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Weltraumteleskop Kepler geht der Treibstoff aus

Das Weltraumteleskop Kepler ist ein fleißiger Planeten-Jäger: Es hat bereits mehr als 2.500 Exoplaneten aufgespürt. Und ein Sonnensystem, in dem wie bei uns acht Planeten um eine Sonne kreisen. Aber Keplers Zeit ist abgelaufen.

Stand: 15.03.2018

Seit neun Jahren spürt das nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler benannte Weltraumteleskop ferne Planeten auf: Mehr als 5.000 Planeten-Kandidaten zeigt der Zähler auf der Kepler-Webseite der NASA an. Davon wurden nach genauer Analyse bislang über 2.500 als echte Planeten klassifiziert. Keplers neueste große Entdeckung: Das heiße Kerlchen Kepler-90i. Auf seiner Oberfläche herrschen Temperaturen von mehr als 420 Grad Celsius. Mehr als 2.500 Lichtjahre von der Erde entfernt umkreist der Planet zusammen mit sieben anderen den Stern Kepler-90. Damit wurde im Dezember 2017 neben unserem Sonnensystem ein weiteres entdeckt, in dem acht Planeten eine Sonne umkreisen.

Keplers Tank ist fast leer

Das Weltraumteleskop Kepler hat bislang mehr als 2.500 Planeten entdeckt.

Noch ist das Weltraumteleskop Kepler fleißig, aber seine Mission wird bald zu Ende sein. Kepler geht schlicht der Saft aus: "Unsere derzeitigen Schätzungen sind, dass der Tank innerhalb weniger Monate leer sein wird - aber wir sind auch schon in der Vergangenheit von der Leistung von Kepler überrascht worden", sagte NASA-Ingenieur Charlie Sobeck Mitte März 2018. "Wir erwarten also, dass die Mission bald endet, aber wir sind darauf vorbereitet, dass wir so lange weitermachen, wie der Treibstoff es zulässt." Bis dahin sollen noch so viele Daten wie möglich gesammelt und zur Erde geschickt werden.

Keplers Nachfolger: TESS und Plato

Ein Nachfolger für Kepler steht schon in den Startlöchern: Am 16. April 2018 soll das NASA-Weltraumteleskop TESS (Transiting Exoplanet Survey Satellite) von Cape Canaveral aus starten und sich auf die Suche nach Exoplaneten machen. Die Messlatte hängt hoch: Auch von TESS erwarten sich die Wissenschaftler mehr als zweitausend neue Planeten-Kandidaten.

Mit einer neuen Raumsonde namens "Plato" will die europäische Weltraumagentur ESA in den Tiefen des Weltraums nach "Zwillingen der Erde" suchen. Die Sonde soll spätestens 2024 vom Raumflughafen in Kourou aus starten. Plato soll mithilfe von 34 Teleskopen und Kameras bei etwa einer Million Sternen Ausschau nach Planeten halten. Die Daten sollen unter anderem Rückschlüsse auf die Masse, den Radius und die Zusammensetzung von Planeten ermöglichen.

So sucht Kepler nach der "zweiten Erde"

Wenn ein Planet vor seinem Zentralstern vorbeizieht, verursacht er minimale Lichtschwankungen. Diese registriert Kepler und kann so Exoplaneten aufspüren. Viele der von ihm entdeckten Planeten und -kandidaten sind Gasriesen oder sehr nahe an ihrer Sonne. Leben, wie wir es kennen, ist auf ihnen nicht möglich. Doch einige der Exoplaneten haben etwa Erdgröße und manche von ihnen kreisen sogar in der Zone um ihre Sonne, in der irdisches Leben entstehen könnte. Die Daten, die Kepler gesammelt hat, sind noch lange nicht ausgewertet. Möglicherweise finden sich in ihnen noch Hinweise auf eine mögliche "zweite Erde".

Kepler nimmt Sterne ins Visier

Kepler beobachtet ein vergleichsweise kleines Areal der Milchstraße, das aber ganz genau.

Im Gegensatz zu anderen Teleskopen konzentriert sich Kepler auf einen kleinen Ausschnitt der Milchstraße: Es beobachtet ein Feld zwischen den Sternbildern Schwan und Leier. Das Teleskop nimmt nur ein Vierhundertstel des Sternenhimmels unter die Lupe, doch das dafür ganz genau. Etwa 190.000 Sterne hatte das Teleskop während seiner Hauptmission mit seiner 95-Mega-Pixel-Kamera genau im Blick.

Probleme mit der Steuerung

Ein Kandidat für einen bewohnbaren Exoplaneten: der nach dem Weltraumteleskop benannte Kepler-69c.

Am 7. März 2009 startete Weltraumteleskop Kepler ins All, um nach weit entfernen Planeten zu suchen. Doch Mitte Mai 2013 ließ sich das rund eine Tonne schwere Forschungsinstrument nicht mehr präzise genug ausrichten, um seine Aufgabe zu erfüllen. Von den vier Trägheitsrädern, mit denen Kepler seine Position im All steuerte, war eines seit Juli 2012 defekt. Im Mai 2013 fiel ein zweites aus. Die beiden noch funktionierenden Räder reichten für eine exakte Steuerung nicht mehr aus. NASA-Ingenieure versuchten mehrmals von der Erde aus, das defekte Trägheitsrad wieder zum Rotieren zu bringen. Das gelang ihnen aber nicht.

Im Schlepptau der Erde

Astronauten konnte die NASA nicht zur Reparatur ins All schicken: Kepler kreist nämlich nicht wie das Weltraumteleskop Hubble um die Erde, sondern folgt ihr mit einem Abstand von vielen Millionen Kilometern. Kepler braucht für eine Runde um die Sonne 371 Tage. Das bedeutet: Der Abstand zur Erde wächst kontinuierlich. Irgendwann wird die Distanz zu groß sein, um Signale von Kepler zu empfangen.

Kepler beweist Durchhaltevermögen

Die NASA erklärte daher Mitte August 2013 die rund 600 Millionen Dollar teure Mission für beendet. Wissenschaftler und Ingenieure gaben aber Ende 2013 bekannt, dass sie eine Möglichkeit entwickelt hätten, Kepler weiter nutzen zu können: Der Druck der Photonen des Sonnenlichts sollte als Ersatz für die ausgefallenen Trägheitsräder dienen und so das Weltraumteleskop stabilisieren. Im Mai 2014 begann diese Mission unter dem Namen K2. Die Entdeckung neuer Exoplaneten zeigte, dass dieser Ansatz erfolgreich war.

Wenn der Treibstoff verbraucht ist, ist die Mission definitiv beendet. Bleibt abzuwarten, wie lange Kepler noch durchhält.


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