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Versuchstiere für die Wissenschaft Tierversuche: unverzichtbar oder grausam und unnötig?

2016 wurden mehr als 2,85 Millionen Tiere für Tierversuche eingesetzt und mehr als 665.000 für die Forschung getötet. Während Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Gesellschaft den Nutzen von Tierversuchen verteidigen, protestieren Tierschützer.

Stand: 04.10.2018

Maus als Forschungsobjekt | Bild: picture-alliance/dpa

Äffchen, die am Kopf verkabelt sind, Mäuse, denen etwas gespritzt wird und Ratten in Käfigen – beim Thema Versuchstiere kochen die Emotionen hoch und die Standpunkte scheinen unverrückbar: Für Forscher sind Tierversuche unverzichtbar, die Gegner halten sie für grausam und angesichts neuer Methoden für unnötig.

Aktuelle Zahlen über Versuchstiere in Deutschland

Im Jahr 2016 wurden dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zufolge insgesamt 2.854.586 Tiere für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Damit stieg die Zahl um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Diese Zahl setzt sich zusammen aus 2.189.261 Tieren, die in Tierversuchen verwendet wurden und 665.325 Tieren, die zu wissenschaftlichen Zwecken getötet wurden – zum Beispiel zur Gewinnung von Zellen für Zellkulturen. Über 1,2 Millionen der verwendeten Tiere waren genetisch verändert. Nach BMEL-Angaben stieg damit die Zahl dieser sogenannten transgenen Tiere um drei Prozent zum Vorjahr auf nun 42 Prozent. Dabei waren vor allem transgene Mäuse (86%) und transgene Fische (13%).

2016: Tiere im Labor

Insgesamt ging im Jahr 2016, so das BMEL, der Anteil der Tierversuche für die Grundlagenforschung weiter zurück: von 59 Prozent aller Tierversuche auf 53 Prozent. 14 Prozent dienten der Erforschung von tierischen und menschlichen Erkrankungen. Etwa 26 Prozent der Labortiere wurden zur Herstellung oder Qualitätskontrolle von medizinischen Produkten oder toxikologischen Sicherheitsprüfungen eingesetzt. Weitere sieben Prozent dienten der Fort-und Weiterbildung oder dem Heranziehen genetisch veränderter Tiere.

Bayern senkt eingesetzte Versuchstierzahl 2016

Wie schon im Vorjahr liegt Baden-Württemberg auch 2016 an der Spitze der Bundesländer, was die Anzahl der eingesetzten Versuchstiere angeht. Und auch hier wurden nochmals knapp 19.000 mehr Tiere als im Vorjahr in den Laboren verwandt. Wie im Vorjahr folgen wieder Nordrhein-Westfalen und dann Bayern. Wobei in Bayern fast 40.000 Versuchstiere weniger zum Einsatz kamen.

Versuchstierzahlen 2016 nach Bundesländern

Baden-Württemberg vorn

Der Deutsche Tierschutzbund hat vom Bundeslandwirtschaftsministerium die aktuellen Versuchstierzahlen für 2016 in den einzelnen Bundesländern erhalten. Demnach wurden in Baden-Württemberg – wie schon 2014 und 2015 – die meisten Tiere für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt: mit 480.902 knapp 19.000 Versuchstiere mehr als im Vorjahr. Insgesamt ist die Zahl im Jahr 2016 um 1,9 Prozent auf insgesamt 2.854.586 Tiere gestiegen. Dabei wurden vor allem Nager (79 Prozent) und Fische (12 Prozent) in Tierversuchen verwendet. Aber auch 3.976 Hunde, 2.418 Affen und 766 Katzen kamen zum Einsatz.

NRW vor Bayern

An zweiter Stelle rangiert auch 2016 – wie schon das Jahr zuvor – Nordrhein-Westfalen mit 470.376 Versuchstieren vor Bayern mit 387.316 Tieren. Während in NRW über 38.000 Versuchtiere mehr eingesetzt wurden, waren es in Bayern fast 40.000 weniger als im Vorjahr.
Fast die Hälfte aller zu wissenschaftlichen Zwecken verwendeten Tiere werden in den drei Bundesländern Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern eingesetzt, so der Deutsche Tierschutzbund.

Hessen überholt Niedersachsen

An vierter Stelle der Bundesländer und ihrem Einsatz von Tieren zu wissenschaftlichen Versuchen, liegt Hessen mit 320.184 Versuchstieren 2016 – das sind fast 40.000 Tiere mehr als 2015. Hessen hat den fünften Platz mit Niedersachsen getauscht. Dort wurden 286.267 Versuchstiere verwendet. Das sind rund 52.000 Tiere weniger als 2015.

