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Geschichte des bayerischen Ölfiebers Als das Erdöl in Bayern zu sprudeln begann

Schon im 15. Jahrhundert entdeckten Mönche Erdöl am Tegernsee. In den 1950er-Jahren ging der eigentliche Ölrausch los. Heute tröpfelt es noch hie und da, doch der Boom ist wieder vorbei. Was ist mit Bayerns schwarzem Gold passiert?

Stand: 23.01.2018

Benedektinermönch am Kloster Tegernsee mit einem Krügerl Erdöl (Illusttration). | Bild: BR/Christian Sonnberger

Die Geschichte des Ölbooms in Bayern begann sehr zeitig: 1441 entdeckte ein Benediktinermönch des Klosters Tegernsee angeblich einen gelblichen Schimmer auf dem Wasser des Sees und auch bald dessen Quelle.

Duftendes Heilöl

Kloster Tegernsee

Am Westufer des Tegernsees sprudelte Steinöl aus dem Boden. Heilsame Kräfte wurden dem Petroleum aus der St. Quirins-Quelle zugeschrieben. Und in kleine Flaschen abgefüllt, sorgte das Quirinusöl schon bald für einen steten Pilgerstrom und Geldfluss zum Kloster.

Denn das Erdöl vom Tegernsee war nicht etwa schwarz und stinkend, sondern eine gelbliche, dünnflüssige Substanz, die als durchaus wohlriechend beschrieben wurde: Aromatisch und ätherisch soll das Tegernseer Erdöl gerochen haben. "Blumenartig" beschreibt der Mineraloge Franz von Kobell den Geruch des Destillats.

Ein Bodenschatz ohne Verwendungszweck

Die Tegernsee-"Claims"

Doch 1803 war mit dem Wundermittel Quirinusöl Schluss. Nicht etwa, weil die Quelle versiegt war, sondern weil das Öl durch die Säkularisierung verstaatlicht wurde: Die Quelle ging von der Kirche an den bayerischen Kurfürsten über, das Öl wurde zum Bodenschatz.

Aber welche Art von Bodenschatz? Darüber war man sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht im Klaren. Autos rollten erst ein knappes Jahrhundert später über die Straßen. Wissenschaftler wie der Münchner Mineraloge Franz Ritter von Kobell (auch Autor der "Gschicht vom Brandner Kasper") erhielten den Auftrag, die Eigenschaften des Tegernseer Öls genauer zu untersuchen, um herauszufinden, wozu es nutzbar sei. Man gewann Bitumen daraus, einen pechähnlichen Stoff, der in der Asphaltherstellung genutzt wurde, und Paraffin, das als Brennmaterial in Lampen genutzt wurde. 1838 wurden am Tegernsee etwa 800 Liter Erdöl pro Jahr empor gepumpt.

Die ersten Gaslaternen

Um 1840 stoppte die Förderung von Erdöl am Tegernsee erst einmal wieder: Zu oft kam es zu Explosionen, da man nicht nur auf Erdöl, sondern auch auf reichlich Erdgas stieß. Erdgas war zu dieser Zeit schon interessanter als Erdöl - es ist die Zeit, in der die ersten Gaslaternen die Städte erhellten.

"Little Texas" in Bayern

Erdölförderung mit dem Eimer

Ende des 19. Jahrhunderts bemühte sich die bayerische Bergwerksverwaltung dann wieder um Ölbohrungen am Tegernsee und eine Steigerung der Ertragsmenge, doch der richtige Aufschwung kam erst mit dem folgenden Jahrhundert: 1904 begann eine niederländische Firma, im größeren Maßstab in Wiessee nach Öl zu bohren, und förderte ab 1909 als "Erste bayerische Petroleum Gesellschaft" Erdöl aus einer Tiefe von nur 500 Metern. Bis zu elf Bohrtürme ragten zeitweise am Westufer des Tegernsees empor.

