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Fledermäuse Fledermaus gefunden - was nun?

Fledermäuse auf dem Dachboden, ein kleiner Flattermann unterm Schlafzimmer-Vorhang, ein kranker nächtlicher Jäger vor Ihrer Tür: Hier finden Sie Tipps und Tricks zum Umgang mit Fledermäusen.

Stand: 22.08.2018

Fledermaus sitzt auf Hand | Bild: BR

Sie haben plötzlich eine Fledermaus im Haus? Das kann schnell passieren, denn Fledermäuse leben oft in der Nähe des Menschen, auch in unseren Städten. Auch im Schlafzimmer sind die kleinen, scheuen Jäger kein Grund zur Sorge. Wir verraten, was Sie tun müssen.

Fledermaus unterm Vorhang

Fledermaus-Hotline

Hilfe erhalten Sie auch von bayerischen Fledermausbetreuern und über den Fledermaus-Notruf des Landesbund für Vogelschutz. Weitere Infos hier:

Auf dem Weg in ihr Winterquartier halten insbesondere junge, unerfahrene Fledermäuse gekippte Fenster mit Gardinen dahinter für ein erstklassiges Versteck. Sie klammern sich oben an den Falten der Gardinen fest und schlummern dort tagsüber. Stören Sie die Fledermaus am besten nicht im Schlaf und fassen Sie sie nicht an, denn verschreckte Tiere können auch mal zubeißen. Am leichtesten werden Sie sie wieder los, indem Sie das Fenster am Abend offen lassen: Die Fledermaus wird zum nächtlichen Jagen wieder ausfliegen. Danach sollten Sie das Fenster ein paar Tage geschlossen halten, damit nicht ausgerechnet Ihr Schlafzimmer zum Winterquartier erkoren wird.

Bayerische Nachtjäger

Maus oder Fledermaus?

Wer sich nicht sicher ist, ob auf seinem Dachboden Mäuse oder Fledermäuse leben, kann das mit einer einfachen Methode feststellen: Fledermäuse produzieren kleine Kotpellets, die dem Kot von Mäusen ähneln. Fledermauskot lässt sich aber auf der Hand zerreiben, während sich der von Nagetieren kneten lässt.

Fledermäuse als Usprung viraler Erkrankungen

Weltweit sammeln und untersuchen Forscher Proben von Fledermauskot. Der Grund: Viele Viren, deren Ursprung nicht bekannt war, wurden auf Fledermäuse zurückgeführt. Laut einer internationalen Studie unter Leitung des Bonner Virenexperten Christian Drosten übertrugen sich die Erreger von Masern, Mumps und weiteren Krankheiten von den Tieren auf den Menschen. "Fledermäuse leben seit vielen Millionen Jahren auf engstem Raum in Kolonien zusammen", erklärte Drosten. "Das begünstigt die Übertragung von Krankheitserregern und macht sie zu idealen Modellen für die Untersuchung zur Herkunft von Viren."

Im September 2013 haben Forscher aus Bonn und Gießen ein neues Fledermausvirus entdeckt, das eng mit dem Hepatitis-B-Erreger verwandt ist und Leberzellen des Menschen infizieren kann. Die herkömmliche Hepatitis-B-Impfung wirkt gegen dieses Virus nicht, wie die Universität Bonn mitteilte. Entdeckt wurde der Erreger in Blut- und Leberproben einer Gelbohr-Fledermaus, einer in Zentralamerika verbreiteten Fledermausart. Weitere Tests zeigten, dass die weltweit verbreitete Standardimpfung gegen Hepatitis B vor diesem Erreger nicht schützt. "Dieser Befund ist sehr beunruhigend, weil er die Frage aufwirft, ob es mit der herkömmlichen Impfung gelingen kann, Hepatitis B weltweit auszurotten", erklärte der Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn, Christian Drosten.

Handschuhe tragen

Ein Großes Mausohr im Flug

Fassen Sie einen Fledermaus-Findling bitte nur mit Handschuhen an. Fledermäuse sind Wildtiere und empfinden es als Angriff, wenn sie berührt werden. Sie versuchen sich zu verteidigen, und mit ihren spitzen Zähnen gelingt ihnen das normalerweise recht gut. In seltenen Fällen können dabei Krankheiten übertragen werden.

Geduld und ein sicheres Plätzchen

Bringen Sie das Tier an einen sicheren, wettergeschützten Platz. Und haben Sie Geduld: Warten Sie ab, ob die Fledermaus am Abend nicht von alleine wieder abfliegt. Wenn nicht, setzen Sie das Tier in einen kleinen, mit Küchenkrepp ausgelegten Karton und benachrichtigen einen Fachmann für Fledermausschutz.

