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35 Jahre "bimmelnder Knochen" Happy Birthday, Handy!

Das erste Modell sah aus wie ein Hüftknochen des T-Rex. Das Handy aber schaffte, woran der Saurier scheiterte: Es wurde kleiner und überlebte. Erst als Statussymbol, dann als Volksbelustigung. Für die Zukunft haben Tüftler neue Versprechungen parat - und Skeptiker alte Befürchtungen.

Von: Michael Kubitza

Stand: 12.06.2018

Das Rad. Das Feuer. Die Dampfmaschine. Das Auto: Ideen, die die Welt runderneuerten. Das Handy scheint nicht in diese Reihe zu passen. Alexander Graham Bells Sprechkiste, jetzt auch zum Mitnehmen - so what? Was? Wie bitte? Selbst der Empfang ist noch nicht ausgereift. Dennoch hängen weltweit 7,5 Milliarden Mobiltelefone am Netz. Soziologen sehen darin die wichtigste Erfindung unserer Zeit neben dem Internet.

Schnittstelle in der Hosentasche

"Das Handy ist revolutionär", befand Kommunikationsforscher Scott Campbell von der Uni Michigan schon vor Jahren. "Es hat unser Sozialleben und den Arbeitsmarkt verändert. Es hat neue Kunstformen geschaffen und neue Wege zu beten, aber auch, Terroranschläge auszuführen."

Das Mobiltelefon von einst mutiert zum mobilen Kleincomputer mit Fotoapparat, Scanner, Film- und Musik-Datenbanken, zum Manager und manchmal zur Kreditkarte. Deshalb heißt das Handy nicht mehr Handy, sondern Smartphone. Es ist längst kein Spielzeug für Technik-Freaks im reichen Westen mehr.

Bei Anruf Wohlstand

Rund 80 Prozent der Weltbevölkerung hängen inzwischen in Mobilfunknetzen, welche nach Auffassung einiger Ökonomen die Armut in den Entwicklungsländern auffangen könnten: Das Handy soll aus Slumbewohnern Kleinunternehmer machen, die ihre Dienstleistung anpreisen können. Die London Business School rechnete vor, dass, wenn auf 100 Menschen zehn zusätzliche Mobiltelefone kommen, das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent wächst.

Andere sehen im Handy ein Mittel der Aufklärung: Ärzte nutzen es dazu, analphabetische Tuberkulose-Patienten an ihre Medikamente zu erinnern. Tabuthemen wie Verhütung und Aids werden per SMS kommuniziert.

 "Du bist dein Handy"

Von all dem konnte Martin Cooper, der zusammen mit dem Designer Rudy Krotopp in New York das welterste Handy erfand, 1983 nur träumen: "Warum nicht Mobilfunk für alle?" Heute postulieren Wissenschaftler wie Campbell die totale Einheit von Handy und Nutzer. Und auch Cooper träumt noch.

Im Fernsehsender CNN erklärte der Erfinder: Das Telefon sollte "irgendwann ein Teil des Menschen werden - vielleicht unter der Haut hinterm Ohr." Mitsamt Funklöchern, GPS-Ortung und lustigen Klingeltönen vielleicht ein Albtraum. 


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