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Juri Gagarin Der erste Mensch im All

Sein Flug dauerte nur 108 Minuten, doch er machte Juri Gagarin zur Legende: Am 12. April 1961 flog der Kosmonaut als erster Mensch in den Weltraum. Er umrundete die Erde und schrieb Weltraumgeschichte.

Stand: 11.04.2018

Am 12. April des Jahres 1961 treffen Anna Tachtarowa und ihre sechsjährige Enkelin Rita in der Nähe des Dorfes Smelowka, unweit der Stadt Engels, auf einen Außerirdischen. Er trägt einen orangefarbenen Raumanzug, sein Kopf steckt in einem klobigen weißen Helm. Langsam und etwas unbeholfen kommt er auf sie zu. Die beiden wollen schon weglaufen, da nimmt die Gestalt den Helm ab und ruft: "Ich bin ein Freund, Genossen, ich bin ein Freund!" Wenige Sekunden später kommen Raumfahrt-Techniker angerannt. Sie begrüßen den Mann, der als erster Mensch in den Weltraum geflogen war: Juri Alexejewitsch Gagarin.

Juri Gagarins Kapsel: "Nicht entfernen!"

12. April: Tag der bemannten Raumfahrt

Am 12. April 1961 flog Juri Gagarin als erster Mensch überhaupt ins All. Um an dieses bedeutende Ereignis zu erinnern, ernannten die Vereinten Nationen 2011 den 12. April zum Internationalen Tag der bemannten Raumfahrt. Russland feiert den 12. April bereits seit 1961 zu Ehren Juri Gagarins als Tag der Kosmonauten.

108 Minuten hatte Juri Gagarins Flug um die Erde gedauert. Der erste Mensch im All sollte bei seiner Rückkehr eigentlich nicht vor einer Waldarbeiterin landen. Doch die sowjetischen Ingenieure hatten sich beim vorgesehenen Landeplatz gründlich verrechnet. Gagarin hatte zudem beim Landeanflug aus Sicherheitsgründen in sieben Kilometer Höhe den Schleudersitz betätigt und war an einem Fallschirm zur Erde geflogen. Die Kapsel landete hingegen - ziemlich hart - vier Kilometer weit von Gagarins Landeplatz. An diesem wurde sofort ein Schild aufgestellt. Darauf stand nur: "Nicht entfernen! 12.4.1961 10:55 Uhr". Die Behörden wollten sicher gehen, dass ein späteres Denkmal auch wirklich an der echten Landestelle errichtet wird.

Juri Gagarin legt eine steile Karriere hin

Sein Flug machte Gagarin zum sozialistischen Vorzeigehelden und zum "ersten Popstar des Ostblocks". Anfangs hatte nichts darauf hingedeutet, dass Juri Gagarin der erste Mensch im Weltraum werden könnte. Am 9. März 1934 kam er in dem Dorf Kluschino, rund 180 Kilometer westlich von Moskau, zur Welt. Sein Vater war Tischler. 1951 ging Gagarin in die Hauptstadt und macht dort eine Ausbildung zum Gießer.

Juri Gagarin wird Kampfpilot

Juri Gagarin nach einem Trainingsflug


1955 ging Gagarin zur Armee und ließ sich dort zum Kampfpiloten ausbilden. Fünf Jahre später war er Kampfjetflieger und damit ein idealer Kandidat für das ehrgeizige Raumfahrtprogramm des Landes.

Gagarin trainierte hart für seinen geheimen Flug, aber durchaus mit Humor: "Ich weiß nicht, wer ich bin: der erste Mensch oder der letzte Hund im Weltall", sagte er über seine Ausbildung. Vor ihm hatte Moskau mehrere Hunde ins All geschickt. Am 12. April 1961 war er dran: In der Kapsel "Wostok-1" umrundete Juri Gagarin in 108 Minuten die Erde. Mit Blick auf die Erde prägte er den Begriff vom "Blauen Planeten" - und kehrte zwar etwas holprig, aber immerhin lebendig, zurück.

Juri Gagarin als "Botschafter des Friedens" bei der Queen

Juri Gagarin reiste nach seinem historischen Flug als "Botschafter des Friedens" um die Welt. Für die Staatspropaganda war er als Idealbild eines gewöhnlichen Bürgers aus einer Arbeiterfamilie ein Glücksgriff. Sein Charme und seine Spontaneität zeigten selbst bei der Königin von England Wirkung. "Ich kann zwar um die Erde fliegen, aber mit dem Besteck kenne ich mich nicht aus", sagte er beim Empfang der Queen. Diese raunte ihm zu: "Ich bin in diesem Palast geboren worden. Und sogar ich komme immer noch durcheinander."

"Juri Gagarin war ungewöhnlich, mitreißend und zugleich einer von uns. Und er hatte dieses geniale Lächeln."

Wjatscheslaw Klimentow, Vizeleiter des Raumfahrtmuseums in Moskau

Kosmonaut Gagarin fällt mit Chruschtschow

Juri Gagarin mit Chruschtschow und Breschnew

1964 kam es in der Sowjetunion zum Machtwechsel: Gagarins Förderer Chruschtschow wurde abgesetzt. Mit einem Schlag verlor Juri Gagarin alle seine politischen Kontakte. Chruschtschow hatte seinen ersten Kosmonauten immer als Friedensbotschafter inszeniert. Unter Breschnew dagegen fing das Wettrüsten wieder an. Für Gagarin hatte er keine Verwendung.

Juri Gagarin will erneut ins All

Gagarin wollte es nun noch einmal allen zeigen. Er bewarb sich für neue Weltraummissionen. Daraus wurde zwar nichts, aber er hatte Erfolg als Kosmonautenausbilder. Am 27. März 1968 jedoch stürzte Juri Gagarin beim Testflug mit einem MiG-15-Kampfjet gemeinsam mit seinem Kollegen Wladimir Serjogin bei Moskau ab.

Gerüchte um Absturz

Juri Gagarin wurde an der Kremlmauer in Moskau bestattet.

War es ein Pilotenfehler, eine technische Panne oder gar Sabotage? Um die Ursache des Absturzes ranken sich noch immer Gerüchte. Gagarins Urne wurde bei einem Staatsbegräbnis an der Kremlmauer in Moskau beigesetzt. Sein früher Unfalltod machte Juri Gagarin endgültig zur Legende. So wurde beispielsweise seine Heimatstadt Gschatsk in Gagarin umbenannt und auf dem Mond trägt heute ein riesiger Krater seinen Namen.

"In jedem heutigen Raumfahrer steckt etwas, das an Juri Gagarin erinnert."

Wjatscheslaw Klimentow, Vizeleiter des Raumfahrtmuseums in Moskau

Die Ersten im All

  • Juri Gagarin: 27.03.2018, 06.05 Uhr, radioWelt, Bayern 2.
  • Die Gagarin-Story - "Kosmonauten-Kult": 06.06.2017, 17.15 Uhr, ARD-alpha
  • Die Gagarin-Story - "Kosmonauten-Kult": 03.06.2017, 20.15 Uhr, ARD-alpha.
  • Riskante Missionen - wie Menschen den Weltraum eroberten: 08.09.2016, 15.00 Uhr, ARD-alpha.
  • Juri Gagarin - Kosmonaut und Popstar: 07.03.2014, 9.05 Uhr, radioWissen, Bayern 2.

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