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Hugo Junkers Mit Wellblech zum Ruhm

Seit der Ingenieur Hugo Junkers das erste Ganzmetallflugzeug gebaut hatte, hieß er bei Fachleuten nur noch "der Mann, der Wellblech fliegen ließ". Am 3. Februar 1859 wurde Junkers geboren. Genau 76 Jahre später starb er.

Stand: 16.03.2017 | Archiv

Hugo Junkers | Bild: Junkers

Junkers kam am 3. Februar 1859 als Sohn eines Webereibesitzers im nordrhein-westfälischen Rheydt zur Welt. Genau 76 Jahre später, am 3. Februar 1935, starb er im bayerischen Gauting, von den Nationalsozialisten enteignet und gedemütigt. Dazwischen liegt eine fulminante Ingenieurs-Karriere: Bis zu seiner Enteignung durch die Nazis gründete Junkers rund vierzig verschiedene Betriebe und meldete zahllose Erfindungen beim Patentamt an. Darunter waren neben Gasbadeöfen und Metallmöbeln auch zahlreiche Flugzeugmodelle.

Endlich: Kabinen für Flugpassagiere

Junkers F 13

1915 entwickelte Junkers das weltweit erste Flugzeug ganz aus Metall: die "J1". Vier Jahre später verließ das erste Ganzmetall-Kabinen-Verkehrsflugzeug, die "F13", das "Dessauer Junkers Flugzeugwerk". Der Tiefdecker aus Duraluminium bot Platz für zwei Piloten und bis zu vier Passagiere und gilt als Vorfahre des Verkehrsflugzeugs. Großer Vorteil: Die Passagiere hatten endlich Kabinen und mussten nicht mehr in warmen Decken eingehüllt in offenen Flugzeugen reisen. Ihren Erstflug absolvierte die "F13" am 25. Juni 1919. In den frühen 20er Jahren bewältigten die "F13"-Modelle zeitweilig bis zu siebzig Prozent des europäischen Luftverkehrs. Junkers ließ sie in Serie produzieren.

Junkers Maschinen flogen weltweit

Als die Fluggesellschaft "Junkers-Luftverkehrs-AG" 1926 mit der "Deutschen Aero Lloyd" zur "Deutschen Luft-Hansa AG" fusionierte, bestand fast die Hälfte ihrer Flotte aus Junkers-Typen. Seine Flugzeuge flogen auch für Gesellschaften im europäischen Ausland, in Asien, Südafrika, Australien, Kanada und den USA.

Erfolgreichstes Flugzeug der 1930er-Jahre: "Tante Ju"

Aus der F13 entstand eine ganze Familie erfolgreicher Flugzeuge bis hin zur legendären "Ju 52", der berühmten "Tante Ju", die die Lufthansa und viele internationale Luftverkehrsgesellschaften einsetzten. Die "Ju 52" gilt als erfolgreichstes Verkehrsflugzeug der 30er-Jahre: Insgesamt wurden weit mehr als 4.000 Maschinen des Typs gebaut. Dass die Nationalsozialisten das Modell später mit der "Legion Condor" als Bomber im Spanischen Bürgerkrieg und in den 40er-Jahren als Kriegsinstrument missbrauchten, musste Junkers nicht mehr erleben. Für kriegerische Zwecke hatte er die Flieger nicht gebaut.

Nazis enteigneten Junkers

Die Nazis enteigneten den Industriellen kurz vor seinem Tod am 3. Februar 1935. Junkers, der in der Weimarer Republik zahlreiche liberale Freunde hatte, war ihnen immer zu pazifistisch gewesen. Nach der "Machtergreifung" 1933 stand er den Aufrüstungsplänen der Nationalsozialisten im Wege. Sie stellten ihn in einem Geheimverfahren vorübergehend unter Hausarrest. Seine Firmen durfte er nicht mehr betreten; kurz darauf starb er.

Flugzeug- und Möbelbauer

Über 30.000 Maschinen verschiedenster Typen verließen bis 1945 die Junkers-Werke. Doch Junkers war mehr als "nur" Flugzeugbauer. Die Metallbauweise für Flugzeuge wandte er zum Beispiel auch für Möbel und Häuser an. Der Industrielle hatte enge Verbindungen zum Bauhaus-Gründer Walter Gropius, der 1925 mit dem Bauhaus von Weimar nach Dessau umgezogen war. In Junkers Fabriken wurden viele dort entworfene Stahlmöbel gebaut.

Dank Junkers: Warmwasser für alle

Gasbadeofen aus dem Jahr 1928 von Junkers

Junkers Name ziert aber auch profanere Metallgegenstände: Noch heute findet man ihn auf Thermen, Heizungen und Wärmepumpen. Der Ingenieur hatte 1895 in Dessau sein erstes Unternehmen gegründet, in dem später auch der berühmte Junkers-Gasbadeofen produziert wurde. Seine "Volkstherme" war vor allem bei der einfachen Bevölkerung beliebt, die nun auch endlich in den Genuss von warmem Leitungswasser kam.


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