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Walforschung Erbgut von Furchenwalen entschlüsselt

Deutsche und schwedische Wissenschaftler haben das Erbgut der Blauwale und fünf weiterer Walarten entschlüsselt – mit überraschenden Ergebnissen. So soll der Grauwal künftig zu einer anderen Walgattung gehören.

Stand: 05.04.2018

Der Grauwal (wie hier im Bild) gehört zu den Furchenwalen. Über sie fanden Wissenschaftler in einer im April 2018 veröffentlichten Studie Erstaunliches heraus. | Bild: picture alliance / WILDLIFE

Sechs Jahre lang haben Forscher um Axel Janke, Evolutionsgenetiker am Senckenberg-Institut und an der Universität Frankfurt, das Erbgut von Blau-, Sei-, Grau-, Grönland-, Zwerg- und Buckelwalen analysiert und dabei zwei, in der Natur sehr seltene Phänomene festgestellt: Die untersuchten Walarten, die größtenteils zu den Furchenwalen gehören, haben sich bei der Artbildung, die vor über zehn Millionen Jahren begann, untereinander gepaart. Und: Im Laufe ihrer Geschichte haben sich die Furchenwale ohne geografische Barrieren in verschiedene Arten aufgespalten.

Ungewöhnliche Artenbildung bei untersuchten Walen

"Arten bilden sich gewöhnlich durch reproduktive Isolation, die durch genetische oder geografische Barrieren entsteht", erklärt Fritjof Lammers. Er ist gemeinsam mit dem Team um Axel Janke und dem Schweden Úlfur Árnason einer der Autoren der Studie. Für Furchenwale scheint dieses Prinzip nicht zu gelten, so das Ergebnis der Untersuchungen. Geografische Grenzen gibt es für die Wale in den Weiten der Ozeane ohnehin nicht.

Besseres Verständnis der Evolutionsgeschichte und der Biodiversität

Mit der Entschlüsselung des Erbguts lasse sich laut der Wissenschaftler die Evolutionsgeschichte der größten Tiere der Erde detailliert nachvollziehen. Außerdem versprechen sich die Forscher durch ihre neu gewonnen Erkenntnisse die Entstehung der Artenvielfalt und der Ökosysteme besser zu verstehen. So fanden sie unter anderem heraus, dass sich der Grauwal – im Unterschied zu den anderen Furchenwalen – eine andere Nahrungsquelle erschlossen hat und sich als sogenannter "bottom feeder" (Bodenfresser) von Krebstieren am Boden von Küstengewässern ernährt.

Grauwal soll auch ein Furchenwal werden

Bisher wurden die Furchenwale in zwei verschiedene Gattungen eingeteilt: Grauwale gelten als Bartenwale und gehören als einzige Walart zur Gattung Eschrichtius. Alle anderen Furchenwale, wie die Blauwale, Zwergwale, Buckelwale und Brydewale, gehören zur Gattung Balaenoptera.

Aufgrund ihres Aussehens hatten Grauwale innerhalb der Bartenwale immer schon eine Sonderstellung. "Die haben sie nun nicht mehr, nach den genetischen Analysen", sagt Studienleiter Janke. Die Wissenschaftler der Studie plädieren deshalb dafür, auch die Grauwale in die Gattung Balaenoptera aufzunehmen. "Damit wären alle Furchenwale vereint und um eine Art reicher", resümiert Janke.

Walforscher: Gute Gene schützen vor dem Aussterben

Viele Walarten sind oder waren vom Aussterben bedroht. Aber die Wal-Forscher geben bei den von ihnen untersuchten Walarten Entwarnung. "Durch den Walfang ist die Genvariabilität nicht verloren gegangen", erläutert Janke. Die Arten seien auf einem guten Weg, sich wieder zu erholen, so der Forscher weiter. Aufgrund ihrer überraschend hohen Genvariabilität seien sie fähig, Krankheitserregern, Parasiten oder Umweltveränderungen gut zu widerstehen.

Die Studie wurde im April 2018 im Fachmagazin "Science Advances" veröffentlicht.


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