Von der Erdölförderung zum Heilbad

Kurbad statt Ölquelle

Die Ölquelle sprudelte jedoch nicht lange, das Tegernseer Öl war schnell abgeschöpft. Als man tiefer bohrte, kam aus "Bohrloch 3" plötzlich warmes, nach faulen Eiern stinkendes Wasser hervor. Es dauerte ein Weilchen, bis klar war, was da aufstieg: heißes, jod- und schwefelhaltiges Wasser. Badehäuser wurden gebaut, die Quelle in "König-Ludwig-Quelle" umbenannt und die Ölfirma hieß bald "Jod- und Schwefelbad Wiessee GmbH". Seither sprudelt eine ganz andere Einnahmequelle im jetzigen Bad Wiessee: der Tourismus.

Ölboom von 1960 bis 1990

Erdöl-Fördermengen seit 1955 in Bayern

Der eigentliche Ölboom in Bayern begann nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Erdöl bereits zum begehrten Rohstoff geworden war. Nach dem Krieg begann die Suche nach neuen Ölvorkommen - mit Erfolg, an verschiedenen Stellen in Bayern. Ab 1954 begann die wirtschaftliche Förderung von Erdöl und Erdgas. Und in den nächsten drei Jahrzehnten wurden knapp sechzig Gas- und Ölfelder in Bayern erschlossen. Doch schon in den 1990er-Jahren war es wieder vorbei mit dem Boom und die meisten Firmen zogen sich aus dem bayerischen Boden zurück.

Ölpreis-Entwicklung von 1940 bis 2017

Der Grund: Nach dem Höchststand des Ölpreises Anfang der 1980er-Jahre bei knapp 40 Dollar pro Barrel sank in den folgenden Jahren der Preis rapide und machte die Ölförderung zunehmend unrentabel, wo das schwarze Gold nicht in großen Mengen hervorsprudelte.

Das Ende des Ölrauschs

Einstige und derzeitige Erdöl-Förderstellen in Bayern

Bayerns Ölfelder waren nie sehr ergiebig und das gefundene Öl meist schnell abgeschöpft. Nicht komplett, doch je länger aus einem Feld gefördert wird, umso schwieriger und kostspieliger wird es, hochwertiges Erdöl zu erhalten. Der kleiner werdende Rest verwässert und versandet immer mehr und schnell ist die Rentabilitätsgrenze erreicht. Dazu kommt, dass bayerisches Erdöl zum Teil erst in großen Tiefen bis zu 4.000 Meter unter der Oberfläche zu finden ist.

Bayerns heutige Ölförderung

Heute gibt es nur noch drei aktive Ölbohrungen in Bayern: Eine in Hebertshausen bei Dachau und zwei am Lechfeld südlich von Augsburg, Schwabmünchen und Großaitingen. Hier wird seit fast dreißig Jahren Öl an die Oberfläche gepumpt. Großaitingen ist das "Ölfassl" Bayerns mit der deutlich größeren Fördermenge, doch jeder hier geförderte Liter Erdöl ist nur ein kleiner Tropfen im bodenlosen Fass unseres Bedarfs.

  • Da war doch was: Öl am Tegernsee. Wir in Bayern, 28.04.2017, 16.15 Uhr, BR Fernsehen
  • Da war doch was: Bayerische Öl-Pipeline. Wir in Bayern, 21.04.2017, 16.15 Uhr, BR Fernsehen
  • Bayerische Miniaturen: Der Tegernsee. Wir in Bayern, 11.08.2017, 16.15 Uhr, BR Fernsehen
  • Erdölsuche Ampfing heute und gestern. Schwaben und Altbayern, 06.03.2016, 18.00 Uhr, BR Fernsehen
  • Lichter der Großstadt - Im hellen Schein des Glühstrumpfs. Bayern - Land und Leute, 20.12.2015, 13.30 Uhr, Bayern 2

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