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Nabu-Aktion Insektensommer Insekten zählen für die Wissenschaft

Die Zahl der Insekten in Deutschland schrumpft. Zu dieser Erkenntnis gelangten Wissenschaftler auch dank der Arbeit vieler ehrenamtlicher Hobby-Forscher. Diese sollen nun dabei helfen, die Ursachen des Schwunds zu finden.

Stand: 16.04.2018

Ein Admiral auf einer Flockenblume. | Bild: Sylvia Bentele Fotografie/Sylvia Bentele

Die Temperaturen steigen, Blätter sprießen und Blumen blühen. Auch die Insekten krabbeln und fliegen wieder durch die Natur. Ihre Zahl ist jedoch in den letzten Jahrzehnten stark gesunken: Um über 75 Prozent ging die Masse der Fluginsekten in deutschen Schutzgebieten zurück, lautet das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern um Caspar Hallmann von der Radboud-Universität in Nijmwegen.

Bürgerforscher zählen Insekten

Mitglieder es Entomologischen Vereins Krefeld bauen eine Insektenfalle auf.

Maßgeblich zu den Forschungsergebnissen beigetragen haben ehrenamtliche Insektenkundler vom Entomologischen Verein Krefeld. Sie haben zwischen 1989 und 2016 Daten zu Insekten gesammelt. In insgesamt 63 Gebieten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und in Brandenburg fingen sie mithilfe von Fallen Fluginsekten und bestimmten deren Masse. Die Beobachtungen wurden im Oktober 2017 im Wissenschaftsjournal "PLOS ONE" veröffentlicht.

Zählappell für Juni und August

Auch die Hainschwebfliege gehört zu den Insekten, die der Nabu zählen lassen will.

Für Insektenforscher Matthias Nuß kommt es beim Beobachten nicht darauf an, ob jemand Laie oder Experte ist. "Die Grundfrage muss sein: Mit welchen Methoden wird gearbeitet und sind die Ergebnisse nachvollziehbar?" sagt Nuß, der sich am Senckenberg Museum für Tierkunde in Dresden vor allem mit Schmetterlingen beschäftigt. Auch der Naturschutzbund Nabu will mithilfe von Hobby-Forschern Daten über Insekten sammeln. Bei einer groß angelegten Aktion sollen Bürger in zwei Phasen Schmetterlinge, Hummeln, Fliegen und Co. zählen. Die erste Zählung soll am 1. Juni beginnen, eine zweite Runde ist für den 3. August geplant.

Vorbild-Aktion Vögel zählen

Die Mehlschwalbe ist ein Siedlungsfolger und lebt in unseren Städten und Gemeinden. Doch die Schwalbe wird immer seltener gesehen, da sie kaum noch Material und Platz für ihre Schwalbennester findet. | Bild: LBV/Markus Gläßel zur Bildergalerie mit Informationen "Stunde der Gartenvögel" 2018 Mitmachen und Vögel zählen

Wie geht's dem Mauersegler und der Mehlschwalbe? Finden sie bei uns genügend Nahrung und Nistmöglichkeiten? Das soll die Aktion "Stunde der Gartenvögel" klären. Vom 10. bis 13. Mai können Sie wieder mitmachen und eine Stunde lang Vögel zählen. [mehr]

Der Nabu hofft auf ähnlich gute Ergebnisse wie bei seinen Vogelzählaktionen. "Wir haben natürlich ein Interesse an den Daten, denn je mehr Leute mitmachen, desto aussagekräftiger sind sie", sagt Nabu-Mitarbeiterin Annette Schröter. Rund 130.000 Menschen hätten bei der letzten Aktion mitgemacht und ihre Vogelsichtungen über die Webseite gemeldet. Die Wissenschaft profitiert davon: Ornithologen werten die über Jahre gesammelten Daten aus und können so Trends und Entwicklungen aus der Vogelwelt erkennen. Die Daten dienen dann als Belege, um etwa für bestimmte Arten strengere Schutzbestimmungen einzufordern.

Technik hilft bei Citizen Science

In vielen Bundesländern gibt es Portale, bei denen Bürger Beobachtungen melden können. Über achtzig sogenannte Citizen Science-Projekte finden sich auf der Plattform buergerschaffenwissen.de, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Ob Insekten in Sachsen, Feldhasen in Berlin, Alpensteinböcke in Bayern oder Schweinswale an Elbe- und Weserstrand - an vielen Orten können Naturfreunde entsprechende Daten zu Tieren sammeln. Die Technik schaffe dafür neue Möglichkeiten, sagt Insektenforscher Nuß. Das bedeute aber nicht, dass automatisch neue Zielgruppen für den Naturschutz gewonnen würden. "Kurz gesagt, bei Ü40 funktioniert es, bei U20 nicht." Jüngere Menschen zu erreichen, sei schwierig. Dafür seien vielleicht andere pädagogische Konzepte nötig, meint Nuß.

"Der Vorteil von Citizen Science für die Wissenschaft besteht aus zwei Komponenten: Der großen Fläche und der hohen Artenzahl. Ohne die vielen Menschen, die es in ihrer Freizeit machen, könnten wir sie gar nicht zählen."

Matthias Nuß, Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden

Die Gründe für das Insektensterben konnten die Forscher bisher nicht abschließend klären. Naturschützer gehen von einem großen Einfluss einer zu intensiven Landwirtschaft mit hohem Pestizideinsatz aus. Der Nabu fordert daher, ein bundesweites Monitoring einzuführen, um schnellstmöglich Wege zu finden, das Insektensterben zu beenden.


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