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Impulsivität bei Teenagern Wie das Gehirn von Jugendlichen lernt

Die Zeit der Pubertät ist für Jugendliche und deren Eltern und Lehrer manchmal anstrengend. Pubertierende neigen zu sprunghaftem, impulsivem Verhalten und unterliegen äußeren Reizen. Doch das ist durchaus sinnvoll beim Lernen.

Stand: 31.08.2018

Jugendliche mit Büchern | Bild: picture-alliance/dpa / Bildagentur-online/Tetra-Images

Jugendliche reagieren impulsiv und sprunghaft. Und sie sind sehr empfänglich für äußere Reize hinsichtlich der Wahl ihrer Kleidung, Musik oder Spielkonsolen. Da zählt hauptsächlich, was die Freundin oder der beste Kumpel kauft. Doch das Gehirn von jungen Menschen nimmt auch andere Informationen aus der Umgebung auf, was es ihnen leicht macht zu lernen. Das jugendliche Gehirn, das sich aufs Leben vorbereitet, funktioniert ähnlich wie ein Schwamm: Es saugt alles auf, was je nach Umfeld und Einflüssen eine Plage oder Chance sein kann.

Positive Verstärkung hilft beim Lernen

Positiv verstärken: statt "Das schaffst du nicht, das kannst du nicht" besser "Das wird schon".

Die Psychologin Sabine Peters von der Universität Leiden in den Niederlanden und ihre Kollegin haben 230 junge Menschen im Laufe von vier Jahren mehrfach beim Computer-Spielen beobachtet. Diese sollten eine Art virtuelles Memory lösen. Das Ergebnis der Studie: Jugendliche lernen dann am besten, wenn die Rückkopplung beim Lernen positiv ist.

Sinnvolles wird als Denkschablone gespeichert

In bildgebenden Verfahren zeigte sich, dass sich bei positivem Feedback in einer bestimmten Hirnregion, im sogenannten Striatum, einiges tut - in dem zentralen Bereich des Gehirns, wo auch das Belohnungszentrum sitzt. Die Belohnung ist im Prinzip eine Verstärkung von Denkabläufen, bekräftigt Nikolaos Koutsouleris, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum der LMU München. Belohnte, also für richtig erachtete Denkabläufe, werden im Gehirn abgelegt und sind auch später noch abrufbar.

"Das ist wie ein Selektionsprozess. Manche Muster im Gehirn passen gut, funktionieren gut, sind verbunden mit Belohnung, werden verstärkt und andere werden abgeschwächt. Und dieser Prozess des Ausprobierens führt wahrscheinlich auch dazu, dass die Jugendlichen sprunghaft wirken."

Nikolaos Koutsouleris, Psychiater am Klinikum der LMU München

Passende Muster im Gehirn werden verstärkt

Jugendliche testen vieles aus, manchmal auch riskantes Verhalten.

Dieser Prozess, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren, läuft nicht immer glatt ab: Teenager begehren auf, testen aus und reiben sich, weil ihr Repertoire noch unausgegoren ist. Das führt oft zu impulsiven, unberechenbaren Reaktionen, die sich in riskantem oder provokantem Verhalten zeigt.

"Das bedeutet auch, dass im Prinzip durch Reize von außen nicht immer adäquat reagiert werden kann … und dann eine gewisse Instabilität im Denken zustande kommt."

Nikolaos Koutsouleris, Psychiater am Klinikum der LMU München

Förderlich für den Reifungsprozess ist es, wenn Jugendliche positiv verstärkt werden. Das heißt für Lehrer und Eltern: Die guten Momente geduldig abwarten und freudig darauf reagieren. So festigen sich Denk- und Verhaltensweisen, mit denen junge Menschen gut durchs Leben kommen.

  • Pubertät - die wilden Jahre: Planet Wissen, 17.07.2019, 18:15 Uhr, ARD-alpha
  • Warum bin ich, wie ich bin? An der Kreuzung zum Erwachsensein: 31.08.2018, 19:15 Uhr, ARD-alpha
  • Gehirnentwicklung bei Teenagern - Warum Lernen und Impulsivität zusammen gehören: 22.01.2018, 18.05 Uhr, IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2

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