Hamburg und Berlin bei Pro-Kopf-"Verbrauch" vorn

Danach folgen Berlin mit 255.224 Versuchstieren (knapp 5.000 weniger als 2015) und Hamburg an sieben mit 166.147 Tieren (knapp 14.000 mehr als 2015).
Würde man die eingesetzten Tiere auf die Bevölkerung umrechnen, lägen Hamburg und Berlin im, so der Tierschutzbund, Pro-Kopf-"Verbrauch" vorn.

Schlusslicht ist wieder Bremen

An 8: Rheinland-Pfalz mit 135.676 (2.200 Tiere mehr als 2015); an 9: Sachsen mit 92.731 Tieren (2015: 89.977 Tiere); an 10: Schleswig-Holstein mit 81.263 Tieren (über 25.000 Tiere mehr als 2015!); an 11: Sachsen-Anhalt mit 47.921 Tieren (über 12.000 weniger als 2015; an 12: Thüringen mit 40.207 (etwa 8.000 Tiere mehr als 2015); an 13: Saarland mit 26.625 Tieren (etwa 300 mehr als 2015); an 14: Brandenburg mit 16.071 (knapp 1.000 Tiere mehr als 2015). Schlusslicht ist wie 2015 auch 2016 Bremen mit 3.004 Tieren (2015: 2.756 Tiere).

Tierversuche in Deutschland

Große Zentren mit Versuchstierlabors gibt es neben München auch in Berlin, Düsseldorf, Hannover, Heidelberg, Tübingen und Freiburg – eben überall, wo biomedizinische Forschung stattfindet. Dabei werden an Tieren nicht nur Medikamente ausprobiert, sondern auch Dialysetechniken, Impfungen, Bypass-Operationen und neue Gelenke oder Zahnimplantate. Zudem werden Tieren artfremde Organe eingepflanzt, zum Beispiel einem Affen ein Schweineherz, um zu testen, ob tierische Organe auch für den Menschen tauglich wären.

Zwei neue Tierversuchslabors in München

LMU

An der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) werden im neuen Biomedizinischen Centrum (BMC) für Grundlagenforschung Lehrstühle und bestehende Einrichtungen gebündelt. Das Zentrum wurde am 26. Oktober 2015 offiziell eröffnet.

In den Versuchslabors sind bis zu 9.000 Käfige für rund 50.000 Mäuse und andere Nager geplant. Zudem sind bis zu 1.700 Behältnisse für Fische und Frösche vorgesehen.

TUM

Mit dem Bau des Forschungszentrums für Translationale Onkologie am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München (TranslaTUM) wurde im Oktober 2014 begonnen, am 14. September 2017 wurde es offiziell eingeweiht. Die Forschungsergebnisse sollen dort auf kurzem Weg rasch in die Patientenversorgung einfließen. Finanziert wurde die Einrichtung von Bund und Ländern.

Auf 700 Quadratmetern sollen nach Plan in rund 6.000 Käfigen bis zu 36.000 Mäuse und rund 800 Ratten leben, darunter auch genveränderte Tiere. Diese brächten, so die Erklärung der Universität, gerade bei onkologischen und immunologischen Fragen, Erfolge.

EU-Kommission bemängelt Tierversuche in Deutschland

Im Juli 2018 hat die Europäische Kommission gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren wegen mangelhafter Umsetzung der EU-Versuchstierrichtlinie eingeleitet. Die EU-Kommission kritisiert darin die Umsetzung von mehr als 20 Artikeln sowie Anhängen in deutsches Recht. Die Mängelliste umfasst zum Beispiel die fehlende Sachkunde der Versuchsteilnehmer sowie fehlende Tierärzte und Inspektionen bei Versuchen.

Affe im Tierversuch

Gar nicht umgesetzt sieht die Kommission Vorgaben zur Züchtung von Affen: Versuchs-Primaten sollen möglichst Nachkommen von Tieren sein, die bereits in Gefangenschaft leben. Der Anspruch sei im deutschen Recht nicht formuliert, so die Kommission.

