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Käfer Warum die Insekten bedroht sind

Käfer gibt es überall, außer in der Antarktis. Manche sind dünner als ein Haar, andere 17 Zentimeter lang. Sie sind unverzichtbar für unsere Natur, als Müllabfuhr, Bestäuber oder Nahrungsquelle. Doch sie werden immer weniger.

Von: Yvonne Maier

Stand: 30.05.2017

Käfer sind erstaunliche Insekten. Weltweit gibt es 350.000 verschiedene Arten. Oder vielleicht sogar eine Million? So genau wissen das die Forscher nicht. Jedes Jahr werden hunderte neuer Arten entdeckt. Die Tiere haben praktisch alle Lebensräume besiedelt, nur auf der Antartkis und im Meer kann man sie nicht finden.

"Die Höhengrenze ist der Himalaya. Laufkäfer und Schwimmkäfer gehen bis auf 5.600 Meter, das ist in etwa da, wo das Basis-Camp ist, bevor die Leute den endgültigen Aufstieg zum Mount Everest machen."

Lars Hendrich, Biologe an der Zoologischen Staatssammlung München

Tauchende Schwimmkäfer

Schwimmkäfer sind die Spezialität des Biologen Lars Hendrich von der Zoologischen Staatssammlung München. 4.200 Arten von ihnen sind bekannt. In Deutschland lebt der zweitgrößte Schwimmkäfer der Welt, der Breitrandkäfer, viereinhalb Zentimeter groß.

"Die nehmen den Sauerstoff mit unter die Flügeldecken runter und haben dann sozusagen unter Wasser einen Vorrat, von dem sie zehren können."

Lars Hendrich, Biologe an der Zoologischen Staatssammlung München

Tauchender Gelbrandkäfer

So können die Käfer mehrere Minuten bis zu einer halben Stunde unter Wasser bleiben. Auch die Kälte im Winter macht solchen Schwimmkäfern wenig aus, zum Beispiel dem Gelbrandkäfer.

"Die können den Glyzerinanteil erhöhen in ihren Körpersäften und das ermöglicht ihnen, unter dem Eis lange zu überleben. Sie frieren halt nicht ein."

Lars Hendrich, Biologe an der Zoologischen Staatssammlung München

Das freut Vögel im Frühling. Störche zum Beispiel fressen nach ihrem langen Flug aus Afrika gerne so große Käfer, um sich zu stärken. Mittlerweile sind solche Großkäfer aber selten geworden, Breitrandkäfer findet man nur noch in Nordostdeutschland und Sachsen. Gründe dafür könnten sein, dass Gewässer, in denen die Käfer leben, verschmutzt werden oder dass es ihnen langsam zu warm wird.

Käfer die Feuer lieben

Käfer lieben aber nicht nur Wasser, manche von ihnen brauchen das Feuer: Brandkäfer. Einer von ihnen ist der Kiefernprachtkäfer.

"Über zig Kilometer, nehmen sie es wahr, wenn da so ein Stamm gebrannt hat und legen dann gleich ihre Eier rein. In dieses frisch verbrannte Holz und die Larven entwickeln sich dann so zwei Jahre und dann kommen sie raus."

Lars Hendrich, Biologe an der Zoologischen Staatssammlung München

Kiefernprachtkäfer

Früher gab es die Kiefernprachtkäfer auch hierzulande recht häufig. Doch mittlerweile sind ja Waldbrände bei uns selten geworden, werden schnell wieder gelöscht. Heute findet man sie nur noch in Sibirien, wo der Wald der Taiga noch häufig brennt. Brandkäfer sind sogenannte "Prachtkäfer", sie sehen wunderschön aus, mit einem metallisch-schillernden Panzer.

Totengräber der Natur

Aaskäfer auf einer toten Maus

Eine Käferart gibt es, die für viele besonders abstoßend ist: die "Totengräber". Für die Natur sind sie - also Aas fressende Käfer - sehr wichtig. Denn ohne sie würden tote Tiere in der Umwelt nur sehr schwer verwesen. Stück für Stück tragen die Käfer den Boden unter dem Kadaver ab, der dann langsam in den Boden versinkt. Das ist Teil des Fortpflanzungszyklus' der Totengräber-Arten. Mit dem toten Tier wollen sie ihre Larven füttern.

"Wenn das Fleisch aufgebraucht ist, dann kommt die nächste Gruppe, die jetzt so Fell und trockene Knochen nehmen. Im Grunde gibt‘s für jedes Zerfallsstadium von irgendeinem Organismus auch irgendwelche Käfer, die dazugehören. Man findet immer irgendwas, bis es völlig verschwunden ist."

Lars Hendrich, Biologe an der Zoologischen Staatssammlung München

Dabei ist es eigentlich egal, wie groß das Tier ist. Passende Aaskäfer gäbe es auch für Rinder oder Pferde, doch die werden in unserer Kulturlandschaft in der Regel von Menschen vorher weggeräumt.

Käfer sind selten geworden

Käfer sind der Unterboden unserer Umwelt. Es gibt sie überall und unzählig. Doch seit einigen Jahren beobachten Forscherinnen und Forscher ein dramatisches Insektensterben. Davon sind auch die Käfer betroffen. Der Schutz einzelner Käferarten ist schwierig und oft auch sinnlos. Um Insekten zu retten, muss man ihren Lebensraum schützen und erhalten.

Industrialisierte Landwirtschaft

Doch die industrialisierte Landwirtschaft mit ihren Insektenvernichtungsmitteln und Monokulturen, der Flächenverbrauch durch Straßen und Häuser und die immer eintönigeren Gärten in unseren Vorstädten rauben den Käfern ihre Lebensgrundlage. Ein "Stilles Sterben" gehe da vor sich, sagen die Forscher.

Ein Sterben, das katastrophale Folgen haben kann. Denn Käfer sind in unserer Umwelt unverzichtbar, als Bestäuber, Müllabfuhr oder Nahrung für andere Tiere.

Und eines sollten wir auch nicht vergessen: Eine Welt, die selbst für die zähen Käfer zu lebensfeindlich geworden ist, wird über kurz oder lang eine sein, in der auch wir Menschen nicht mehr überleben können.

  • Über "Käfer - Unverzichtbar für die Natur" berichtet radioWissen, Bayern 2 am 02.06.2017, 22.062.017 und 01.06.2018
  • "Weniger Insekten - nur ein Eindruck oder eine Tatsache?" in IQ Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 26.07.2017

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