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Weltraumteleskop Kepler ist in Rente gegangen

Das Weltraumteleskop Kepler hat den Dienst eingestellt. Sein Sprit ist alle und der fleißige Planeten-Spürhund hat ausgeschnüffelt. Das Weltraumteleskop spürte mehr als 2.500 Exoplaneten auf. Und ein Sonnensystem, in dem wie bei uns acht Planeten um eine Sonne kreisen.

Stand: 31.10.2018

Das Weltraumteleskop Kepler fand neben unserem Sonnensystem ein weiteres, in dem acht Planeten um eine Sonne kreisen: Kepler-90. | Bild: NASA/Wendy Stenzel

Mehr als neun Jahre spürte das nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler benannte Weltraumteleskop ferne Planeten auf: Mehr als 5.000 Planeten-Kandidaten zeigt der Zähler auf der Kepler-Webseite der NASA an. Davon wurden nach genauer Analyse bislang 2.662 als echte Planeten klassifiziert.

Die Bilanz des Weltraumteleskops Kepler

Keplers letzte große Entdeckung vor dem Ruhestand: Das heiße Kerlchen Kepler-90i. Auf seiner Oberfläche herrschen Temperaturen von mehr als 420 Grad Celsius. Mehr als 2.500 Lichtjahre von der Erde entfernt umkreist der Planet zusammen mit sieben anderen den Stern Kepler-90. Damit wurde im Dezember 2017 neben unserem Sonnensystem ein weiteres entdeckt, in dem acht Planeten eine Sonne umkreisen.

Keplers Nachfolger: TESS und Plato

Das Weltraumteleskop Kepler entdeckte mehr als 2.500 Planeten.

Ein Nachfolger für Kepler hat im April 2018 den Dienst aufgenommen: das NASA-Weltraumteleskop TESS (Transiting Exoplanet Survey Satellite). Die Messlatte hängt hoch: Auch von TESS erwarten sich die Wissenschaftler mehr als 2.000 neue Planeten-Kandidaten.

Mit einer neuen Raumsonde namens "Plato" will die europäische Weltraumagentur ESA in den Tiefen des Weltraums nach "Zwillingen der Erde" suchen. Die Sonde soll voraussichtlich 2026 vom Raumflughafen in Kourou aus starten. Plato soll mithilfe von 34 Teleskopen und Kameras bei etwa einer Million Sternen Ausschau nach Planeten halten. Die Daten sollen unter anderem Rückschlüsse auf die Masse, den Radius und die Zusammensetzung von Planeten ermöglichen.

Wie Kepler nach der "zweiten Erde" suchte

Wenn ein Planet vor seinem Zentralstern vorbeizieht, verursacht er minimale Lichtschwankungen. Diese registrierte Kepler und konnte so Exoplaneten aufspüren. Viele der von ihm entdeckten Planeten und -kandidaten sind Gasriesen oder sehr nahe an ihrer Sonne. Leben, wie wir es kennen, ist auf ihnen nicht möglich. Doch einige der Exoplaneten haben etwa Erdgröße und manche von ihnen kreisen sogar in der Zone um ihre Sonne, in der irdisches Leben entstehen könnte.

Sterngucker Kepler

Kepler beobachtete ein vergleichsweise kleines Areal der Milchstraße, das aber ganz genau.

Im Gegensatz zu anderen Teleskopen konzentrierte sich Kepler auf einen kleinen Ausschnitt der Milchstraße: Es beobachtete ein Feld zwischen den Sternbildern Schwan und Leier. Das Teleskop nahm nur ein Vierhundertstel des Sternenhimmels unter die Lupe, doch das dafür ganz genau. 530.506 Sterne hatte das Teleskop während seiner Hauptmission mit seiner 95-Mega-Pixel-Kamera genau im Blick.

Kepler beweist Durchhaltevermögen

Die NASA erklärte Mitte August 2013 die rund 600 Millionen Dollar teure Mission für beendet. Der Grund: Probleme mit der Steuerung von Kepler. Ende 2013 gaben Wissenschaftler und Ingenieure jedoch bekannt, dass sie eine Möglichkeit entwickelt hätten, Kepler weiter nutzen zu können: Der Druck der Photonen des Sonnenlichts sollte als Ersatz für zwei ausgefallene Trägheitsräder dienen und das Weltraumteleskop stabilisieren. Im Mai 2014 begann diese Mission unter dem Namen K2. Die Entdeckung neuer Exoplaneten zeigte, dass der Ansatz erfolgreich war.


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