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Ewiges Eis schmilzt weiter Gletscherschmelze nicht mehr zu stoppen

Die Gletscher werden weiter schmelzen - selbst wenn sich alle Länder an das internationale Klimaabkommen von Paris halten. 36 Prozent des Gletschereises seien langfristig verloren, so das Ergebnis einer neu veröffentlichten Studie.

Stand: 20.03.2018

Auch hier ist die Gletscherschmelze zu sehen: Österreichs größter Berg - der 3798 Meter hohe Großglockner | Bild: picture alliance/APA/picturedesk.com

Egal, was wir tun, die Gletscher werden schmelzen. Zu diesem frustrierenden Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern der Universitäten Bremen und Innsbruck.

Selbst wenn die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart bei 1,5 Grad oder zwei Grad gestoppt werden kann, wird das laut Studie für die Gletscher in diesem Jahrhundert keinen großen Einfluss mehr haben.

Unser Handeln bestimmt das Klima von morgen

Der Grund dafür: Die Gletscher reagieren langsam auf den Klimawandel. Erst nach Jahrzehnten werden die Veränderungen im Ewigen Eis sichtbar. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Der Klimaschutz heute ist extrem wichtig. Denn dessen Erfolg zeigt sich an den Gletschern erst im nächsten Jahrhundert. Der Experte Torsten Albrecht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der nicht an der Studie beteiligt war, nennt dies die "historische Dimension unserer Verantwortung" und plädiert deshalb dafür "das Zeitalter fossiler Energienutzung so rasch wie möglich hinter sich zu lassen".

Gletscherschmelze: Studie anhand von Modellen

Die Studie um den Klimaforscher Ben Marzeion, die im Fachmagazin "Nature Climate Change" im März 2018 veröffentlicht wurde, ist eine Modellrechnung und basiert auf Daten von 200.000 Gletschern weltweit. Einbezogen wurden hierfür die Höhe und Größe der Gletscher sowie regionale Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse und neben Daten aus Klimabeobachtungen auch künftige Klimaszenarien.

15 Kilogramm Gletschereis für jedes Kilo Kohlendioxid

Anhand dieser Modelle konnten die Wissenschaftler unter anderem errechnen, dass jedes Kilogramm Kohlendioxid, das wir heute ausstoßen, langfristig 15 Kilogramm Gletschereis schmelzen lässt.

Kritik: Studie ohne Eisschilde der Antarktis und regionale Besonderheiten

Einen Haken hat die Studie allerdings: Die Eisschilde in der Antarktis und Grönlands sowie die Eisberge dort haben die Klimaforscher bei ihren Untersuchungen nicht berücksichtigt. Gerade für diese kleineren Gletscher sei es aber entscheidend, ob die Temperatur künftig um 1,5 oder 2 Grad steige, kommentiert der Glaziologie-Experte Tobias Bolch von der Universität Zürich die Studie. Schließlich schmelzen kleinere Gletscher schneller als größere.

Ebenfalls unberücksichtigt blieben regionale Unterschiede im erwarteten Gletscherrückzug. So wurden Faktoren wie Schuttbedeckung, Eisdynamik, Eisbergkalben, lokale Gegebenheiten der Sonneneinstrahlung und das lokale Mikroklima bei den Modellen nicht einkalkuliert, was Johannes Fürst vom Institut für Geografie der Universität Nürnberg-Erlangen an der Studie bemängelt. Aussagen zu den regionalen Auswirkungen, zum Beispiel in den Alpen, könne die Studie nicht machen, meint auch der Eis- und Schnee-Experte Tobias Bolch aus Zürich.


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