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Flächenfraß Wie man Gewerbegebiete rückbaut

Jeden Tag werden allein in Bayern 13 Hektar Land mit Siedlungen, Straßen und Gewerbegebieten bebaut. Gleichzeitig stehen Gewerbeflächen leer - könnte man diese Gebiete wieder rückbauen? Das ist schwieriger als gedacht.

Stand: 04.12.2017

Wenn Äcker oder Wiesen in Straßen oder Gewerbegebiete umgewandelt werden, wird zunächst die Humusschicht des Bodens entfernt, dann mit Straßenwalzen eingeebnet und fest gepresst. Straße oder Gebäude drauf - fertig ist das neue Gewerbe- oder Wohngebiet. Das passiert in Bayern ständig, jeden Tag werden 13 Hektar Landfläche überbaut. Doch der Bedarf für Gewerbeflächen ist gar nicht so hoch. Laut Statistik bleiben davon aber im Schnitt 11.000 Hektar unbenutzt. Also genauso viel Fläche wie in zwei Jahren und vier Monaten bebaut wird, sagt Professor Holger Magel, Präsident der Akademie für den Ländlichen Raum.

Gelockerter Boden reicht nicht

Grundsätzlich könnte man solche Flächen rückbauen, aber das ist aufwändig und dauert lange. Zunächst müsste man den Boden mit Maschinen wieder tiefgründig lockern, dazu muss man aber wissen, wie tief der Boden verdichtet worden ist. Doch das allein reicht nicht aus. Denn guter Boden ist nicht einfach nur locker, er hat eine komplexe räumliche Struktur, die nicht durch Maschinen wiederhergestellt werden kann.

"Die räumliche Struktur meint dann die Porenräume im Boden, die ursprünglich vorhanden sind. Die dienen dazu, dass der Boden belüftet ist, dass er Wasser durchleiten kann und dass Bodenlebewesen darin leben können und Pflanzenwurzeln das auch entsprechend nutzen können."

Dr. Lutz Makowsky, Leiter AG Urbane Böden, Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft

Regenwürmer bahnen den Weg für Pflanzen

Diese Struktur können nur Pflanzen und Bodenlebewesen wie Regenwürmer wieder herstellen. Die Würmer graben bis zu einen Meter tief, in diese vorgebohrten Röhren können Wurzeln der Pflanzen wachsen, die diese neue Struktur dann auch gut festhalten. Damit ist auch einer weiteren Verdichtung vorgebeugt. Doch bis es so weit ist, kann es Jahre dauern, und selbst dann ist ein renaturierter Boden vielleicht nur mehr als Grünland nutzbar. Immerhin, so könnte man im Laufe der Jahre wieder Humus herstellen, die fruchtbare Schicht unseres Bodens, die Landwirtschaft und eine gesunde Natur überhaupt erst möglich macht.

"Wenn ein Boden sehr dynamisch ist und durch Bodenleben geprägt ist, dann passiert dieser Regenerationsprozess sehr viel schneller. Weniger als fünf Jahre kann man da sagen, und in anderen Fällen braucht man vielleicht zehn Jahre."

Dr. Lutz Makowsky, Leiter AG Urbane Böden, Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft

Bleibt nur die Hoffnung, dass innerhalb dieser Zeit nicht schon wieder die nächsten 13 Hektar Land pro Tag versiegelt worden sind.

5. Dezember: Internationaler Tag des Bodens

Der "Internationale Tag des Bodens" wurde 2002 in Bangkok auf einer Tagung der Internationalen Bodenkundlichen Union (IUSS) ins Leben gerufen. An diesem Tag soll der Öffentlichkeit die Bedeutung und Gefährdung der Ressource Boden nähergebracht werden. Böden sind eine unverzichtbare Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen. Sie liefern Nahrungsmittel und Rohstoffe, speichern und filtern Wasser und können Schadstoffe abbauen. Die fruchtbaren Böden werden weltweit jedoch immer weniger. Allein in Deutschland gehen täglich durch Beton und Asphalt rund 75 Hektar verloren - das entspricht einer Fläche von mehr als 100 Fußballfeldern.

Die IUSS wurde 1924 als wissenschaftliche Gesellschaft für Bodenkunde gegründet. Ihr gehören weltweit rund 90 nationale und regionale Gesellschaften an, in Deutschland ist dies die Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft.

  • Zur Flächenversiegelung durch Gewerbegebiete und wie man Böden wieder renaturieren kann, berichtet am 08.12.2017 die Sendung "IQ-Wissenschaft und Forschung".

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