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Gefahr für Fledermäuse Windräder als Todesfallen

Für die Energiewende wird immer mehr Wald zum Aufstellen von Windrädern genutzt. Doch das gefährdet die Fledermäuse, so eine Studie. Vor allem der Große Abendsegler ist betroffen. Nun gibt es Empfehlungen für fledermausfreundlichere Vorhaben.

Stand: 08.02.2017

Fledermäuse leben je nach Art durchaus unterschiedlich. Doch für alle ist der Wald ein wichtiger Lebensraum, in dem sie ihre Wochenstube, ihr Jagdgebiet oder ihr Winterquartier haben. Seitdem aber immer häufiger auch im Wald Windenergieanlagen gebaut werden, wird das Leben der Fledermäuse in und zwischen den Wipfeln gefährlicher.

250.000 tote Fledermäuse jährlich

Zwei Rauhhautfledermäue jagen an einer Rotbuche

250.000 Fledermäuse sterben in Deutschland jährlich durch Windkraftanlagen, schätzt das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin in seiner Studie von 2016. Gemeinsam mit Kollegen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat das IZW die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Fledermäuse untersucht. Ende 2015 gab es in Deutschland nach Angaben des WindEnergie e.V. insgesamt knapp 26.000 solcher Anlagen. Die Experten rechnen damit, dass die Zahl der Todesopfer durch den Ausbau von Windkraft im Wald noch weiter steigen wird.

Wie kann das Risiko für Fledermäuse vermindert werden?

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat untersucht, wie Fledermäuse den Wald nutzen. Daraus wurden 2017 Empfehlungen zum Schutz der Tiere erstellt, wobei die Eigenheiten der unterschiedlichen Arten von Bedeutung waren: Je nach Art sollen die Rotoren unterschiedlich abgeschalten, der Abstand zwischen Rotoren und Kronendach berücksichtigt und alte Waldbestände mit Totholz geschützt werden.

Flughöhe der Fledermäuse auf Rotorhöhe

Eine mit rotem Markierungslicht ausgerüstete Windkraftanlage

Die Forscher fanden heraus, dass die hohen Windräder vor allem für den Großen Abendsegler eine tödliche Gefahr darstellen. Der Abendsegler ist bei der Jagd über den Baumwipfeln unterwegs und konzentriert seine Echoortung komplett auf die Insektenjagd. "Die Tiere nehmen die Gefahr nicht wahr", so Sandra Balzer, Artenschutzexpertin beim BfN. Die Fledermausart aus der Familie der Glattnasen absolviert ihre Flüge in einer Höhe von 145 Metern über dem Boden – und bis in ähnliche Höhen reichen auch die Rotorblätter vieler Windkraftanlagen, wie der NABU-Fledermausexperte Sebastian Kolberg erklärt.

Kolberg forderte, dass vor dem Bau einer Windkraftanlage sichergestellt wird, dass es in der entsprechenden Umgebung keine Wohnstuben der Flattertiere gibt.

"Wir lehnen Windkraft nicht ab, es ist eine sehr saubere Form der Energieerzeugung, aber bei der Standortwahl muss der Artenschutz noch viel stärker als bisher berücksichtigt werden."

Sebastian Kolberg, NABU-Fledermausexperte

Fledermäuse belauscht

Zwergfledermaus auf einer Hand

Die Forscher des BfN haben einige Fledermausarten und ihre Lebensweise besonders unter die Lupe genommen: die Mops- und Zwergfledermaus sowie den Kleinen Abendsegler. Sie werteten die Aufzeichnungen von Tönen an über 100 Standorten in Bodennähe aus und sie zeichneten an sechs Standorten Töne in Höhen von bis zu 50 Metern auf. Dazu montierten sie Mikrofone an Masten. An den Rufen ließen sich Art und Häufigkeit der Fledermäuse dort ableiten. Mit kleinen Sendern, die sie an einigen Tieren montierten, stellten die Forscher fest, wo die Nachtschwärmer jagten und ihre Quartiere hatten.

So stellten die Wissenschaftler zum Beispiel fest, dass beim großen spätsommerlichen Treffen der Zwergfledermäuse in Schwarmquartieren der Flugverkehr erheblich zunimmt. "In einem solchen Fall müsste man gründlich prüfen, ob der Standort geeignet ist", sagte Ruth Petermann, Fledermaus-Expertin beim BfN. Würde dort eine Windkraftanlage genehmigt, müsste diese deutlich häufiger als in anderen Fällen zeitweise abgeschaltet werden.

Keine Windräder in naturnahen Wäldern und Schutzzonen

Problematisch ist aber nicht nur der Tod von Tieren an den Rotoren. Für jede Anlage wird der Studie zufolge rund ein Hektar Wald und damit Lebensraum etwa der stark gefährdeten Mopsfledermaus vernichtet – auch alte Wälder mit Totholz sind betroffen. In alten Waldbeständen, naturnahen Wäldern und Schutzgebieten sollten gar keine Windräder aufgestellt werden, empfiehlt das Bundesamt.