2015 hatte die EU-Kommission ein generelles Verbot für Tierversuche in Europa abgelehnt. Damals hatten 1,17 Millionen Menschen die EU-Bürgerinitiative "Stop Vivisection" unterschrieben. Die Tierversuchsgegner wollten ein vollständiges Verbot von Forschungsarbeiten mit Tieren in der EU erreichen. Die Kommission begründete ihre Entscheidung damit, dass auch das bestehende Gesetz letztendlich das Ziel der Einstellung von Tierversuchen verfolge. "Wir glauben, dass Tierversuche auslaufen sollten", sagte damals die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Kristalina Georgiewa. Ihr Kollege Jyrki Katainen erklärte: "Ein vollständiges Verbot von Forschungsarbeiten mit Tieren in der EU wäre jedoch verfrüht und birgt die Gefahr, dass die biomedizinische Forschung in Länder außerhalb der EU verlagert wird."

Max-Planck-Gesellschaft setzt weiterhin auf Tierversuche mit Affen

Demonstration gegen Tierversuche am 18.12.2016 in Tübingen

Ungeachtet der anhaltenden Kritik an den Zuständen im Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik bestätigte die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in München an Experimenten mit Affen festzuhalten, so MPG-Präsident Martin Stratmann am 14. Juni 2018 in der Wochenzeitung "Die Zeit": "Wir finden Versuche an nicht menschlichen Primaten wichtig. Wir werden uns aus dieser Forschung nicht zurückziehen. Die Voraussetzung ist, dass wir erstklassige Wissenschaftler dafür gewinnen können." Als Grund gab Stratmann an: "An Primaten lassen sich viele Krankheiten erheblich besser simulieren als an Ratten oder Mäusen. Gerade halten neuartige hochpräzise Techniken wie Crispr/Cas9 Einzug in die Wissenschaft."

Wegen Misshandlung von Affen bei Tierversuchen hatte das Amtsgericht Tübingen am 20. Februar 2018 Strafbefehle gegen drei verantwortliche Mitarbeiter der Tübinger Forschungseinrichtung erlassen, unter ihnen auch der Institutsleiter Nikos Logothetis. Alle Beschuldigten erhoben nach Angaben des Gerichts Einspruch gegen die Strafbefehle, mit denen sie zur Zahlung von Geldstrafen aufgefordert wurden.

Am 19. April 2017 hatte eine Sprecherin des Tübinger Instituts mitgeteilt: "Wir bestätigen, dass die Affenversuche endgültig beendet sind und wir keine Affen mehr haben." Künftig wolle das Institut nur noch Nagetiere einsetzen. Damit reagierte die Forschungseinrichtung auf die anhaltende Kritik von Tierschützern. Ein als Pfleger arbeitender Tierschützer hatte die Affenversuche und die Haltung der Tiere im Herbst 2014 heimlich gefilmt. Die Aufnahmen empörten Tierschützer, die zu Demonstrationen und Mahnwachen gegen das Institut aufriefen.

Tierversuche - wofür?

Schönheits- und Pflegemittel, die an Tieren getestet wurden, dürfen seit März 2013 in der EU nicht mehr verkauft werden. Dieses Verkaufsverbot wurde am 21. September 2016 nochmals bekräftigt. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hatte über ein Verfahren in Großbritannien zu entscheiden: Drei Unternehmen hatten Bestandteile von Produkten an Tieren außerhalb der EU getestet, um die Kosmetik in Japan und China zu verkaufen. Daraufhin ging es um die Frage, ob die Waren auch in der EU vertrieben werden dürfen. Der Europäische Gerichtshof hat dies mit seinem Urteil verneint und so dafür gesorgt, dass die Regelung nicht einfach umgangen werden kann.

Gesetzlich vorgeschrieben

Anders sieht es aus, wenn Gebrauchsgüter wie Farben oder Pestizide auf ihre Unbedenklichkeit geprüft werden oder Medikamente für den Markt zugelassen werden sollen: Hier sind Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben, schon allein deshalb kann derzeit nicht komplett auf sie verzichtet werden. Rolf Hömke vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) erläutert, dass er auch im wissenschaftlichen Sinn die Versuche für unumgänglich hält.

"Bestimmte Dinge kann man nur am Gesamtorganismus sehen. Eine Zellkultur hat keinen Blutdruck, eine Zellkultur hat keine Immunsysteme."

Rolf Hömke vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)

Ein Beispiel für aktuelle Forschungsergebnisse, die auf Tierversuche zurückgehen, sind neue Mittel bei der Zuckerkrankheit Diabetes, die auf Beobachtungen an Tieren beruhen. Bei den Tests wurde das Wechselspiel zwischen Darm, Bauchspeicheldrüse, Blut und Appetit überprüft. Dabei müssen viele Organe einbezogen werden und das lässt sich nur am Gesamtorganismus überprüfen, so der Pharmakologe Martin Lohse von der Universität Würzburg.

