Wissen


29

Bedrohte Schwalben Rauchschwalben und Mehlschwalben werden immer seltenere Gäste

Der Frühling ist da, aber an vielen Orten fehlt ein beliebter Frühlingsbote: die Schwalbe. Schon seit Jahren offenbart sich, dass der Lebensraum der Zugvögel bei uns immer begrenzter wird und sie ihre angestammten Plätze verlieren.

Stand: 22.05.2019

Eine Mehlschwalbe (Delichon urbicum) baut an ihrem Nest am 17.05.2017 unter dem historischen Verladeturm am Fluss Oder in Groß Neuendorf im Oderbruch (Brandenburg) | Bild: dpa-Bildfunk

Früher galten Schwalben als Boten des Glücks, die das Haus vor Feuer und Blitz sowie das Vieh im Stall vor Krankheiten bewahrten. Und heute? Der Landesverband für Vogelschutz in Bayern (LBV) und der Naturschutzbund Bayern (NABU) sind besorgt: Immer weniger Schwalben bevölkern den Frühlingshimmel. Die beiden häufigsten Arten bei uns, die Mehl- und die Rauchschwalbe, stehen in Bayern mittlerweile auf der Vorwarnliste der Roten Liste.

Mensch gegen Schwalbe

Die Gründe sind vielfältig, haben aber immer wieder dieselbe Ursache: den Menschen. Einerseits sind wir für den massiven Rückgang der Insekten verantwortlich, weil wir die Lebensräume der wichtigen Futtertiere für Vögel aller Art zerstören. Für die Schwalben ist das ein großes Problem: Die Zugvögel kommen nach ihrer langen Reise aus Afrika ausgezehrt bei uns an und brauchen Futter. Ziehen sie ihre Jungen auf und es fehlt an Insekten, dann verhungert ihr Nachwuchs.

Zu wenig Brutplätze für die Zugvögel

Und das, obwohl Schwalben vor vielen Jahrzehnten noch gern gesehene Gäste waren, rund um Haus und Hof. Wer Schwalben hatte, hatte weniger Mücken um sich herum. Doch selbst wenn es noch genügend Insekten gäbe: Es fehlen für die Vögel auch Brutplätze an Hauswänden oder in Ställen.

"Während Hausbesitzer aus Angst vor Verschmutzung die Nester der Mehlschwalben entfernen, verschließen besorgte Bauern den Rauchschwalben ihre Ställe, um vermeintlichen Hygieneanforderungen gerecht zu werden. Dabei gefährden die kühnen Flugakrobaten unsere Gesundheit mitnichten, sind aber auf dem Land auf genau solche Brutplätze angewiesen."

Eric Neuling, Vogelschutzexperte des NABU

Moderne Ställe und Hallen sind heute oft so abgedichtet, dass die Vögel keinen Unterschlupf finden. Viele alte Gebäude werden auch abgerissen oder saniert. Die ortstreuen Schwalben kommen dann zurück aus ihrem Winterquartier und finden ihren Nistplatz nicht wieder.

Mehlschwalben ziehen unters Dach ...

Mehlschwalben an einem Nest direkt unter dem Hausdach

Die Mehlschwalbe mit ihrem leuchtend weißen Bürzel und Bauch sowie dem tief gekerbten Schwanz nutzt vor allem rau verputzte Hauswände unter geschützten Dachvorsprüngen zum Bau ihres Nestes. Sie brütet gerne in großen Kolonien.

Rauschwalben mögen Stallgeruch

Rauchschwalbe

Rauchschwalben, die über ihre braunrote Färbung von Kehle und Stirn gut erkennbar sind, bevorzugen Balken oder Mauervorsprünge in Ställen, Scheunen oder Carports. Leider bleiben die notwendigen Einflugluken nach Renovierungen zunehmend verschlossen oder sind bei Neubauten gar nicht erst vorhanden.

"Viele Lager und Ställe müssten zumindest in der warmen Jahreshälfte nicht komplett verschlossen sein. Eine Einflugluke reicht Rauchschwalben bereits."

Eric Neuling, Vogelschutzexperte des NABU

Fallender Schwalben-Kot stört Hausbesitzer

Viele Menschen wollen gar keine Schwalbennester an ihrem Haus mehr haben, unter Dächern oder anderen Vorsprüngen. Denn aus den runden Nestern fällt – gerade zur Brutzeit – viel Kot herab. Eine Lösung dafür wären sogenannte "Kotbretter", die Hausbesitzer 40 bis 90 Zentimeter unterhalb des Nests anbringen können. Dort wird der Kot aufgefangen und kann später auf den Kompost geworfen werden.

Hausbesitzer können noch mehr tun, sagt der LBV. Zum Beispiel Lehmpfützen aufstellen. Denn die Schwalben brauchen den klebrigen Lehm damit ihre Nester stabil bleiben. Dazu muss man nur einen großen Lehmklumpen in einen Blumenuntersetzer geben und mit Wasser vermischen. Wer hat, kann noch Stroh und ein paar Pferdehaare dazu legen.

Übrigens: Schon bestehende Nester dürfen nicht entfernt werden, Schwalben und ihre Behausungen sind geschützt. Und: Gebäude mit vorhandenen und erhaltenen Nistplätzen für Schwalben werden vom NABU als "Schwalbenfreundliches Haus" mit einer Plakette ausgezeichnet.

