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Asiatische Meeresalge Immer giftiger durch die Wanderschaft

Asiaten verspeisen gern eine bestimmte Meeresalge roh. Doch diese Alge ist mittlerweile bis nach Nordamerika und Europa vorgedrungen. Um sich dort vor Fraßfeinden zu schützen, produziert sie Gifte, die auch Menschen töten können.

Stand: 22.12.2015

Die Alge Gracilaria vermiculophylla und die Schneckenart Littorina brevicula – einen wichtigen Fraßfeind der Alge in Ostasien. | Bild: F. Weinberger, GEOMAR

Die aus Asien stammende, essbare Meeresalge "Gracilaria vermiculophylla" hat sich mittlerweile auch nach Nordamerika und Europa ausgebreitet. Um in ihrer neuen Umgebung zu überleben, schützt sie sich durch die Produktion von Giften. Das kann auch für Menschen gefährlich werden, wie eine internationale Wissenschaftlergruppe unter der Leitung des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel herausgefunden hat

Gefahr: Gewebehormon Prostaglandin

In ihrem ursprünglichen, asiatischen Verbreitungsraum, wird die Meeresalge als Lebensmittel genutzt und gern roh gegessen. Die Alge enthält zwar die hormonartige Substanz Prostaglandin, aber normalerweise nur in geringen, ungefährlichen Dosen. Dennoch haben sich auch in der Vergangenheit schon vereinzelt Menschen durch den Verzehr vergiftet, einige sind an den Folgen sogar gestorben.

Wappnen gegen neue Feinde

Eigentlich setzt die Alge die Gewebshormone Prostaglandine gegen ihre Fraßfeinde ein: Schnecken oder Kleinkrebse reagieren empfindlich darauf. Bei ihrer Wanderung nach Europa und Nordamerika mussten sich die Meeresalgen auch gegen neue Fraßfeinde erwehren. Deshalb bilden die ausgewanderten Stämme noch mehr Prostaglandin als die asiatischen in ihrer Heimat.

Die Forscher haben zwölf ausgewählte Populationen der Alge aus Ostasien, Mexiko und Europa untersucht. Dazu wurden die lebenden Organismen unter streng kontrollierten Bedingungen im Geomar in Kiel gehalten. So gab es eine Vergleichsbasis für die Analysen, wie Florian Weinberger, Projektleiter und Ko-Autor der internationalen Studie erklärte. Das Ergebnis war für die Forscher bemerkenswert.

"Die eingewanderten Arten enthielten deutlich mehr Prostaglandin als die aus Südostasien stammenden Proben, die Konzentration war um bis zu 390 Prozent erhöht."

Mareike Hammann, Hauptautorin der Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift 'Hammful Algae'

Gefahr für den Menschen

Daraus schließen die Wissenschaftler, dass sich die wandernden Stämme der Meeresalge offensichtlich stärker gegen Fraßfeinde schützen müssen, sodass sie mehr Abwehrstoffe einlagern. Doch, was passiert, wenn diese mit Prostaglandin angereicherten Meeresalgen wieder zurückkehren und in Asien verzehrt werden?

"Die Zahl der Vergiftungsfälle dort könnte dann deutlich zunehmen."

Florian Weinberger, Projektleiter und Ko-Autor der internationalen Studie

Daher sei ein dauerhaftes Monitoring des Wanderverhaltens der Meeresalge nötig, um im Ernstfall die asiatischen Konsumenten schnell vor dem Verzehr warnen zu können.


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