Versuche an großen Tieren

Welche Tiere?

Die am häufigsten verwendeten Versuchstiere sind Nager und Fische. Doch auch große Versuchstiere sind wichtig für die Wissenschaft: Schafe, Schweine, Rinder, Affen, Katzen, Ziegen oder sogar Alpakas. In Deutschland gab es zum Beispiel im Jahr 2016 knapp 17.500 Schweine im Labor und rund 5.400 Versuchsrinder.

Warum große Tiere?

Nager oder Fische unterscheiden sich in ihrer Anatomie und ihrem Stoffwechsel zum Teil sehr von uns Menschen. Ergebnisse solcher Forschung lassen sich oft nicht auf uns übertragen. Darum greift die Wissenschaft auf große Tiere zurück.

Beispiel Hirnblutung

Hirnoperationen werden zum Beispiel an Schweinen ausprobiert. Forscherinnen und Forscher aus Heidelberg haben bei Versuchen nachweisen können, dass es am besten ist, wenn das Blutgerinnsel bei einer Hirnblutung so schnell wie möglich durch eine Operation entfernt wird.

Beispiel kardiologische Forschung

Ärzte haben an Schafen Operationstechniken entwickelt, bei denen künstliche Herzklappen eingepflanzt werden, sogar solche, die im Laufe des Lebens mitwachsen. Denn die Anatomie des Herzens von Schafen ist der von Menschen sehr ähnlich.

Beispiel Unfallchirurgie

Auch die Unfallchirurgie wäre ohne Schafe nicht so weit, wie sie heute ist. Den blökenden Versuchstieren verdanken wir es, dass es heute selbstverständlich ist, Knochen mit Metallplatten und Schrauben zusammenzuflicken, so die Schweizer Tierärztin und Professorin an der Universität Zürich, Brigitte von Rechenberg. Sie entwickelt neue Behandlungsmethoden für die Orthopädie mithilfe von Schafen.

Beispiel Diabetesforschung

Der Zuckerstoffwechsel von Schweinen ist dem von Menschen relativ ähnlich. Darum forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus München zum Beispiel mit genveränderten Schweinen, um bei ihnen mögliche Medikamente oder neue bildgebende Verfahren zu testen. Darüber hinaus ist das Gehirn von Schweinen ähnlich strukturiert wie unseres.

Beispiel Operationstechniken

An einer Maus auszuprobieren, wie man am besten künstliche Herzklappen einsetzt, ist für die Chirurgie uninteressant. Darum wird das häufig an Schafen ausgetestet, die Anatomie ihrer Herzen ist dem menschlichen Herz ähnlicher. Auch die Methode, Knochen mit Metallplatten und Schrauben zusammenzuflicken, ist anfangs bei Schafen ausprobiert worden. Die Knochen der Schafe sind in ihrer Struktur mit denen von Menschen vergleichbar. Die von Hunden zum Beispiel nicht, die heilen viel schneller ab.

Kritik der Tierschützer

Doch nicht alle Versuche lassen sich durch bessere Übertragbarkeit erklären, kritisieren Tierschützer. Große Tiere seien in der Handhabung oft einfach praktischer, weil nicht alles so klein ist wie bei Mäusen. Das treffe auch auf viele Versuche mit Affen zu.

Hierarchie der Tiere

Stellt sich die Frage: Ist es nun "besser", ethisch vertretbarer, kleine Tiere statt großer in Versuchen zu verwenden? Tierschützer wollen da keine Zwei-Klassen-Gesellschaft aufmachen. Alle Säugetiere können Schmerz empfinden und sind wohl auch fähig, Emotionen auszudrücken. Ethisch umstritten sind Tierversuche weiterhin.

Für die pharmazeutische Forschung

Für die Forschung sei wichtig, so Rolf Hömke vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), dass mit den Tieren gut umgegangen werde, denn: Ungestresste Tiere ergäben aussagefähigere Messergebnisse. Zudem bräuchten die Unternehmen der vfa pro Medikament derzeit weniger Tiere. Dies bestätigt auch Silke Blitz vom Verein "Ärzte gegen Tierversuche".

