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Fußball-WM 2018 für Fans Wie Sie die WM auf dem Sofa am besten überstehen

Der Puls rast, der Stress steigt und der Griff zu Flips und Süßigkeiten, zu Bier und Softdrinks wird Routine: Die Fußball-WM lässt den gemeinen Fan oft leiden und zu bestimmten Ritualen greifen. Hier einige Tipps, wie Sie die WM unbeschadet überstehen – egal, wer Weltmeister wird.

Stand: 13.06.2018

Zwei Fußballfans sitzen auf der Couch und essen Flips | Bild: picture alliance / dpa Themendienst

"WM-Spiele nicht allein gucken!" Das raten Notärzte den Fans als Vorsichtsmaßnahme zur Fußball-WM. "Wichtig ist zum Beispiel, besonders die Spiele mit deutscher Beteiligung nicht allein zu gucken", sagt Jan-Thorsten Gräsner, Experte für Notfallmedizin bei der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Eine medizinische Studie habe erwiesen, dass es speziell bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft zu besonders vielen Herzinfarkten und Herzstillständen bei Fans komme.

Herz-Stress bei deutschen Spielen

Schon zur Fußball-WM 2006 haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Großhadern der LMU München die Notfälle während der WM mit einem Kontrollzeitraum verglichen. Ihr Ergebnis: An den Spieltagen der deutschen Mannschaft traten rund dreimal so viele Notfälle auf wie im Vergleichszeitraum. Wurde es im Spiel dramatisch, wie etwa im WM-Viertelfinale beim Elfmeterschießen gegen Argentinien, war ein extremer Anstieg von Herzinfarkten und akuten Herzrhythmusstörungen zu verzeichnen.

"Prüfen, rufen, drücken"

Gerade in solchen dramatischen Situationen sei es gut, nicht allein zu sein. Denn bei einem Herzinfarkt sei entscheidend, dass direkt jemand helfen könne, so Gräsner. Dann sollte nach dem Motto "Prüfen, rufen, drücken" gehandelt werden: Erst den Kreislauf prüfen, über den Notruf 112 Hilfe holen und mit einer Herzdruckmassage beginnen, bei der 100-mal pro Minute fest das Brustbein mit übereinander gelegten Händen gedrückt wird.

"Dickmacher" WM

Doch nicht nur das Herz des Fans ist während der WM gefährdet, auch die Figur so manchen Fußballanhängers leidet über die Dauer des Turniers. Denn während die deutsche Mannschaft in Russland einen strengen Ernährungs- und Trainingsplan hat, stehen bei vielen Fans Bratwurst, Chips, Bier und viele Stunden vor dem Fernseher auf dem Programm. So warnt die Medizinische Universität Wien vor dem "Dickmacher" WM. Während der Spiele werden auf dem Sofa leicht zu viele Süßigkeiten oder Chips gefuttert, zu viel Bier und zu viel zuckerhaltige Softdrinks konsumiert. "An manchen Tagen finden drei Spiele statt. Da lassen sich mit Schorlen statt Limonaden oder puren Säften viele Kalorien sparen", rät die Wiener Ernährungswissenschaftlerin Maria Wakolbinger.

Auch für die Biertrinker hat Wakolbinger keine gute Nachricht: Ein Liter Bier habe mehr als 400 Kalorien – was etwa 20 Prozent des täglichen Bedarfs entspricht. Und statt satt zu machen, regt Bier zudem den Appetit an, erklärt die Expertin.

Kritik am DFB und seinen Sponsoren

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kritisiert zudem den Deutschen Fußball-Bund DFB für seine Werbedeals mit McDonald's und Coca-Cola. Der Verband bezeichnete es als Skandal, dass der DFB sich in seiner Satzung zur Förderung gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung bekenne und sich gleichzeitig von den beiden Konzernen sponsern lasse. "Mit seinem Verhalten trägt der DFB mit dazu bei, dass immer mehr Kinder und Jugendliche Übergewicht entwickeln, denn ein entscheidender Faktor für Übergewicht ist neben Bewegungsmangel zu fette und zu süße Ernährung", erklärte Verbandssprecher Josef Kahl.

Positive Emotionen fressen Kalorien

Der DFB verteidigte seine Sponsoren. Sie würden sich in karitativen Projekten sowie breitensportlichen Initiativen um Aufklärung zum Thema Ernährung und Bewegung bemühen, heißt es. "Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es natürlich nicht sinnvoll, dass die ungesunden Snacks als besonders WM-tauglich beworben werden", so Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Letztlich komme es aber während der vier WM-Wochen auf das richtige Maß an. Außerdem sei Essen nicht nur eine Sache der Vernunft, sondern auch ein Erlebnis, verknüpft mit Emotionen.

Bleibt zu hoffen, dass es viele positive Emotionen und Momente während der WM zu feiern gibt. Denn beim Jubeln, Herumspringen und Umarmen dürften einige Kalorien wieder verbraucht werden.


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