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Organtransplantation Schwanger werden mit fremder Gebärmutter

Das Universitätsklinikum Erlangen soll Zentrum für Gebärmutter-Transplantationen werden. Frauen, die wegen einer Fehlbildung oder eines Unfalls keine Gebärmutter haben, können sich so den Wunsch nach einem Kind erfüllen.

Von: Christiane Hawranek

Stand: 18.12.2017

Professor Sara Brucker von der Universitätsklinik Tübingen ist in Deutschland eine Pionierin: 2016 ist es ihr zusammen mit ihrem Team zum ersten Mal gelungen, eine Gebärmutter zu transplantieren: Bei einer 23-jährigen Patientin, die eine angeborene Fehlbildung hat. Davon sind deutschlandweit etwa 8.000 bis 10.000 Frauen betroffen. Am besten funktioniert das Verfahren mit Lebendspenden – das heißt: Die Patientin bringt zum Beispiel ihre Mutter oder Schwester mit, die bereit ist, ihre Gebärmutter zu spenden.

Neun Kinder nach Transplantation geboren

Weltweit sind bisher erst neun Babys nach Gebärmutter-Transplantationen zur Welt gekommen, davon acht in Schweden und eines in den USA. Die Ärzte der Baylor Universität in Dallas im US-Bundesstaat Texas teilten am 5. Dezember 2017 auf einer Pressekonferenz mit, Mutter und Sohn gehe es gut.

Strenge Voraussetzungen für Lebendspende

Die Voraussetzungen für die Gebärmutter-Transplantation sind sehr streng. Für die Entnahme muss die Spenderin eine achtstündige Operation auf sich nehmen. Von etwa 150 interessierten Spenderin-Empfängerin-Paaren blieben nach den Voruntersuchungen in Tübingen nur sieben übrig, die überhaupt für den Eingriff in Frage kamen. Bei zwei von ihnen ist die Transplantation der Gebärmutter geglückt. Damit der Körper das Organ nicht abstößt, müssen die Patientinnen Immunsuppressiva nehmen – Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken.

Mit künstlicher Befruchtung schwanger

Sara Brucker, Ärztliche Direktorin des Forschungsinstituts für Frauengesundheit der Universität Tübingen

In Deutschland kam noch kein Baby nach einer Gebärmutter-Transplantation zur Welt. Doch jetzt stehen die Tübinger Ärzte um Sara Brucker kurz davor, der jetzt 24-jährigen Patientin die eigene befruchtete Eizelle einzusetzen, die ihr vor der Transplantation entnommen wurde. "Zwei Wochen später könne man einen Schwangerschaftstest machen", sagte die Tübinger Gynäkologin Sara Brucker der Deutschen Presse-Agentur. Wie bei normalen Schwangerschaften seien die ersten drei Monate aber kritisch.

Noch ungeklärte ethische Fragen

Weil das Verfahren noch experimentell ist, ist die Behandlung nicht vom Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung gedeckt. Doch nicht nur die Frage nach den Kosten ist noch offen, auch medizinethische Fragen stellen sich: Eigentlich gelten Organtransplantationen als letztes Mittel, um Leben zu retten – bei Menschen mit Nierenversagen zum Beispiel oder einem kranken Herzen. Bei der Gebärmutter-Transplantation dagegen ist es das Ziel, Leben zu spenden, also ein Baby zwar im eigenen Bauch auszutragen, aber mit fremder, gespendeter Gebärmutter.

Am 19. Dezember 2017 wird der Hochschulplanungsausschuss in Erlangen eine Entscheidung fällen: Das Universitätsklinikum soll ein Zentrum für Gebärmuttertransplantationen werden. Die Zulassung für diesen Eingriff werde zunächst auf drei Jahre befristet sein, so Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

  • Gebärmutter-Transplantation – Wem hilft die umstrittene Operation? IQ - Wissenschaft und Forschung, 18.12.2017, 18.05 Uhr, Bayern 2

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