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Höhlenmalerei Chauvet-Grotte bereits vor etwa 37.000 Jahren besiedelt

Wann lebten die Menschen in der Chauvet-Höhle in Südfrankreich, die für ihre prähistorische Wandmalerei berühmt ist? Forscher stellen nun anhand von Radiokarbon-Datierungen fest, dass Menschen die Höhle in zwei unterschiedlichen Phasen bewohnten.

Stand: 11.04.2016

Höhlenbären, Bisons, Wildpferde, Höhlenlöwen, Wollnashörner, Hyänen, Riesenhirsche, Mammuts. Die Chauvet-Höhle in Südfrankreich ist berühmt für ihren einzigartigen Reichtum an prähistorischen Zeichnungen. Um herauszufinden, wann Menschen in der Höhle gelebt hatten, hat ein internationales Forscherteam Holzkohlereste vom Boden der Grotte, Malereien und Kohlespuren an den Wänden sowie Bärenknochen untersucht. Dabei wurde klar: Es gab zwei längere Phasen menschlicher Aktivität in der Höhle. Beendet wurde das menschliche Treiben in der Höhle wahrscheinlich durch Steinschläge.

Bären und Menschen gleichzeitig

Als Grundlage für ihre Studie dienten den Forschern – unter anderem aus Ägypten, Frankreich und Deutschland – mehr als 250 Radiokarbon-Datierungen. Dabei ergab die Untersuchung der Bärenknochen, dass die Tiere die Höhle im Zeitraum von vor 48.500 bis vor 33.000 Jahren als Unterschlupf nutzten. Diese Zeit fällt teilweise zusammen mit der ersten Phase menschlicher Aktivität in der Grotte, für die sich Spuren im Alter von 37.000 bis etwa 33.500 Jahren fanden. Darauf folgt den Ergebnissen der Studie zufolge eine Pause, bevor erneut etwa 31.000 Jahre alte Spuren einer menschlichen Anwesenheit zu finden sind, die etwa 2.000 bis 3.000 Jahre dauerte.

Steinschläge verschlossen Höhle

"Keine Kohle am Boden, Malerei oder Kohle-Markierung nach dieser Zeit ist in der Höhle identifiziert worden", schreiben die Autoren. Der Zeitraum korreliere mit einem Steinschlag, der vor 29.400 Jahren den Eingang zur Höhle teilweise verschloss. Zwei weitere Steinschläge zwischen 23.500 bis 21.500 Jahren riegelten den Zugang endgültig ab.

"Seitdem hat kein Mensch oder Tier, außer kleineren Säugetieren mit ihrer gesammelten Nahrung, die Höhle bis zu ihrer Wiederentdeckung 1994 betreten."

Studie u.a. von Anita Quiles, Institut Français d’Archéologie Orientale Kairo, veröffentlicht in 'Proceedings'

Sensationsfund 1994

Ein Wollnashorn

Eliette Brunel Deschamps, Christian Hillaire und Jean-Marie Chauvet – nach dem die Höhle später benannte wurde – hatten die Höhle am 18. Dezember 1994 entdeckt. Nachdem sich die drei privaten Höhlenforscher einen Weg durch eine Menge Geröll und eine sieben Meter lange Engstelle gebahnt hatten, waren sie in einer riesigen Tropfsteinhöhle mit Hunderten von Wandmalereien gelandet.

Die Höhle war prächtig ausgestattet und schillerte dank der Tropfsteine in wundervollen Farben, so die Entdecker. Im Gegensatz zu früheren prähistorischen Höhlenmalerei-Funden, verwendeten die Menschen in der Chauvet-Grotte Holzkohle für ihre Tierzeichnungen. Deshalb können die Forscher in diesem Fall die Zeichnungen mit der Radiokarbon-Untersuchung nun relativ sicher datieren.

Infos zur Chauvet-Höhle

  • Die Chauvet-Höhle befindet sich im Flusstal der Ardèche in Südfrankreich, nahe der kleinen Stadt Vallon-Pont-d'Arc. Bisher wurden über 400 Wandbilder mit gemalten und geritzten Tier- und Symbolzeichnungen erfasst.
  • Die Gesamtfläche der Höhle ist nach Angaben der UNESCO rund 8.500 Quadratmeter groß.
  • Die Höhle umfasst vier große Säle von zwölf bis 17 Metern Höhe. Der größte Saal misst fast 40 mal 60 Meter.
  • Durch einen Steinabbruch vor rund 22.000 Jahren wurde der Eingang der Höhle fast vollkommen verschüttet. Dadurch konnte die Höhle nur noch von Kleintieren betreten werden.
  • Die Temperatur im Inneren der Höhle betrug das ganze Jahr über konstant 13 Grad Celsius – so blieben die Tropfsteine, der Boden und die Höhlenmalereien über diesen langen Zeitraum erhalten.
  • Die Original-Höhle ist nur für ausgewählte Wissenschaftler zugänglich.
  • Im Juni 2014 wurde die Chauvet-Höhle in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.
  • Im April 2015 wurde in drei Kilometer Entfernung von der Original-Grotte ein Nachbau der Höhle und ein Besucherzentrum eingerichtet.

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