Wenn Fledermausweibchen Windräder verwechseln

In Bayern gibt es von den Naturschutzbehörden vor dem Aufstellen einer Anlage die Auflage zu sondieren, ob der entsprechende Ort ein Lebensraum von gefährdeten Fledermausarten ist. Doch diese Maßnahme allein schützt die Tiere nicht ausreichend, so der Fledermausfachmann Matthias Hammer. Der Leiter der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Nordbayern betont, dass vor dem Bau einer Windkraftanlage dort oft gar keine Fledermäuse aktiv waren. Beginnt das Windrad seinen Dienst, werden offenbar besonders Weibchen nach der Aufzuchtzeit von ihm angezogen. Dieses Phänomen habe auch die Berliner Studie belegt. Die Forscher nehmen an, dass die Weibchen auf der Suche nach neuen Quartieren sind und die Tiere die Anlagen mit großen abgestorbenen Bäumen verwechseln.

Ein Algorithmus, der Fledermausleben rettet

Deshalb machen auch die Naturschutzbehörden in Bayern spezielle Untersuchungen nach dem Bau von Windkraftanlagen zur Auflage. "Dabei wird zwei Jahre lang auf Gondelhöhe die Fledermaus-Aktivität mittels Ultraschall-Detektor aufgezeichnet", so Andreas Zahn von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern. Mit den entsprechenden Monitoringdaten wird die Anlage anschließend programmiert: In Nächten mit schwachem Wind – bei viel Wind sind Fledermäuse kaum aktiv – in denen mit hoher Wahrscheinlichkeit Fledermäuse heranfliegen, schaltet sie sich dann ab.

Dank dieses sogenannten Abschalt-Algorithmus sollen im Schnitt nur noch maximal zwei Fledermäuse pro Jahr und Anlage zu Schaden kommen. Ob das gelingt, kann kaum prognostiziert werden.

Fledermäuse stoßen direkt mit Rotorblättern zusammen

In einer dreijährigen Studie (2011 bis 2013) hatten Zoologen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) an 70 Windenergieanlagen im Bundesgebiet untersucht, wie viele und wie Fledermäuse zu Opfern durch Kollisionen werden. Dabei ermittelten die Wissenschaftler, wann und wie häufig sich die Fledertiere im Umfeld der Windräder aufhalten. Die Forscher brachten akustische Detektoren im Rotorbereich an, die die Ultraschallrufe vorbeifliegender Fledermäuse aufzeichneten. Die Aufzeichnungen zeigten, dass die Tiere vor allem in der ersten Nachthälfte aktiv sind und umso seltener fliegen, je stärker der Wind ist. Außerdem wurde der Bodenbereich nach verunglückten Tieren abgesucht. Laut der Studie verendeten die Fledermäuse entweder durch den direkten Zusammenprall mit einem Rotorblatt oder durch innere Blutungen, die von plötzlichen starken Luftdruckänderungen hervorgerufen werden können.

  • Geschredderte Fledermäuse - wenn Windräder zur Todesfalle werden: am 8. Februar 2017 um 18.05 Uhr in "IQ - Wissenschaft und Forschung", Bayern 2

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Benny, Mittwoch, 08.Februar, 16:58 Uhr

9. Verhältnismäßigkeit

Besser ein paar tote Fledermäuse als jahrtausendelang strahlender Atommüll, von dem bis heute kein Mensch weiß wohin damit. Und der Straßenverkehr tötet sicherlich jedes Jahr um ein Vielfaches mehr Wildtiere. Und Menschen. Da müsste man zuerst einmal Autos verbieten.

  • Antwort von Peter, Dienstag, 10.April, 16:09 Uhr

    Windrädchen können aber konventionelle Kraftwerke nicht ersetzen - daher ist jedes Schlagopfer völlig unnötig. Auch zum Thema Kernenergie sollten Sie sich mal besser informieren: Mal abgesehen davon das diese Art Energieerzeugung zur Zeit aus ideologischen Gründen nicht gewollt ist, wir brauchen keine Endlager für Millionen von Jahren. Schauen Sie mal nach Russland BN800, es gibt aber auch weitere Konzepte.

Helmut, Mittwoch, 08.Februar, 16:11 Uhr

8. Beitragswiederholung

Den Beitrag gab es vor einigen Monaten schon mal. Daß die Auswirkungen auf Fledermäuse durch technische Maßnahmen minimiert werden können ist erfreulich.
Daß aber immer noch als Überschrift "Windräder als Todesfallen" gewählt wurde, verstehe ich nur unter Wahlkampfaspekten.

