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Kleine Fitness-Studie Kinder, die kleinen Ausdauersportler

Ob diese französische Studie wohl von erschöpften Wissenschaftlern mit Kindern stammt? Vielen Eltern wird sie sicher aus der Seele sprechen, denn Ergebnis des kleinen Sporttests ist: Kinder sind ähnlich fit wie Ausdauersportler und tatsächlich nicht müde zu bekommen.

Stand: 24.04.2018

Kinder rennen | Bild: colourbox.com

Kurze Beine, langer Atem: Kleine Kinder sind kaum müde zu bekommen. Und wenn sie - kurzzeitig - erschöpft sind, erholen sie sich schnell. Vielen Eltern ist das schon längst aufgefallen. Neu an der aktuellen Studie der Universität Clermont Auvergne (UCA), Frankreich, ist, dass einige Kinder mit ein paar Ausdauersportlern verglichen wurden, genauer: ihre Herzschlag-Raten, Sauerstoff- und Laktat-Werte. Insgesamt wurden 12 vorpubertäre Jungs (Durchschnittsalter 10,5 Jahre), 13 männliche Ausdauersportler (Durchschnittsalter 21,5 Jahre) und 12 untrainierte Männer (Durchschnittsalter 21,2 Jahre) auf ein Trimmrad geschickt und ihre Fitness-Werte verglichen.

Kinder-Muskeln arbeiten anders

Obwohl die Jungs nicht trainiert waren, stachen sie die untrainierte Männer-Gruppe locker aus und hatten ähnliche Werte wie die Ausdauersportler. Das Geheimnis der Kinderkraft steckt in den Muskeln der Kinder und wie sie die Energie nutzen, berichtet ein Wissenschaftlerteam um Sébastien Ratel, Sportwissenschaftler an der Universität Clermont Auvergne im Fachmagazin "Frontiers in Physiology". Die Muskeln kleiner Kinder ermüden kaum und erholen sich schneller von intensivem Training. Sogar schneller als die der Sportler. Auch der Herzschlag der Kinder beruhigte sich schneller und sie bauten Laktat im Blut schneller ab.

Das hat physiologische Gründe: Die Kinder nutzten verstärkt den sogenannten aeroben Stoffwechsel, während sie intensiv trainierten. Dabei wird Sauerstoff aus dem Blut zur Energiegewinnung genutzt. Das dauert länger als beim anaeroben Stoffwechsel ohne Sauerstoff, hält aber länger an. Beim anaeroben Stoffwechsel wird Glukose in Laktat verwandelt, um den Körper mit Energie zu versorgen. Das geht schnell, die Wirkung verpufft aber auch schnell und die Muskeln ermüden. Vergleichen kann man das mit Marathon und Sprint. Kinder konnten im Test den aeroben Stoffwechsel schneller aktivieren als Erwachsene und hatten mehr Muskelstränge, die Enzyme enthalten, die diese Art der Energiegewinnung förderten. Bei Sportlern ist das ähnlich.

Rückschluss auf Stoffwechselkrankheiten

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es Kindern gut tun würde, auch den anaeroben Stoffwechsel durch kurze Intensiv-Einheiten, Beweglichkeit und Muskelstärke zu trainieren. Erwachsene würde dagegen davon profitieren, wenn sie den aeroben Stoffwechsel trainieren, um Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes vorzubeugen. Das Forscherteam sieht einen Zusammenhang zwischen dem Verlust des aeroben Muskel-Stoffwechsels zwischen Kinder- und Jugendlichen-Alter und der Entwicklung von Stoffwechselkrankheiten. Interessant wäre nun eine Vergleichsstudie mit Mädchen und Ausdauersportlerinnen und mehr Testpersonen.

  • BR Gesundheitstag - Tu was für deine Fitness!: am 08.05.2018 im Bayerischen Rundfunk

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