs gesammelt und in Tanks aufgezogen. Mehr als eine Million geschlüpfte Larven brachten sie dann in beschädigte Gebiete des 2.300 Kilometer langen Korallenriffs.

Junge Korallen wachsen weiter

Ein Jahr später, zur nächsten Korallenlaichzeit, konnte sich das Forscherteam über das Ergebnis freuen: Junge Korallen hatten den Umzug überlebt und waren unter dem Schutz von Unterwassernetzen angewachsen. Der Erfolg zeige, dass es sinnvoll sei, eine solch große Menge an Laich zu entnehmen.

Harrison erklärte in einer Meldung der Universität am 26. November 2017, dass diese Art der Korallen-Umsetzung die Möglichkeit biete, "beschädigte Korallenpopulationen wiederaufzubauen und zu reparieren, wo das natürliche Nachwachsen gefährdet" sei.

Korallen sind Nesseltiere

Das Great Barrier Reef besteht aus rund 400 unterschiedlichen Korallenarten. Korallen sind wie Seeanemonen und Quallen Nesseltiere, die Meere und Süßwasser bewohnen. Ihr Hauptmerkmal ist die sogenannte Nesselkapsel, über die nur Nesseltiere verfügen: Sie ist aufgebaut aus speziellen Zellen, die sich in der Epidermis der Tiere befinden und zum Beutefang oder zur Abwehr von Gegnern dienen. Steinkorallen vermehren sich, indem die Korallenpolypen ablaichen. Je nach Art sind die Steinkorallen zwittrig oder getrenntgeschlechtlich. Die meisten Steinkorallen geben ihre Eizellen und Spermien ins Wasser ab. Finden sie zueinander, werden die Eizellen befruchtet. Aus ihnen entwickeln sich Larven, die im Meer treiben und schließlich an geeigneten Stellen ansiedeln und neue Korallen bilden.

Bedrohtes Ökosystem

Das Great Barrier Reef an der Nordostküste Australiens ist das weltgrößte Korallenriff. Neben dem Klimawandel und der damit verbundene Erwärmung der Meere bedrohen das komplexe Ökosystem auch die Wasserverschmutzung durch Schifffahrt und Landwirtschaft an der Küste. Im Great Barrier Reef leben rund 1.500 Fischarten sowie 4.000 Arten von Weichtieren. Auch viele gefährdete Tiere wie der Dugong (Seeschwein) oder die Große Grüne Meeresschildkröte sind dort beheimatet.

  • "Korallentransplantation": IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 14.12.2017, 18.05 Uhr
  • "Blauer Planet - Wie wir die Meere retten können": Quarks, ARD-alpha, 02.01.2018, 10.15 Uhr
  • "Great Barrier Reef: Korallenriff auf der Intensivstation": Weltspiegel, ARD-alpha, 20.09.2017, 19.30 Uhr
  • "Invasion der Seesterne - Great Barrier Reef bedroht": in IQ - aus Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 21.12.2015, 18.05 Uhr

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