Trendwende bei Tierversuchen

Erstmals seit über zehn Jahren war 2013 die Zahl der Tierversuche in Deutschland zurückgegangen: 2.997.152 Wirbeltiere wurden 2013 in Tierversuchen für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt. Das waren 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Bundeslandwirtschaftsministerium sprach in diesem Zusammenhang von einer Trendwende. Den Rückgang erklärte Ministeriumssprecher Christian Fronczak im Dezember 2014 damit, dass weniger Tiere für toxikologische Sicherheitsprüfungen gebraucht würden. So kamen für diese Prüfungen vermehrt alternative Verfahren zum Einsatz, bei denen keine Tiere benötigt werden. Auf diese Methoden ohne Versuchstiere hatten viele Gegner der Tierversuche immer wieder hingewiesen. Für sie machen diese Verfahren Labortiere ganz überflüssig.

"Es gibt eine ganze Bandbreite von tierversuchsfreien Forschungsmethoden etwa an Zellen, es gibt ausgeklügelte Computermodelle, da kann man den ganzen Verlauf mit einer Substanz durchspielen und Stoffwechselvorgänge und Nebenwirkungen im menschlichen Körper digital nachahmen."

Silke Bitz, Sprecherin von 'Ärzte gegen Tierversuche'

Künstliche Haut statt Versuchstier

Ein Beispiel für solch eine Methode ist die von der Freien Universität Berlin entwickelte künstliche Haut, die allergisch reagieren kann. Eine weitere mögliche Methode bei Tests zu Lungeninfektionen ist es, statt Labortiere Lungenstücke einzusetzen, die bei Operationen übrig geblieben sind. Um herauszufinden, welche Nebenwirkungen und Heileffekte ein Mittel hat, müsste man die Versuchstiere nicht töten und sezieren. Man könnte sie auch betäuben und per Computertomografie untersuchen.

Multiorgan-Chip gegen Tierversuche

An der TU Berlin entwickelt: der Multiorgan-Chip

An der Technischen Universität Berlin tüfteln Forscher am Nachbau des menschlichen Kreislaufsystems samt innerer Organe – auf einem winzigen Zell-Chip. Es geht ihnen darum, verschiedene gezüchtete Organgewebe über eine Nährlösung miteinander zu verbinden, zum Beispiel Zellen von Leber und Haut. Langfristiges Ziel ist eine Art Mikroorganismus, der aus adulten Stammzellen gewachsen ist und in ein Smartphone passen würde. Für Biomediziner wäre das eine perfekte "Testperson" und auf längere Sicht wohl auch eine preiswertere Alternative zu Tierversuchen.

Sind Mensch und Tier gleich?

Zudem kritisieren "Ärzte gegen Tierversuche" auch, dass Tier-Experimente nicht nur grausam sind, sondern auch gefährlich, weil sie eine "falsche Sicherheit vorgaukeln", so Silke Bitz.

"Im Tier kann man seit Jahrzehnten Krebs heilen – das hat mit der menschlichen Erkrankung einfach nichts zu tun."

Silke Bitz, Sprecherin von 'Ärzte gegen Tierversuche'

Rolf Hömke ist dagegen der Meinung, dass viele Medikamente bei Mensch und Tier identisch wirken würden. Nicht alles sei übertragbar, aber die Tierversuche verbesserten vor klinischen Tests an Menschen deren Schutz.

Wissenschaftler werben mit Information für Akzeptanz

Zehn deutsche Forschungseinrichtungen haben Anfang September 2016 die Internetplattform www.tierversuche-verstehen.de an den Start gebracht.
Mit Artikeln über ihre Arbeit und Berichten aus Laboren, angereichert mit Fakten und Grafiken, wollen die Wissenschaftler die Akzeptanz für Tierversuche in der Forschung erhöhen. Zugleich soll die hitzige Debatte um das Thema versachlicht und die wissenschaftliche Arbeit verständlicher gemacht werden. Daneben bietet die Webseite Materialien speziell für Schüler, Lehrer, Journalisten und Wissenschaftler. Ergänzt wird das Angebot mit einem eigenen Youtube-Kanal.

Mitglieder der Allianz sind: die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), die Helmholtz-Gemeinschaft (HGF), die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die Leibniz-Gemeinschaft (WGL), die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und der Wissenschaftsrat (WR).

