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Tiefkühlfisch Fischdetektive decken "falsche" Speisefische auf

Schüler aus ganz Deutschland haben als Fischdetektive genetische Flossenabdrücke von Speisefischen gesammelt. Mit ihren Daten klärt das Geomar-Institut in Kiel, ob die Angaben auf tiefgekühltem Fisch wirklich stimmen.

Stand: 27.11.2017

Wissenschaftsjahr 2016/17: Fischdetektive, eine Citizen Science-Aktion zu genetischen Flossenabdrücken von Speisefischen | Bild: GEOMAR/S. Kaehlert

Kann ein Verbraucher sicher sein, dass der gekaufte tiefgekühlte Fisch auch korrekt bezeichnet ist? Ist der Kabeljau ein Kabeljau? Und woher stammt der Fisch überhaupt? Um herauszufinden, ob beim tiefgekühlten Speisefisch gemogelt wird, haben Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland sich am Citizen Science-Projekt #fischdetektive für das Wissenschaftsjahr 2016/17 "Meere und Ozeane" beteiligt.

Schüler als Fischdetektive

#fischdetektive

Hier geht es zur Webseite der Fischdetektive mit Infos zum nachhaltigen Fischkonsum und zum Forschungsprojekt, für das sich 317 Einzelpersonen und 20 Gruppen registrierten. Die Teilnehmer schickten insgesamt 647 Proben ein, von denen 550 zu Meeresfischen aus dem Wildfang gehörten. Weitere Infos und Ergebnisse:

Die Zehn- bis 16-Jährigen haben im Juli 2017 drei Wochen lang an der "#fischdetektive challenge" teilgenommen. Sie kauften unverarbeitete, tiefgekühlte Fischfilets und entnahmen diesen unter wissenschaftlicher Anleitung Proben. Auf diese Weise wurden insgesamt 647 Fischgewebeproben gewonnen, die sie mit allen notwendigen Angaben an das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel schickten. Dort wurden die Proben anhand von eindeutig identifizierbaren DNA-Sequenzen der entsprechenden Fischart zugeordnet. Bei 179 Proben war das nicht möglich. Bei den anderen 468 Proben funktionierte dieses sogenannte genetische oder DNA-Barcoding.

"Aus den Proben konnten wir in fast drei Viertel der Fälle einen genetischen Barcode, also eine Art genetischen 'Flossenabdruck' gewinnen und so die Identität der Fische überprüfen."

Anna Bockelmann, Projektkoordinatorin am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Repräsentative Daten von Tiefkühlfisch

Auf diese Weise entstand auf Basis der gesammelten Daten die bisher umfangreichste Studie zur Etikettierung von Fischprodukten auf dem deutschen Markt, resümiert Projektleiterin Anna Bockelmann. Denn die Daten stammen aus ganz Deutschland, "sodass uns sehr repräsentative Ergebnisse vorliegen", so Bockelmann weiter.

Wenig Fehletikettierungen bei Fischen

Die gute Nachricht: Beim größten Teil der analysierten Fischproben stimmte der genetische Barcode mit der angegebenen Fischart überein. Nur bei fünf Prozent der Fische, also 27 Proben, war die Etikettierung falsch. "Unter diesen waren neun Fische, bei denen man eine absichtsvolle Fehletikettierung annehmen kann", heißt es in der Presseinformation. Anstelle des teureren Fisches war in sechs Fällen ein preiswerterer verkauft worden. Bei drei weiteren Proben wurden atlantische durch pazifische Arten ersetzt, so das Ergebnis.

Am häufigsten wurden Alaska Seelachs, gefolgt von Seelachs und Kabeljau beziehungsweise Dorsch untersucht. Neben diesen in Deutschland sehr beliebten Fischarten analysierte das Geomar auch Proben von 37 weiteren Arten, darunter auch den Japanischen Aal und den Petersfisch. Die meisten beprobten Fische seien mit Schleppnetzen im Nordostatlantik gefangen worden und wurden als tiefgefrorenes Filet im Supermarkt gekauft.

Fischdosen-Inhalt und Herkunft der Fische als nächstes Ziel

Der Leiter der Studie, Thorsten Reusch, würde das Projekt gerne auch auf Sushi, Plattfischfilets oder verarbeiteten Fisch wie in Fischdosen ausweiten. Für diese Produkte gibt es schon Untersuchungen in anderen europäischen Ländern, die deutlich mehr Fehletikettierungen aufzuweisen hatten. Außerdem wünscht sich der Studienleiter eine Verfeinerung der analytschen Methode, um die genaue Herkunft der Speisefische bestimmen zu können.

"Denn nur so lässt sich abschließend beurteilen, ob der Fisch auf unserem Tisch aus einem nicht bedrohten Bestand kommt."

Thorsten Reusch, Leiter der Studie, Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

  • "Science Slam im Wissenschaftsjahr: Meer, Sand und Bakterienpups": alpha-Campus Slam, ARD-alpha, 14.11.2017, um 19.00 Uhr; 15.11.2017, um 9.30 Uhr und 18.11.2017 um 15.00 Uhr

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Nadine, Mittwoch, 29.November, 07:22 Uhr

1. Donald Trump

würde wohl nun sagen: "Fischdetektive decken alternative (falsche) Speisefische (Fakten) auf." Na, da bin ja mal gespannt, was da noch so alles auf den Teller schwimmt. In Bayern bestimmt noch Pferdefleisch-Fisch. (Stichwort: Etikettenschwindel)