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Meeresströmung Golfstrom wird langsamer

Der Golfstrom - die Meereströmung, die Europa wärmt - fließt langsamer. Der Atlantik wird deshalb südlich von Grönland kälter und vor der US-Küste wärmer. Ursache der Verlangsamung ist möglicherweise die Erderwärmung.

Stand: 11.04.2018

Temperatur des Golfstroms, Aufnahme vom 8. Mai 2000 | Bild: NASA

Das Golfstromsystem ist von immenser Bedeutung für den Wärmetransport auf der Erde. Ohne das warme Wasser, das es nach Nordeuropa transportiert, wäre es dort viel kälter. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat festgestellt, dass sich der Golfstrom in den vergangenen rund hundert Jahren verändert hat: Die Strömung im Atlantik sei seit den 1950er-Jahren um 15 Prozent langsamer geworden, berichten die Forscher im April 2018 im Fachmagazin "Nature". Für ihre Studie hatten sie Computersimulationen mit Messdaten der Temperatur der Meeresoberfläche kombiniert. Welche Bedeutung die Verlangsamung des Golfstroms für das Klima weltweit hat, ist noch unklar.

Grönland kälter, US-Ostküste wärmer

Bei der Auswertung der Daten sei ein spezielles Muster entdeckt worden, sagte die leitende Autorin der Studie, Levke Caesar vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Der Ozean südlich von Grönland kühle sich ab, weil das heranströmende Wasser nicht mehr so rasch in die Tiefe sinke und deshalb weniger warmes Wasser nachströmen könne. Gleichzeitig heize sich das Gewässer entlang der nördlichen Hälfte der US-Atlantikküste auf, weil sich der Golfstrom näher an die Küste schiebe.

Gebremstes Golfstromsystem

Für die Abschwächung machen die Wissenschaftler die globale Erwärmung verantwortlich. Das Golfstromsystem wird durch Dichteunterschiede im Meereswasser angetrieben. Warmes, leichteres Wasser fließt von Süden nach Norden. Dort wird es kälter und damit dichter und schwerer, sinkt in tiefere Schichten und fließt zurück in den Süden. Diese gigantische Umwälzpumpe wird nun gebremst.

Infografik: Die Meeresströmung des Golfstroms

Regen und geschmolzenes Eis senken Salzgehalt

Schmelzwasser vom Eis der Arktis senkt den Salzgehalt des Nordatlantiks.

Wegen der globalen Erwärmung regnet es über dem Nordatlantik und den benachbarten Landmassen mehr. Deshalb fließt mehr Süßwasser in den Ozean. Auch das schmelzende Eis der Arktis verdünnt das Wasser des Nordatlantiks mit der Folge, dass der Salzgehalt sinkt. Weniger salzhaltiges Wasser ist jedoch weniger dicht und damit weniger schwer. Es sinke damit nicht mehr so schnell von der Oberfläche in die Tiefe, erläutert Mit-Autor Alexander Robinson von der Universität Madrid. Gelinge es nicht, rasch die globale Erwärmung zu stoppen, werde die Atlantikströmung immer langsamer. "Wir fangen erst an, die Folgen dieses beispiellosen Prozesses zu verstehen - aber sie dürften weitreichend sein", sagt Robinson.

"Wir erwarteten, dass sich die Erderwärmung in allen Ozeanen zeigt, wenn auch nicht überall gleich. Die weiträumige Abkühlung im nördlichen Atlantik aber zeigt, wie sehr der Klimawandel nun bereits die Meeresströmungen stört - das ist beunruhigend."

Levke Caesar, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Robuste Daten zu Erwärmung und Fließtempo

"Die Belege, die wir jetzt haben, sind bislang die robustesten", sagt Mit-Autor Stefan Rahmstorf vom PIK. Lange Zeit sei offen gewesen, wann und wie die Vorhersagen der Computersimulationen auch in der Realität eintreten. Die neuen Daten zeigen, dass dies bereits im Gange sei. Der Zusammenhang zwischen der Oberflächentemperatur der Meere und der Abschwächung des Golfstromsystems sei bereits zuvor untersucht worden, schreibt Summer Praetorius vom US Geological Survey in Menlo Park. Die Stärke der neuen Arbeit liege in der umfassenden Kombination von Messdaten und modernsten Computersimulationen.

Möglicherweise wurde der Golfstrom schön früher langsamer

Der Golfstrom fließt auf seinem Weg nach Europa auch an der Ostküste von Florida entlang.

Auch eine zweite in "Nature" veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass sich das Golfstromsystem verlangsamt. Allerdings begann die Abschwächung nach dieser Studie bereits etwa hundert Jahre früher, also etwa zu Beginn der Industrialisierung. "Das hat Konsequenzen für die Suche nach den Auslösern der Verlangsamung", schreibt Praetorius. Die Forschergruppe um David Thornalley vom University College London gehe von einem natürlichen Prozess aus, der durch die vom Menschen verursachte globale Erwärmung verstärkt wurde. "Nichtsdestotrotz ist der Hauptverantwortliche in beiden Szenarien die Verdünnung des Oberflächenwassers", urteilt Praetorius.

Drohen mehr Hitzewellen und Stürme?

"Wir wollen nun weiter die Auswirkungen und Folgen der Veränderungen des Golfstromsystems untersuchen", sagte Caesar. Wichtige Fragen seien: Wie ändern sich in dem Zusammenhang die Temperaturen in Europa? Und: Ist mit einer Zunahme von Hitzewellen und Stürmen zu rechnen?

  • "Schwächelnder Golfstrom": in "nano", ARD-alpha, am 13.04.2018, um 17.00 Uhr
  • "Klimawandel: Golfstrom wird langsamer": in "IQ - Wissenschaft und Forschung", Bayern 2, am 13.04.2018, um 18:30 Uhr

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