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Klimaerwärmung Winter in Eurasien kommt später und ist kälter

Ist ein europäischer Winter sehr kalt, kommen manchem Zweifel, ob denn der Klimawandel tatsächlich unumkehrbar sei. Wissenschaftler sind den Ursachen der kalten Winter nachgegangen und haben eine polare Luftströmung ausgemacht.

Stand: 26.10.2016

Kleines Schiff in rosafarbener Inselwelt der Barentssee | Bild: picture-alliance/dpa/Michael Narten

Der Klimawandel bewirkt global gesehen eine Erwärmung. "Klimaskeptiker" aber stellen den Klimawandel in Frage und führen als Argument Winter an, die besonders kalt und schneereich sind. So kam es beispielsweise im Februar 2012 zu einem schweren Kälteeinbruch in weiten Teilen Europas und Zentralasiens. Wie lässt sich dieser scheinbare Widerspruch erklären? Dem gingen Wenshou Tian von der Lanzhou Universität in China und seine Kollegen nach. Sie veröffentlichten ihre Studie im Oktober 2016 im Fachmagazin "Nature Climate Change".

Polarer Luftstrom abgeschwächt

Die Klimaverhältnisse in der Arktis wirken sich besonders stark auf das Winterklima in den gemäßigten Breiten Eurasiens aus. Ist es am Nordpol besonders warm, schwindet das Meereis. Dies schwächt die ringförmige Luftströmung der oberen Atmosphäre ab, den sogenannten polaren Vortex. Diese wirkt normalerweise wie eine Barriere für arktisch-kalte Luftmassen. Der Luftstrom hat sich aber in den vergangenen dreißig Jahren deutlich abgeschwächt. Die Folge: Die kalte Luft aus der Arktis kann leichter bis in gemäßigte Breiten vordringen.

Nach Süden und Osten verschoben

Was die Forscher zunächst nicht erklären konnten, war die Tatsache, dass sich der winterliche Kaltluftstrom in Eurasien stärker bemerkbar macht als in Nordamerika. Mithilfe von Wetterdaten und Klimamodellen untersuchten sie daher, ob sich die Lage dieser Luftströmung seit den 1980er-Jahren verändert hat. Ihre Auswertungen ergaben, dass sich der polare Vortex in den vergangenen dreißig Jahren Richtung Süden und Osten verlagert. Am stärksten ausgeprägt ist die Verschiebung jeweils im Februar, also gegen Ende des Winters.

Kältere und spätere Winter

In Klimasimulationen variierten sie auch die Temperaturen und die Eisdicke in den verschiedenen Teilen der Arktis. Dabei zeigte sich, dass der Meereisschwund in der russischen Arktis im Herbst und Winter eine Verschiebung des arktischen Luftstroms auf den eurasischen Kontinent nach sich zieht. Für Sibirien, Zentralasien und in geringerem Maße wohl auch für Europa bedeutet das in Konsequenz mehr kalte Spätwinter.

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