Anna, Mittwoch, 08.Februar, 15:09 Uhr

7. Windräder

Das das Problem schon die ganze Zeit besteht und bekannt ist, dass wird nicht gesagt. Wie soll eine Tier,egal welcher Luftsegler,es hin bekommen,genau zwischen die Rotorblätter zu fliegen.Sie können erst ein Hindernis ausmachen,wenn sich das Rotorblatt genau in der Flugbahn ist und dann ist es wieder weg.Es gibt auch Windräder,die sind nicht zugelassen und werden auch nicht gefördert, obwohl sie die gleiche Energie erzeugen, nur viel weniger Platz und auch keine Gefahr für Tiere bestehen. Wird halt nicht gefördert.Hauptsache wir scheiben uns auf die Fahne Nummer 1 in der grünen Energie,die uns Verbraucher zig Steuern kosten,da der Strompreis seit Jahren nicht gestiegen ist, aber immer neue Steuern dazu kommen, was schon eine Frechheit ist. Erst wird geklotzt und dann Nachgedacht. Da kann man hinsehen,wo man will und dass auf Kosten der Umwelt,der Mittelschicht.Strom wird in die EU verschenkt und wir zahlen.Windräder werden auch noch teilweise mit einen Dieselmotor betrieben.Schön Grün

Klardenker, Freitag, 26.August, 10:58 Uhr

6. Gefahr für Fledermäuse - Windräder

Wie viele Wildunfälle und Personenschäden gibt es jährlich im Straßenverkehr? Wenn man das mit Fledermaustod bei Windrädern vergleicht, müssten doch sämtliche Autos verboten oder eine starke Geschwindigkeitsbeschränkung eingeführt werden. Sich dafür einzusetzen da lassen die Naturschutz- bzw. Tierschutzverbände lieber die Finger davon, das würde ja die Spendenbereitschaft gefährden, weil man damit Deutschlands liebstes Prestige-Objekt - das Auto an den Pranger stellen würde. Windräder sind eine tolle saubere Sache, da muss nicht mit zusätzlichen Auflagen von Seiten der Behörden oder Verbände der Bau oder der Betrieb erschwert oder gefährdet werden.

  • Antwort von Maude Counihan, Mittwoch, 28.September, 11:26 Uhr

    Hallo Klardenker.

    Bitte erkundigen Sie sich nach dem Bestandsverlauf der letzten Jahre/Jahrzehnte und nach den Reproduktionsraten von Fledermäusen.
    Probleme sind natürlich nicht allein auf dem Bau von Windenergieanlagen zurückzuführen, aber eine Diskussionen - vor allem bei Windenergieanlagen im Wald - sollten möglich sein.
    Wesentliche Ursachen dürften die gleichen wie bei den Vögeln sein, wie z.B. Habitatverlust oder Nahrungsmangel durch dramatisch sinkende Insektenzahlen. Und so ist jeder Individuenverlust , eben auch durch Windenergieanlagen, ein schmerzlicher. Und vor diesem speziellen und anderen Hintergründen ist die Aussage "Windräder sind eine tolle saubere Sache" einfach zu undifferenziert.

    Gruß Maude

  • Antwort von sympathie träger, Sonntag, 12.Februar, 08:34 Uhr

    wie können windräder , die gerade in bayern oft in wäldern errichtet werden , eine sabere sache sein . sie sind doch nur eine möglichkeit land als gewerbfläche zu nutzen , das sonst nie als solche nutzbar wäre . es muss ja nur der überflüssige wald dafür abgeholzt werde. eigentlich eine der wenigen möglichkeiten co2 aus der luft wieder zu speichern . also wird gleichzeitig der lebensraum und die tierwelt gekillt ! von grunwasserschutz redet hier ja schon lange keiner mehr !
    ich werde die paar fledermäuse auf jedenfall vermissen . ob die insekten die von ihnen vertilgt wurden sie auch vermissen werden wie dann ja sehen !

sympathie träger, Freitag, 26.August, 08:23 Uhr

5.

die energiewende sollte doch der umwelt nützen ! wenn man aber so sieht , was dabei rausgekommen ist , muss man sich doch fragen wer der wirkliche gewinner ist ? doch wieder nur geschäftemacher und geldgierige idioten !
die wende frisst so langsam alle ihre kinder ! man sollte die fledermauskadaver in den biogasanlagen gleich mit zur energiegweinnung nutzen , dann müssten die betreiber nicht soviel mais anbauen . habe übrigens gehört , weil dieses jahr der mais so gut gewachsen ist , nehmen die biogasbetreiber vielerorts das gras das auf den wiesen wächst von einigen landwirten nicht ab . den mais wollen sie schon , der ist ja auch ohne co2 aufwand gewachsen ( bodenbearbeitung , dünger und spritzmittel). das ist gelbter umweltschutz , oder ?