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Insektenabwehr Biologische Pflanzenschutzmittel gegen Blattläuse

Insekten reagieren auf Duftstoffe. Mit Mückensprays oder Duftkerzen lassen sich die Plagegeister vertreiben. Auch Pflanzen kann man so vor lästigen Schädlingen schützen. Das hofft jedenfalls ein Wissenschaftler der TU München.

Stand: 13.06.2018

Das kennt jeder, der eigene Pflanzen auf dem Balkon oder im Garten pflegt: Kommen die Blattläuse, ist es schnell vorbei mit der Pracht. Dagegen hilft die Chemiekeule. Allerdings ist dann zwar die Pflanze wieder fit, nur den Bienen und Insekten dreht sich der Magen um, sie sterben. Und langfristig landen die Rückstände der Pestizide in Böden, Seen, Flüssen und Meeren.

"Ohne die Bienen, die eine Vielzahl von Pflanzen bestäuben, wären nicht nur unsere Supermarktregale ziemlich leer, sondern innerhalb kurzer Zeit wäre auch die Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrung nicht mehr gewährleistet."

Thomas Brück, Inhaber des Werner Siemens-Lehrstuhls für Synthetische Biotechnologie der TU München

Darmbakterien als Duftstoff-Fabriken

Thomas Brück vom Werner Siemens-Lehrstuhl für Synthetische Biotechnologie an der TU München forscht daher schon seit Längerem an einem biologisch-abbaubarem Pflanzenschutzmittel. Ausgangspunkt waren gefräßige Blattläuse, die Tabakpflanzen anknabbern. Der Tabak mag das gar nicht und produziert in seinen Blättern einen Duftstoff namens Cembratrienol, kurz CBT-ol. So schützt er sich vor Schädlingen.

Das Team um Brück isolierte die Abschnitte aus dem Genom der Tabakpflanze, die für die Bildung der CBT-ol-Moleküle verantwortlich sind. Anschließend bauten sie diese in das Erbgut von E. Coli-Darmbakterien ein. Die genetisch veränderten Bakterien produzieren nun den gewünschten reinen Wirkstoff. So einfach, so praktisch. Denn heraus kommt ein Insekten-Abwehrmittel, das biologisch abbaubar und ökologisch unbedenklich ist.

"Mit unserem Ansatz ermöglichen wir einen fundamentalen Wechsel im Pflanzenschutz. Statt Gift zu versprühen, das immer auch nützliche Arten gefährdet, vergrämen wir gezielt nur die Schädlinge."

Thomas Brück von der TU München

Der Geruch, der auf Pflanzen gesprüht ähnlich wirkt wie Mückenspray, das Badegäste im Sommer auftragen, hält unerwünschte Insekten fern. Erste Untersuchungen belegen, dass das CBT-Pflanzenspray für Insekten ungiftig ist und trotzdem wirksam vor Blattläusen schützt. Da es biologisch abbaubar ist, reichert es sich auch nicht an.

Blattläuse biologisch vertreiben statt töten

Brücks Idee ist es, auf diese Weise ganze Äcker umweltfreundlich vor Schädlingen zu schützen. Speziell am Anfang der Wachstumsphase und in der Fruchtbildungsphase braucht die Pflanze Unterstützung. Das Neue seines Ansatzes ist, dass er die Schädlinge nicht töten, sondern nur für eine gewisse Zeit vertreiben möchte, bis die Pflanze mit den Schädlingen umgehen kann.

Doch das Verfahren hat einen entscheidenden Nachteil: Die Herstellung des Wirkstoffs erfolgt mithilfe gentechnisch veränderter Bakterien – ein Verfahren, das beispielsweise für die Herstellung von Antibiotika oder Insulin heute gängige Praxis ist. Diese gentechnisch veränderten Bakterien produzieren den Wirkstoff in Reinform wie man es mit einer chemischen Synthese nicht hinbekommen würde.

Kein Einsatz im Biolandbau vorgesehen

Doch für den Anbauverband Bioland, der die Biolandwirte vertritt, kommt das Mittel genau deswegen nicht in Frage. Gerald Wehde vom Bundesverband Bioland unterstreicht, dass das Mittel mithilfe von Gentechnik produziert worden ist und das sei im Biolandbau etwa durch die EU-Öko-Verordnung gesetzlich verboten. Aber auch wenn der Stoff anders hergestellt würde, wäre er nicht das Mittel der Wahl für Bio-Landwirte. Sie versuchten eher durch mehr Vielfalt auf dem Acker die Ausbreitung von Schädlingen zu bremsen.

  • Pflanzenschutz mal anders - Wenn Pestizide biologisch abbaubar sind: IQ - Magazin, 13.06.2018, 18.05 Uhr, Bayern 2

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