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Alternde Haustiere Wenn Katze und Hund dement werden

Nicht nur Herrchen und Frauchen, auch Hunde und Katzen altern. Dann erkranken die Haustier-Senioren ebenso wie wir Menschen an Arthritis, einer schlaffen Blase oder eben auch an Demenz.

Stand: 08.02.2018

Eine weiße Katze und ein Rauhaardackel | Bild: colourbox.com

Nicht nur bei uns, auch bei unseren Haustieren – sofern sie artgerecht gehalten werden – steigt die Lebenserwartung. Dank unterschiedlichster Futterangebote für jedes Katzen- und Hundealter und den Fortschritten in der Veterinärmedizin können unsere Vierbeiner ein biblisches Alter erreichen. Allerdings kann das Altern auch bei Hund und Katze Krankheiten mit sich bringen, die Tiermediziner immer häufiger beschäftigen. Neben orthopädischen Problemen und Tumoren müssen sie Haustiere auch wegen ihres geistigen Verfalls behandeln.

Kognitive Dysfunktion bei Katzen

Die Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von kognitiver Dysfunktion – einer Erkrankung, die in Krankheitsbild und Verlauf der Alzheimer-Krankheit beim Menschen ähnelt, so Tierärztin Stefanie Engert vom Tierheim Berlin. Dass Katzen betroffen sein können, haben Forscher schon vor Jahren anhand von charakteristischen Eiweißablagerungen im Gehirn verstorbener Tiere nachgewiesen.

Beim lebenden Tier kann die Diagnose bisher allerdings nur auf Verdacht und unter Ausschluss anderer Krankheiten gestellt werden. Um bei einer Katze oder einem Hund im Alter Demenz zu diagnostizieren, müsste der Tierarzt mit ihnen sprechen können. Da das leider nicht geht, sind die Ärzte auf die Aussagen der Tierhalter angewiesen, die das Verhalten ihrer Vierbeiner beobachten.

Vergesslichkeit und Schreie

Paulientje, 27 Jahre alt

Zahlreiche Anzeichen können Symptome einer solchen Erkrankung sein: Die Katze will ständig kurz hinaus, um dann wieder ins Haus gelassen zu werden und Sekunden später wieder raus zu wollen. Sie wirkt vergesslich und starrt Löcher in die Luft. Sie bettelt nach Futter, obwohl ihr Napf voll ist und sie gerade erst gefressen hat. Sie vergisst, wo ihr Katzenklo steht und macht häufiger in die Wohnung. Sie schreit – für den Tierhalter scheinbar grundlos – oftmals auch nachts.

Schleichender Prozess bei Hunden und Katzen

Verhaltensveränderungen wie die Schreie, das leere Starren in die Luft und offensichtliche Vergesslichkeit sind typische klinische Anzeichen für eine Demenz-Erkrankung. Ihre Wahrscheinlichkeit erhöht sich mit zunehmendem Alter. Die Schreie könnten ein Zeichen dafür sein, dass die Katze nicht mehr weiß, wo Herrchen und Frauchen sind, wo sie selbst ist, und schlicht Angst bekommt. Bei vielen Tieren begännen die Symptome schleichend und würden den Besitzern erst viel später bewusst, erklärt die Berliner Expertin Stefanie Engert.

Je älter der Hund, desto wahrscheinlicher betroffen

Studien bei Hunden legen den Schluss nahe, dass ein Auftreten der Gehirnerkrankung mit dem Alter wahrscheinlicher wird. "Etwa 60 Prozent aller Hunde im Alter von elf Jahren zeigen Symptome", erklärt Engert. Dabei sei die Entwicklung auch abhängig von der Rasse. Der Bundesverband für Tiergesundheit verweist auf eine Studie, der zufolge mehr als 20 Prozent der Hunde im Alter von mehr als neun Jahren und 68 Prozent der Hunde über 15 Jahren betroffen sind.

Gehirn-Jogging am Touchscreen für Hunde

Hirntraining für alte Hunde am Computer mit Touchscreen

Kognitionsbiologin Lisa Wallis von der Vetmeduni Wien erklärt, dass ähnlich wie bei Menschen auch bei Hunden im Alter die Produktion des Botenstoffs Dopamin sinkt. Damit gehe auch ein abnehmendes Erinnerungsvermögen einher. "Diesem natürlichen, geistigen Abbau kann man aber mit gezieltem Training vor allem der kognitiven Fähigkeiten entgegenwirken,“ so Wallis. Die Mitautorin hat in einer Studie getestet, wie vierbeinige Senioren auf einfache Denksportaufgaben reagieren, die sie an einem Touchscreen-Computer per Nasenstupser lösen können.

Ihr Fazit: Die älteren Hunde sprachen im Trainingslabor positiv auf das kognitive Training mit den Lernspielen an. Die Hunde lösten die Aufgaben am Computer, animiert von einem Belohnungssystem. "Bei den Tieren ist vor allem die Aussicht auf Belohnungen ein wesentlicher Faktor für die Motivation etwas Neues oder Herausforderndes zu tun,“ erklärt Mitautor Ludwig Huber. Auch die Hunde empfänden es als positiv, wenn eine geistige Herausforderung gelöst wird, genau wie der Mensch, so der Forscher. Gerade für Hunde, die im Alter körperlich nicht mehr so fit sind, seien die Touchscreen-Spiele eine gute Möglichkeit, weiter das Hirn zu trainieren. Die Studie wurde Anfang Februar 2018 von "ACM Digital Library" veröffentlicht.

Wenn ich "meinen" Hund nicht mehr kenne

Das Magazin "Vier Pfoten" der Stiftung für Tierschutz in Hamburg weist daraufhin, dass das altersbedingte Schwinden der kognitiven Fähigkeiten wie Erinnerung, Lernfähigkeit, Auffassungsgabe und Aufmerksamkeit das Verhalten vieler Tiere stark beeinflusst. Es kann auch dazu führen, dass sich das betroffene Tier gegenüber seinem Halter und anderen Tieren ganz anders verhält. Zudem kann es seine räumliche und zeitliche Orientierung verlieren und unter Schlafproblemen leiden.

Treten solche Symptome bei einem älteren Tier auf, sollten Herrchen oder Frauchen auf jeden Fall mit ihm zum Tierarzt, damit zunächst alle anderen Krankheiten ausgeschlossen werden können. Ist eine Demenz diagnostiziert, braucht das Tier eine strikte tägliche Routine, damit ihm sein Umfeld sicher erscheint. "Vier Pfoten" hat zu "Demenz bei Hunden und Katzen" eine "Checkliste für Tierhalter" zusammengestellt.

Haustiere in Deutschland

Rund 30 Millionen Haustiere leben in deutschen Haushalten. Nach Angaben von Statista machten im Jahr 2016 die Katzen mit insgesamt 13,4 Millionen Katzen den größten Teil davon aus, gefolgt von Hunden mit 8,6 Millionen. Der Umsatz im Heimtierbedarf belief sich im Jahr 2016 auf rund 4,2 Milliarden Euro.


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