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Einwurf Das Geheimnis liegt auf der Hand

"Ball flach halten" - das sollten nicht nur verbal ausdrucksstarke Fußballspieler beherzigen. Auch beim Einwurf kann die Weisheit weiterhelfen.

Stand: 05.07.2018

Einwurf vom Seitenaus | Bild: BR/ Max Hofstetter

Ein Einwurf weit in den Strafraum ist die beste Vorlage für den Torjubel. Aber wie bekommt man den optimalen Weitwurf hin? Entscheidend ist die Flugbahn, mit der der Ball wieder ins Spiel zurückkommt - und die sollte eben möglichst flach sein. Das Geheimnis liegt für den Dortmunder Physiker Metin Tolan auf der Hand: Zwischen 30 und 35 Grad ist der optimale Abwurfwinkel bei einem guten Einwurf.

Optimal sind 30 bis 35 Grad

Philipp Lahm wirft ein.

Wichtig sind dafür die Kräfte, die auf den Ball wirken: Schwerkraft, Luftreibung und Magnus-Kraft. Die Schwerkraft zieht den Ball nach unten, dann kommt die Luftreibung dazu und als Drittes wirkt die sogenannte Magnus-Kraft. Das ist die Kraft, die Bälle, die sich durch die Luft bewegen und gleichzeitig um die eigene Achse drehen, ablenkt. Je schneller sich der Ball bewegt und je mehr er sich um sich selbst dreht, desto größer ist die Ablenkung. Soweit alles klar, jetzt fehlt nur noch die richtige Formel, um das Ganze zu berechnen. Metin Tolan nimmt hierfür die Formel der Wurfparabel: Heraus kommt der optimale Einwurfwinkel. Und der liegt eben bei 30 bis 35 Grad im Verhältnis zum Spielfeld. Um den Luftwiderstand klein zu halten, nimmt der Ball so in der Luft den kürzest möglichen Weg.

Und es gibt noch weitere Maßnahmen für Weitwürfe. Erstens: Vorher dem Ball Rückwärtsdrall mitgeben. "Der sorgt dafür, dass der Ball noch etwas weiter geht", so Tolan. Die Magnus-Kraft lenkt den Ball dann nach oben hin ab. Zweitens: Richtig Schwung holen. Optimallösung für Letzteres wäre hier laut Metin Tolan der Salto vorher.

Der Salto-Einwurf

Jedermanns Sache ist allerdings so ein Salto nicht. Auch Metin Tolan rät wegen der Verletzungsgefahr eher ab.

Weite Rückenbiegung statt Salto-Einwurf

Paul Breitner machts vor.

Zudem kann so ein Salto-Einwurf auch zu einer peinlichen Nummer geraten, misslingt er. So geschehen bei der Fußball-WM 2018 in Russland im Vorrundenspiel Iran gegen Spanien. Der eingewechselte Iraner Milad Mohammadi wollte aus seinem Einwurf in der 2. Minute der Nachspielzeit eine gefährliche Flanke machen – Spanien führte mit 1:0 und die Zeit wurde knapp – er nahm viel Anlauf, setzte zum Überschlag an, der misslang. Der Iraner musste den Versuch abbrechen, warf im Stehen ein und verlor viel Zeit. Es war die letzte Aktion des Spiels, Spanien gewann mit 1:0.

Die Alternative, um die Beschleunigung zu erhöhen: "Sie müssen anlaufen und sich möglichst weit nach hinten lehnen." Allein mit einem Einwurf wird man allerdings nie zu Ehren kommen: Immerhin ist ein direktes Tor durch einen Einwurf immer noch ungültig. Und es hängt von der Taktik ab, ob man den Ball überhaupt weit schleudern möchte. Manchmal ist ein kurzer Wurf vor die Füße des vorbeilaufenden Mitspielers die bessere Variante.

Wurfparabel

Zur Berechnung nutzt man die vektorielle Gleichung für die Wurfparabel:
r = (v0 x t x cos α; v0 x t x sin α - 1/2 x g x t²)
mit der Anfangsgeschwindigkeit v0, dem Abwurfwinkel a, der Zeit t und der Erdbeschleunigung g (9,81 m/s2). 


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