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Fischotter in Bayern Der flinke Geselle ist gefährdet

Wo er auftaucht, ist die Natur noch in Ordnung - oder endlich wieder: Der Fischotter kehrt allmählich nach Bayern zurück. Doch nicht jeder, der den flinken Fischjäger mit der immer feuchten Nase entdeckt, freut sich auch darüber ...

Von: Anne-Kathrin Gebert

Stand: 16.07.2018

Ursprünglich war der Fischotter in ganz Europa, mit Ausnahme der Mittelmeerinseln und Island, weit verbreitet. Doch sein dichter, warmer Pelz und seine Vorliebe für Fische wurden ihm zum Verhängnis. Fischer stellten ihm nach, Trophäenjäger erlegten ihn, Kürschner verarbeiteten sein Fell zu Mänteln und Mützen. Jahrhundertelang wurde er intensiv bejagt.

Im Industriezeitalter kam noch die zunehmende Zerstörung seines Lebensraumes hinzu. Sie besiegelte schließlich das Ende des flinken Fischjägers. Seit den 1980er-Jahren galt der Fischotter in Süddeutschland als ausgestorben.

Ein Hoffnungsschimmer für den Fischotter

Glücklicherweise fand der Fischotter einzelne Rückzugsinseln in Mitteleuropa, vor allem in Tschechien, Böhmen und Österreich. Von dort aus gelang ihm in den vergangenen Jahren die Rückkehr nach Bayern. Heute können wir sagen: Er ist wieder da! Zwar zaghaft noch und in nennenswerter Anzahl bis jetzt nur im Bayerischen Wald, ähnlich wie bei Luchs und Wolf, aber es gibt wieder eine intakte Fischotter-Population in Bayern. Heute gewähren nationale Gesetze, wie das Naturschutzgesetz, oder internationale Abkommen, wie die Berner Konvention oder das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, dem Fischotter den höchsten Schutzstatus. Naturschutzorganisationen setzen sich intensiv für die Tiere ein. Dennoch nimmt die Bestandszahl der Fischotter weiter ab, der flinke Fischer bleibt auf der Roten Liste.

Wichtig für den Fischotter: Lebensraumschaffung - auch in Bayern

Das Wichtigste für den Fischotter: geeigneter Lebensraum

Der Fischotter stellt Ansprüche an seinen Lebensraum: Er braucht sauberes, fischreiches Gewässer mit Versteckmöglichkeiten im dichten Uferbewuchs. Doch wo gibt es das noch in unserer zersiedelten und begradigten Landschaft? Im Inneren des Bayerischen Waldes hat der Otter wieder brauchbare Reviere gefunden. Hier hat die Wildland Stiftung Bayern mithilfe öffentlicher Fördergelder von 1989 bis 2010 gut hundert Hektar Flächen und Uferrandstreifen aufgekauft, um sie ottergerecht zu gestalten. Fichten, die mit ihren sauren Nadeln die Wasserqualität beeinträchtigen, wurden abgeholzt und durch Auwaldpflanzungen ersetzt. Der hohe Nährstoffeintrag angrenzender Felder wurde durch einen Pufferstreifen zum Gewässer gemindert. Und das Ufer erhielt die Bepflanzung, die der Fischotter als Unterschlupf benötigt.

Fischotterschutz ist Naturschutz

Da der Fischotter hohe Ansprüche an seinen Lebensraum stellt, gilt er als "Leitart": Wo der schwimmende Jäger lebt, gilt die Natur als ökologisch intakt - ideale Bedingungen also auch für andere seltene Tier- und Pflanzenarten. Von den naturnahen Auenlandschaften profitiert also längst nicht nur der Otter.

Der größte Feind des Fischotters: das Auto

Der Fischotter ist ein wanderfreudiges Tier, in einer Nacht legt er bis zu 30 Kilometer zurück. Er streift auf der Nahrungssuche gerne von einem Gewässer zum nächsten. Dabei muss er zwangsläufig häufig Straßen überqueren - und kommt oft genug nicht auf der anderen Seite an: Der Unfalltod ist die häufigste Todesursache beim Fischotter, ähnlich wie beim Luchs. Noch eine weitere Eigenart des Otters wird ihm oft zum Verhängnis: Trifft er auf seinen Wanderungen entlang der Bäche auf eine Brücke, geht er nur unter ihr hindurch, wenn das trockenen Fußes möglich ist. Dazu müssen entsprechend große Steine oder Seitenplanken als Trittpfad vorhanden sein. Andernfalls weicht er auf die Straße aus - und ist wieder dem Verkehr ausgesetzt.