  • "Tiere als Ersatzteillager; Tiere im Dienste der Medizin", Notizbuch, Bayern 2, 24.02.2014
  • "Aggressive Anzeigenkampagne - Warum der Streit um Tierversuche eskaliert", IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 25.04.2014, 18.05 Uhr
  • "Wie jetzt? Aus die Maus - Über die Aussagekraft von Tierversuchen", nano, 29.10.2014, BR-Alpha, 15.00 Uhr
  • "Biochip statt Tierversuch", nano, ARD-alpha, 15.30 Uhr 24.04.2015, 16.30 Uhr
  • "Umstrittene Tierversuche - Hausdurchsuchung im Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik (Tübingen)", IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 04.02.2015, 18.05 Uhr
  • "Tierversuche in Tübingen", nano, ARD-alpha, 07.05.2015, 16.30 Uhr
  • "Tierversuche auf dem Prüfstand", Abendschau, BR Fernsehen, 04.10.2016, 18.00 Uhr
  • "Tierversuche: Was bedeutet das Ende der Affenversuche?", IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 26.04.2017, 18.05 Uhr
  • "Große Versuchstiere in der Forschung: Schweinehirne und Schafsknochen", IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 14.10.2014, 18.05 Uhr, 12.04.2016, 18.05 Uhr und radiowissen, Bayern 2, 13.07.2017, 15.05 Uhr




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Kommentare

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Eichinger, Erika, Sonntag, 08.Oktober, 16:38 Uhr

14.

Tierversuche bringen dem Menschen KEINE Heilung durch "Erkenntnisse". Sie sind ganz klar das Abbild der satanischen Bedürfnisse der sogenannten Forscher,denen es um gutes Einkommen, einen bekannten Namen und in der Karriereleiter höher zu steigen, geht. Sie besitzen keinerlei menschliche Emotionen, sondern arbeiten nur mit bösartigster Brutalität an Tierversuchen, deren Ergebnis eben NICHT kompatibel für den Menschen ist.
Das ist aus zahlreichen Versuchen durchaus bekannt. Die gesamte Pharmaindustrie und die Chemische Industrie, für die diese Tests bevorzugt gemacht werden,stellt ja ohnehin keine Heilmittel her, sondern nur chemische Produkte, die mit ihren Wirkungen und Nebenwirkungen wieder andere Leiden u. Krankheiten hervorrufen. Z.B. die Chemo- u. Strahlentherapie zur Behandlung von Krebs heilt nie, sondern zögert das Leiden der Kranken nur unter Schmerzen und Leiden hinaus,so lange, bis die Pharma-Industrie und die Ärzte genug daran verdient haben. Danach stirbt der Patient .

Karola, Samstag, 07.Oktober, 17:12 Uhr

13. Tierschützer desinformiert..

Also wenn man sich in die Materie einarbeitet erfährt man schnell, dass es nunmal viele nötige Versuche gibt die nicht durch Zellkultur ersetzt werden können. Für Medikamente die Menschen helfen. Ich finde das gut.

Petra twardoch, Samstag, 07.Oktober, 11:02 Uhr

12. Tierversuche

Tierversuche sind ein Milliarden-Geschäft und so lange Menschen mit dem Leid der Tiere in irgendeiner Form Geld verdienen, wird dies auch weiter praktiziert.
Mich ekelt vor diesen Empathie losen Menschen!
Es gibt so viele alternative Methoden, deren Ergebnisse weitaus besser auf den Menschen übertragbar sind.

Anna, Montag, 24.April, 14:46 Uhr

11. Tierversuche

Beim menschlichen Leid wird gejammert, Tier Leid kann man für gut heißen und es werden Ausreden gefunden, warum es "nötig" ist. Ich gebe vielen Kommentarschreiber recht, es muß nicht mehr sein. Ausreden dass es für den guten Zweck ist, welcher den? Zum Schluß muß es trotzdem am Menschen "geprüft" werden. Also gibt es keinen Grund Tiere zu quälen!

as, Mittwoch, 06.Mai, 16:47 Uhr

10. Unerträglich

Warum erforschen diese Labors nicht an menschlichen Artgenossen? Ach, Schmerzen, keine Freiwilligen? Warum müssen dann Tiere herhalten, die sich nicht wehren können?
In der Kosmetik kann man ja zum Glück schon ganz gut ausweichen auf Produkte ohne Versuche. Medikamente werden eh zu viele genommen. Und hier stellt sich auch immer raus, dass der Wirkstoff oft gar nicht hilft oder Schäden anderer Art verursacht. Hierzu gibt es heute zahlreiche Literatur, was Medikamente und Wechslewirkungen im Menschen an Schäden anrichten.
Also kann man auch im medizinischen Bereich auf Tierversuche verzichten.