Einen Schluck zu trinken

Bieten Sie der Fledermaus Wasser an. Das funktioniert am besten, wenn Sie dem Tier einen Wassertropfen auf dem Stiel eines Kaffeelöffels ans Maul halten. Noch besser geht es mit einer Pipette. Bitte achten Sie darauf, dass kein Wasser in die Nasenlöcher gelangt.

Integration von Einheimischen und Zuwanderern

Großer Abendsegler - heißt Wintergäste willkommen

Fledermäuse - einheimische und zugereiste - kennen keine Berührungsängste. Das haben Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin herausgefunden. Einige Fledermausarten wie der Große Abendsegler kommen aus Skandinavien und Osteuropa nach Deutschland. Da alte Baumbestände und mit ihnen große Baumhöhlen schwinden, sind Fledermauskästen umso wichtiger, die bedrohte Art zu erhalten. Die Wissenschaftler wollten wissen, ob nur einheimische Fledermäuse in diesen Kästen nisten oder auch zugeflogene Wintergäste. Nach der Analyse von Fellproben und anhand der Beringung war klar: 70 Prozent der Großen Abendsegler stammen aus der Region, 30 Prozent sind Zuwanderer. Ein positives Beispiel für ein Integrationsprojekt, finden die Forscher.

Tollwut-Gefahr bei Fledermäusen

Deutschland gilt als tollwutfrei, doch das bezieht sich auf die für den Menschen gefährliche Fuchstollwut. Fledermäuse erkranken gelegentlich an einem eigenen Tollwut-Virus, dem "Europäischen Fledermaus-Tollwutvirus". Doch auch diese Erkrankung ist selten: Von 1977 bis 2018 wurden laut dem für Tierkrankheiten zuständigen Friedrich-Löffler-Instut (FLI) in Deutschland 318 mit Tollwut infizierte Fledermäuse gezählt. Im gleichen Zeitraum gab es weltweit fünf humane Todesfälle, die durch einen Biss tollwut-infizierter Fledermäuse verursacht wurden, kein einziger davon ereignete sich in Deutschland.

Vorsicht ist dennoch angebracht: Auch an der Fledermaus-Tollwut kann man sterben. Das ist in Deutschland aber noch nie vorgekommen. Insgesamt sind nur wenige Einzelfälle in Europa bekannt. Sollten Sie gebissen werden: Lassen Sie sich schnellstmöglich impfen! Die gängigen Tollwut-Impfstoffe helfen auch gegen den Fledermausvirus und können auch nachträglich verabreicht werden.

Woran Sie ein tollwütiges Tier erkennen

Tollwütige Fledermäuse befinden sich meist auf dem Boden und zeigen ein auffälliges Verhalten: Sie beißen um sich, attackieren Gegenstände, haben Schluckbeschwerden, sind oft orientierungslos oder zeigen Lähmungen, die sie flugunfähig machen. Wenden Sie sich in diesem Falle unbedingt an die zuständigen Fledermausstellen. Jagende oder schlafende Tiere, herabgefallene Junge oder Fledermaus-Kot sind dagegen ungefährlich.

Aus dem Nest gefallen?

Aus dem Nest gefallene Fledermaus-Babys schreien jämmerlich, das hört man mit dem Fledermausdetektor. Findet man ein solches Junges, setzt man es einfach wieder in sein Quartier. Zuvor kann man es zur Stärkung mit ein paar Tropfen Wasser versorgen, die man ihm am besten vorsichtig auf einem Pinsel anbietet. Denn Fledermausjunge ertrinken schnell.

Ist das "Nest" nicht erreichbar, kann man der Mutter helfen, ihr Junges wiederzufinden. Man benötigt dazu eine Schüssel, damit der Findling nicht entwischt, eine Schachtel als Landeplatz und ein Tuch. Am Abend stellt man die Schachtel in die Schüssel, legt das Tuch darauf und setzt dort das Junge ab. Die Mutter hört die - für uns lautlosen - Schreie des Jungen und fliegt herbei, um das Junge aufzunehmen.

  • Fledermausexperte Andreas Zahn zu Gast bei Magarita Wolf: am 24. März 2017 um 10.05 Uhr in "Habe die Ehre!", BR Heimat
  • Fledermausdorf Martinszell: am 21. September 2016 um 16.15 Uhr in "Wir in Bayern", BR Fernsehen
  • Humamedizinerin rettet Fledermausleben: am 22. August 2011 um 10.05 Uhr im Notizbuch, Bayern 2

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