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Insekten Zecken- und käferfrei dank Väterchen Frost?

Der Winter lässt Hundebesitzer, Hobbygärtner und Wanderer jetzt von einem zeckenfreien, läusearmen Sommer träumen. Doch weit gefehlt! Die kleinen Krabbler haben sich kälteresistente Überlebensstrategien angeeignet.

Stand: 25.03.2015

Illustration: Marienkäfer und Zecke in einer winterlichen Umgebung | Bild: colourbox.com, BR

Zwar dürfte es nach einem kalten Winter, vor allem im Februar, von einigen Insektenarten kleinere Populationen geben, insgesamt sind aber vor allem die heimischen Insekten gut gegen Kälte gewappnet. Die meisten befinden sich mit Einbruch des Winters in einem Überwinterungsstadium, haben sich ein dickes Polster angefressen und können so auch längere Zeit Kälte gut überdauern.

Blattläuse vermehren sich in der warmen Stube

Blattläuse vermehren sich auf Topfpflanzen.

Im Herbst legen viele Blattlausarten Eier auf jungen Pflanzentrieben des vergangenen Sommers ab. Danach sterben sie in der Regel. Die Eier aber sind widerstandsfähig gegen Nässe, tiefe Temperaturen und Frost. Liegen sie in der kalten Jahreszeit im Freien, verfallen sie in eine Winterstarre. In warmen Innenräumen dagegen, vermehren sich die für Kulturpflanzen lästigen Schädlinge.

Wespenkönigin verkriecht sich

Nur die Jungkönigin überlebt den Winter.

Im Herbst, mit dem Tod der alten Königin, löst sich ein Wespenstaat auf. Wenn die Kälte dann einbricht, sterben auch die letzten Arbeitswespen. Einzig die Jungkönigin überlebt nach der Paarung. Sie sucht sich ein geschütztes Plätzchen unter morschem Holz oder in Hohlräumen. Dann verfällt auch sie in eine Winterstarre, in der ihr Minusgrade allein nichts anhaben können.

Zecken erstarren bei Kälte

Zecken lieben den kalten Winter.

Man glaubt es kaum, aber je kälter der Winter, desto mehr Zecken können überleben. Bei durchschnittlichen Temperaturen entfalten die Blutsauger ihre Aktivitäten von März bis September. Um aktiv zu werden, brauchen sie eine hohe Luftfeuchtigkeit, um nicht auszutrocknen, und Temperaturen von über zehn Grad. Wird es kalt oder sogar eisig, verfallen sie in eine Starre und überleben so den Winter. Gefriert der Boden nicht, krabbeln die Zecken in den Wintermonaten herum. Dieses zu frühe Erwachen kann aber tödlich für sie sein, da die Parasiten im Herbst zum letzten Mal Blut gesaugt haben und ihre Energie wegen der fehlenden Starre nicht über den Winter reicht.

Aus Zucker wird Frostschutzlösung

Eichenprozessionsspinner überleben den Winter als Eier.

Zahlreiche Insektenarten verharren in einer Art Winterruhe mit einem stark eingeschränkten Stoffwechsel. So zum Beispiel auch der Eichenprozessionsspinner. Der Nachtfalter ist zu zweifelhafter Berühmtheit gekommen, weil seine Gifthaare zu heftigen körperlichen Reaktionen beim Menschen führen können und seine Population sich besonders in Franken extrem ausgebreitet hat. Die Eier des Falters überwintern in Gelegen von bis zu zweihundert Eiern im oberen Baumkronenbereich an ein- bis zweijährigen Zweigen. In diesem Stadium enthalten sie kaum Wasser und sind widerstandsfähig. Als voll entwickelte Insekten bauen die Schmetterlinge in ihre Körperflüssigkeit Zucker ein, der aus Reservestoffen ihres Körpers gebildet ist. Die Kombination wirkt wie eine eigene Frostschutzlösung und senkt den Gefrierpunkt.

Marienkäfer bilden Frostschutzmittel

Marienkäfer haben ein körpereigenes Frostschutzmittel.

Über ein solches Frostschutzmittel im Blut verfügen einige Insektenarten. So überwintern erwachsene Marienkäfer in großen Gruppen unter Baumrinden, Laubhaufen oder in Felsritzen. Mit Einbruch der Kälte fallen sie in die Winterstarre und kühlen aus. Ihre Körpertemperatur kann dann unter 0 Grad Celsius sinken, denn auch sie wenden einen Trick an: Sie produzieren das körpereigene Glycerin, ein dreiwertiger Alkohol, das sie vor dem Kältetod schützt. Physikalisch senkt Glycerin den Gefrierpunkt von Wasser. Das ist für den Marienkäfer überlebenswichtig, denn gefriert die eigene Körperflüssigkeit bedeutet das für den Käfer den Tod. Das gefrierende Wasser im Inneren des Körpers würde zu inneren Verletzungen führen, die tödlich wären.

Schmuddelwetter ist tödlich

Der Winter mit seinen frostigen Temperaturen schützt uns also nicht vor unliebsamen Summen, Krabbeln und Kribbeln im Sommer. Allerdings kann es für die Insekten noch durchaus gefährlich werden: Wenn sich einem kalten Winter mildes und feuchtes Wetter anschließt. Dann sind die Krabbler anfällig für tödliche Pilzkrankheiten und gefährliche Bakterien. Auch wenn es nach wärmeren Phasen nochmals richtig kalt wird und einige Insekten sich schon zu früh aus der Wärmestarre gelöst haben, kann das Erwachen tödlich enden. Am wenigsten mögen Mücken, Käfer und Co. die Kombination eines feuchten Herbstes mit einem nicht zu kalten Winter und einem anschließenden nassen Frühjahr. Dann können sich die Pilze, die Insekten gern befallen, am besten entwickeln.

Ein Kälteeinbruch zu den Eisheiligen macht vielen Insekten den Garaus.

Richtig arg trifft die Insektenpopulationen auch ein nochmaliger, später Kälteeinbruch, etwa zu den Eisheiligen im Mai. Dann sind die Insekten körperlich schon auf Wärme und Reproduktion eingestellt - eigentlich wie wir Menschen. Wer erträgt schon Schnee im Mai? Doch wenn der für weniger Krabbelzeug sorgt, dann her damit!


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