Wissen - Meer voll Plastik


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AWI-Studie zu Müll in Meeren Müll in der arktischen Tiefsee nimmt stark zu

Plastiktüten, Glasscherben, Fischernetze: Die arktische Tiefsee liegt weit entfernt von großen Ballungszentren – doch die Müllmenge dort immer mehr zu. Eine Studie des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) warnt davor, dass die Arktis zur Mülldeponie wird.

Stand: 09.02.2017

Arktische Tiefsee: Plastik an einem Schwamm verheddert | Bild:  AWI/ OFOS / J. Taylor

Wissenschaftlerinnen des Alfred-Wegener-Instituts vom Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) dokumentieren seit 2002 den Müll an zwei Messpunkten im sogenannten AWI-Hausgarten in der Arktis. Auf über 7.000 Fotos haben sie 89 Müllteile entdeckt - was für den Laien erst einmal nach wenig klingt. Da die Unterwasser-Kamera aber nur einen relativ kleinen Abschnitt der Tiefsee beobachtet, haben die Forscherinnen die Mülldichte auf eine größere Fläche hochgerechnet: So kommen sie in dem Untersuchungszeitraum von 2002 bis 2014 auf einen Durchschnittswert von 3.485 Müllteilen pro Quadratkilometer – mit steigender Tendenz in den vergangenen beiden Jahren.

AWI-Hausgarten

AWI-Hausgarten in der Arktis

Der AWI-Hausgarten ist ein arktisches Tiefsee-Observatorium des Alfred-Wegener Instituts. Es besteht aus 21 Messstationen in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen, die Wassertiefen von 250 bis 5.500 Meter umfassen. Seit dem Jahr 1999 werden an diesen Stationen in den Sommermonaten Probenahmen durchgeführt. Für diese Studie wird an zwei Messpunkten der Meeresgrund in der Tiefe von 2.500 Metern beobachtet. Dazu eingesetzt wird das ferngesteuerte Kamera-System OFOS (Ocean Floor Observation System).

Zwanzig Mal mehr Müll

AWI-Hausgarten: Plastiktüte am Meeresgrund

Schon 2011 wurde eine Verschmutzung von fast 5.000 Teilen pro Quadratkilometer ausgerechnet. Doch seither ist die Mülldichte immer weiter angestiegen und erreichte 2014 mit 6.222 Müllstücken pro Quadratkilometer einen neuen Höchstwert, so die Studie. Besonders dramatisch sei die Situation an der nördlicheren Messstation N3, erklärte die AWI-Biologin Mine Tekman. In dieser Eisrandzone ergab die Messung im Jahr 2004 noch 346 Müllteile pro Quadratkilometer. Zehn Jahre später waren es 8.082.

"Hier ist die Verschmutzung in den Jahren von 2004 bis 2014 um mehr als das 20-fache gestiegen."

Mine Tekman, Biologin am AWI

Mehr Müll durch Schiffe

AWI-Hausgarten: Glasreste in der arktischen Tiefsee

Auf den Fotos aus dem Hausgarten sind vor allem Plastik und Glas zu erkennen. Glas driftet im Meer nicht über längere Strecken, es sinkt sofort an Ort und Stelle auf den Meeresgrund. So spiegelt die Mülldichte-Messreihe wider, so die Wissenschaftlerinnen, dass die Schifffahrt in der Region immer intensiver wird.

Golfstrom als Müll-Transporter

Plastikmüll schwimmt in der arktischen Tiefsee

Über die genaue Herkunft des angesammelten Plastikmülls können die Forscherinnen dagegen nur spekulieren. Denn das Plastik kann schon eine weite Reise hinter sich haben, bevor es auf dem arktischen Meeresgrund landet. Für unbestritten halten sie den Einfluss des Golfstroms auf die Verbreitung von Plastikmüll in der Arktis. Er transportiert Teile aus den südlichen Atlantikregionen in die Framstraße.

Meereis transportiert Müll?

Wie ist das Plastik in die Framstraße gekommen? Zu dieser Frage vertreten die Wissenschaftlerinnen eine neue Theorie, denn sie haben einen Zusammenhang zwischen der Mülldichte und der Meereis-Ausdehnung im Sommer festgestellt.

"Das Meereis könnte demnach ein Transportmittel für Müll sein und diesen während der Schmelzperiode im untersuchten Gebiet freigeben. Bislang haben wir das Gegenteil erwartet, da wir das Eis eher als Barriere gegen die Verschmutzung betrachteten."

Melanie Bergmann, Tiefseebiologin am AWI

Die Studie

Tiefseebiologin Melanie Bergmann und AWI-Biologin Mine B. Tekmann sowie Thomas Krumpen haben die Studie auf Englisch in der Fachzeitschrift Deep-Sea Research im Februar 2017 veröffentlicht.

Wie und wann sich der Plastikmüll auf dem Weg in die Tiefsee verändert, ist noch unbekannt. Allerdings beobachteten die Wissenschaftlerinnen im Lauf der Zeit immer mehr kleine Plastikteile. Dies könnte am Zersetzen größerer Teile liegen. Allerdings wird Plastikmüll in der dunklen Tiefsee nicht von UV-Licht zersetzt und die niedrigen Temperaturen sprechen ebenfalls gegen einen Zerfall. So wurde ein Plastikfetzen 2014 und 2016 wieder gesichtet, der sich in den zwei Jahren kaum verändert hatte.

"Diese zweimalige Begegnung zeigt eindrücklich, dass die arktische Tiefsee ein Endlager für Plastikmüll zu werden droht."

Melanie Bergmann, Tiefseebiologin am AWI


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Asiat, Freitag, 10.Februar 2017, 03:54 Uhr

3. Asien ist doch schon eine einzige Müllkippe

Egal wohin, nirgendwo gibt es sinnvolle Müllentsorgungskonzepte.
Das Meer schleudert oft den Dreck an den Strand, der dort entweder von Bewohnern entweder vergraben wird oder einfach wieder vom Wind oder Strömung wieder ins Meer gerät.

Nur für die Wohlstandstouristen werden Strandabschnitte mal gereinigt. Schauderhaft.

Matthias Jelonek, Donnerstag, 09.Februar 2017, 22:52 Uhr

2. Müllbeseitigung

Wie wäre es denn mit müll sammelstellen und einer Verbrennungsanlage!!

OS, Donnerstag, 09.Februar 2017, 22:07 Uhr

1.

Dann haben wenigstens in 30.000 Jahren die Archäologen was, um sich zu wundern, wenn sie Bohrkerne mit seltsamen Ablagerungen versuchen zu ergründen und sich fragen, was vor 30.000 Jahren passiert ist. So, wie unsere Archäologen das heute mit dem Neandertaler tun. Wenn sie sich mitunter dann fragen, warum damals der Homo sapiens beinahe ausgestorben ist. Wenn wir so weiter machen, dann schaffen wir das definitiv - nicht nur bezogen auf Plastikmüll im Meer ...

  • Antwort von Leonia, Freitag, 10.Februar, 10:18 Uhr

    In 30.000 Jahren wird unser Planet versuchen, sich von der Zeit der Menschen zu erholen, weil die sich dann endgültig selbst den Garaus gemacht haben werden.