Gemeinsames Konfliktmanagement mit Fischotterberater

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Ein Tier, das sich bevorzugt von Fischen ernährt, kommt zwangsläufig in Konflikt mit dem Menschen. Da mag es noch so niedlich aussehen - wenn es in einen Fischteich steigt, hört der Spaß auf. Teichbesitzer sind nicht gut auf Otter zu sprechen, ebenso wenig Grundstückseigner an Fließgewässern, die ihren Grund an Angler verpachten möchten.

In Bayern richtete der streng geschützte Fischotter vor allem in Niederbayern und der Oberpfalz in den Teichen der tausenden, meist kleinen Forellenbetriebe schweren Schaden an. Seit 2013 gibt es daher in Bayern einen Fischottermanagementplan, ausgestattet mit Personal- und Finanzmitteln. Damit sollen die Interessen der Fischerei und des Naturschutzes gleichermaßen berücksichtigt werden. Wichtiger Baustein dieses Plans ist der Fischotterberater. "Er soll in den besonders betroffenen Regionen aktiv mithelfen, die mittlerweile immensen Schäden zu verringern", betonte der ehemalige bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Inzwischen gibt es einen Fischotterberater für Niederbayern und zwei für die Oberpfalz.

Bau von Zäunen und Entschädigungsfond

Auch die Stiftung Wildland Bayern versucht zu vermitteln. Gemeinsam mit Naturschutzbehörden, Ministerien und Fischereiverbänden sucht man nach Lösungen, um den Fischotter von Fischteichen fernzuhalten. Ein erster Schritt ist getan: Wer zum Schutz vor dem Fischotter einen Zaun um seinen Fischteich baut, kann dafür eine Förderung beim zuständigen Landratsamt oder bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft beantragen.

Bleibt zu hoffen, dass sich das ökologische Bewusstsein in der Bevölkerung und die Bemühungen um den Naturschutz weiterhin positiv entwickeln und der Fischotter es schafft, wieder richtig bei uns heimisch zu werden. Nach Angaben von Kai Frobel, Artenschutzreferent beim Bund Naturschutz in Bayern, gibt es gerade einmal 100 bis 200 Fischotter in Bayern - aber genau weiß das niemand.

Chronologie der Fischotter-Hilfe:

  • Anfang der 1980er-Jahre: Der Fischotter gilt in Bayern als ausgestorben.
  • Mitte der 1980er-Jahre: Es gibt erste Nachweise des Fischotters im Bayerischen Wald.
  • 1986: Gründung der "Arbeitsgemeinschaft Fischotterschutz" (unter Beteiligung der Wildland Gesellschaft, Kreisgruppen des Landesjagdverbandes Bayern, örtliche Fischereivereine, Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz, Naturpark Bayerischer Wald)
  • 1987: "Artenhilfsprogramm Fischotterschutz" durch die Regierung von Niederbayern gestartet
  • 1989: Erster Flächenankauf im Bayerischen Wald durch die Wildland Gesellschaft
  • 1996: erste stabile Fischotter-Population im Bayerischen Wald, Schwerpunkt Landkreis Freyung-Grafenau
  • 2013: Fischottermanagementplan in Bayern mit Einsatz von Fischotterberatern in Niederbayern und der Oberpfalz

Ausflugstipp 1 für Otterfreunde

Das "Otterhaus Bayern" der Wildland Stiftung Bayern präsentiert eine Dauerausstellung rund um den Fischotter

Ausflugstipp 2 für Otterfreunde

Im Tierfreigelände des Nationalparks Bayerischer Wald kann man Fischotter in ihrer natürlichen Umgebung beobachten.

  • "Der Fischotter - Flinker Marder mit Schwimmhäuten": am 13. Juli 2018 um 9.05 Uhr in "radioWissen", Bayern 2
  • Reportage: Fischotter bedroht oberfränkische Teichwirtschaft: am 6. November 2017 um 17.30 Uhr in "Frankenschau aktuell", BR Fernsehen
  • "Fischotter: Der flinke Geselle ist gefährdet": am 30. Mai 2017 um 17.30 Uhr in der "Abendschau", BR Fernsehen
  • "Liebling oder Schädling? Unterwegs mit dem Fischotterberater": am 12. März 2017 um 17.45 Uhr in "Schwaben & Altbayern", BR Fernsehen
  • "Fischotter - kluge Schwimmer": am 10. Juli 2016 um 14.45 Uhr in "Welt der Tiere", BR Fernsehen
  • "Habe die Ehre - Fischotter-Berater Martin Maschke ": am 21. April 2016 um 10.05 Uhr in "Habe die Ehre!", BR Heimat

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