  • "Vogelschutz: Kein Platz für Schwalben?": in "Abendschau", BR Fernsehen 09.08.2017, um 17.30 Uhr
  • "Nishilfen 6 Co: Warmes Willkommen für die Schwalben": in "Abendschau", BR Fernsehen, 10.05.2017, um 17.30 Uhr

29

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Mueller , Sonntag, 24.Juni 2018, 10:32 Uhr

10. Schwalben

am 4.4.2018 ist das erste Schwalbenpaar dieses Jahr angekommen. Durch die warme Witterung haben sie sehr schnell begonnen
ein Nest zu belegen und die anderen sind Tage später auch angereist. Der Stand am 24.06.2018 - die Jungtiere aus 5 Nestern sind bereits ausgeflogen 4 x 4 und 1 x 3. Weiterhin sind im Moment 7 Nester belegt mit Jungen die Anzahl ist zwischen 3 und 6. Auch weitere Nester haben bestimmt Eier oder noch nicht einsehbare Jungtiere. Bis jetzt wurden 3 neue Nester dazugebaut und die restlichen sind Altnester zurückgehend bis zum Jahr 2002.
2002 sind die Schwalben wieder auf unseren Hof gekommen, 2013 sind alle den langen Regen zu Opfer gefallen außer 6 Alttiere und nur 4 Junge die überlebt haben. Seit 2014 erholt sich der Bestand sehr schnell im Moment sind ungefähr 70 Schwalben mit den
Jungen am Hof. Da rührt sich was und sehr schon anzuschauen.
Bei uns siedelt die Rauchschwalbe und wir leben im bayerischen Wald auf einer Höhe von ca. 950 m

Klaushelmuth Pütz, Sonntag, 10.Juni 2018, 10:37 Uhr

9. Schwalben

Ich wohne auf dem Land. Vor ca. 3 Wochen flogen noch mehrere Schwalben herum. Jetzt sieht man keine mehr. Schade!!!

Lionel Seaton-Yates, Montag, 28.Mai 2018, 11:53 Uhr

8. Vogelsterben - Schwalben & Co.


Schwalbenliebhaber/Bodensee

Immer zwischen dem 2. und dem 16. April sah ich die ersten Rauchschwalben. Etwas später kamen die Mehlschwalben an. Unregelmäßig erschien eine Uferschwalbe. Und plötzlich streiften die Mauersegler, schreiend, über den Himmel…

Dieses Jahr sind alle drei Arten ausgeblieben. In Norditalien ist die Situation kaum besser. Auch die Felsenschwalbe dort hat sehr stark abgenommen. In Spanien gibt es noch die Rötelschwalbe.

Leider gibt es sehr, sehr wenige Leute in Deutschland, die wahrgenommen haben, daß unsere Vogelwelt so gut wie verschwunden ist. Den meisten Bauern ist dieser Verlust ziemlich egal. Auch die Lerchen und Kiebitze sind verschwunden. Sogar die Meisen, Spechte und unzählige Zugvögel.

Ich freue mich sehr, daß einige Leute sich über diese Katastrophe Gedanken machen.
Was ausgestorben ist, kommt NIE wieder…

MfG
Lionel Seaton-Yates
28. Mai 2018

Hannes Sailer, Freitag, 25.Mai 2018, 16:08 Uhr

7. Schwalben

Hallo ich bin begeisterter Landwirt und habe sehr viel für Natur und Vogelschutz übrig.
Mein Garten ist ein Paradies für Insekten Amphibien und Vögel.
Wir haben 2 Pärchen Rauchschwalben im Stall nisten.
Hätte gerne das auch Mehlschwalben züchten aber dafür ist das Dach nicht geeignet.
Habe sogar einen lehmteich graben lassen damit sie ihre Nester bauen können.
Schon als Kind beobachte ich die Schwalben beim Nestbau und der Aufzucht ihrer Jungen.
Ein Bekannter Bauer in meiner Umgebung erzählte mir vor kurzem daß die bei ihm kontrollierende Amtstierärztin gesetzlich nahe gelegt hatte er möge aus Hygiene Gründen die Schwalben Nester im Stall entfernen und die Fenster dicht machen.
Da frage ich mich wenn das von oben angeordnet wird wie weit sind wir dann schon?
Da steigt mir die Wut im Bauch hoch.

Würde mich gerne beim Schwalben Schutz beteiligen.
Vielleicht könnte jemand Kontakt mit mir aufnehmen.
Vielen Dank und kein Sommer ohne Schwalben!

  • Antwort von BR_Wissen, Freitag, 25.Mai, 17:06 Uhr

    Hallo Herr Sailer, schauen Sie doch mal: Hier gibt es Tipps vom LBV http://praxistipps.lbv.de/praxistipps/schwalben-gluecksbringer-in-not.html

Sabine Bacher, Sonntag, 29.April 2018, 20:20 Uhr

6. Schwalben

In unserem Pferdestall nisten jedes Jahr rund 15 Schwalben, also ca. 8 Paare. Und im Herbst fliegen sie dann alle weg, noch ehe es nass kalt wird.
Auch wenn sie Schmutz hinterlassen, würde ich niemals etwas dagegen unternehmen. Diese Jahr kamen nur 5 Stück zurück. Natürlich wissen wir nicht, warum so wenige zurück kamen. Aber traurig stimmt mich das alle mal.
Und das die Elstern, wie im vergangenen Jahr beobachtet, auch noch die gesamte 1. Aufzucht vertilgten ist mehr als ärgerlich und für die Entwicklung der Populationen nicht von Vorteil.
Bei uns und den Pferden gibt es eigentlich immer Fliegen etc. und Ich hoffe, dass auch andere sich Gedanken darüber machen, wie wir die Tiere gut "durch den Sommer" bringen.