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Fisch- und Meeresschutz Laute Kritik an Standards des Fisch-Gütesiegel MSC

Mehr als 60 Umwelt- und Meeresschutz-Organisationen sowie Wissenschaftler kritisieren in einem offenen Brief das Fisch-Gütesiegel MSC, das besonders mit Nachhaltigkeit wirbt. Sie fordern strengere Regeln und umgehende Nachbesserungen der Standards.

Stand: 25.01.2018

Lebensmittelsiegel und -label und was sie bedeuten: MSC-Logo für Fischlebensmittel | Bild: picture-alliance/dpa

Das Fisch-Gütesiegel Marine Stewardship Council, kurz MSC, gibt es seit 1997 und hat sich beim Verbraucher als das Gütesiegel für Nachhaltigkeit beim Wildfisch durchgesetzt. Dabei ist das Gütesiegel schon länger in der Kritik. Nun haben 66 Umwelt- und Meeresschutzorganisationen sowie Wissenschaftler und Einzelpersonen einen offenen Brief an das MSC veröffentlicht. Darin äußeren sie ihre "erheblichen und wachsenden Bedenken" am Zertifizierungsverfahren der Fischereien. Die Unterzeichner fordern die Organisatoren auf, den derzeitigen Prozess und die Standards des Fischgüte-Siegels für nachhaltige Fischerei zügig zu überarbeiten.

Alles andere als nachhaltig

So habe der MSC in den vergangenen Jahren zum Beispiel Fischereien als nachhaltig eingestuft oder erneut zertifiziert, obwohl diese Tausende von gefährdeten und bedrohten Fischen fingen. Zudem würden die Fischereien routinemäßig übermäßig große Mengen an Beifang produzieren, der als Müll entsorgt werde, verletzliche Habitate am Seegrund zerstören, weiterhin überfischte Fischarten fangen sowie nicht zertifizierte Fischfang-Methoden einsetzen.

In die Irre geführt: der Fisch-Konsument

Der Konsument werde durch das Gütesiegel in die Irre geführt, so die Unterzeichner, zu denen unter anderem die deutsche Meeresstiftung, die Gesellschaft zur Rettung der Delphine, Greenpeace, Pro Wildlife Deutschland oder auch Sharkproject Deutschland zählen. Im offenen Brief wird der MSC aufgerufen, bis zum 12. Februar 2018 mit Vorschlägen zu reagieren.

Überarbeitung der MSC-Standards geplant

Eine Sprecherin des MSC erklärte, man versuche "allen objektiven Einwänden" der bei dem Thema involvierten Gruppen gerecht zu werden. Die nächste Überarbeitung des MSC-Standards sei für 2018/2019 geplant. Im Regelwerk für die Zertifizierung ist eigentlich vorgeschrieben, dass Unternehmen nur so viele Fische fangen dürfen, dass die Bestände aufrecht erhalten bleiben, dass sie keine irreversiblen Schäden im Ökosystem hinterlassen dürfen und "vorbildlich" geführt sein müssen. Die gemeinnützige Organisation bezeichnet ihr Siegel als das weltweit am meisten verbreitete für nachhaltig gefangenen Fisch.

"MSC am Wendepunkt"

Auch der WWF Deutschland unterstützt die Forderungen des offenen Briefes und teilte mit, dass der MSC "an einem Wendepunkt" stehe und sicherstellen müsse, "dass sein Wachstum nicht zu Lasten der Qualität geht". Heike Vesper, Leiterin Meeresschutz beim WWF Deutschland, erklärte, dass ihre Organisation den MSC aufgefordert habe, "für finanzielle Unabhängigkeit der zertifizierenden Betriebe von den Fischereien zu sorgen und im MSC-Standard strengere Regeln zur Vermeidung von Beifang und für die Fischerei mit Grundschleppnetzen einzuführen".  Im vergangenen Jahr habe der WWF einige Zertifizierungen kritisiert, "weil die zertifizierten Fischereien unsere Ansprüche an Umweltverträglichkeit nicht erfüllen". Der WWF initiierte 1997 gemeinsam mit dem Lebensmittelkonzern Unilever die Gründung des MSC als unabhängige, gemeinnützige und nichtstaatliche Organisation.

Kritik an MSC-Standards

Kritik an den Standards des Nachhaltigkeits-Siegels für Fischfang gibt es schon seit Längerem. Rainer Froese, Meeresbiologe am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, hat 2013 und 2016 Untersuchungen zur Arbeit des MSC gemacht. In beiden habe sich gezeigt, dass "etwa ein Drittel der MSC-zertifizierten Bestände nicht in Ordnung sind. Entweder sie sind zu klein oder sie werden zu hart befischt," so Froese in einem Interview in Bayern 2 am 11. Dezember 2017. Er kritisierte ebenfalls, dass viele Bestände überfischt werden und nicht entsprechend nachwachsen können. Die Regeln des MRC ließen aber eine solche Überfischung zu.


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Kommentare

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Francesco, Samstag, 27.Januar, 10:33 Uhr

6. Wenn dann mal auch die Letzten...

kapiert haben, dass Qualität seinen Preis hat und vor allem sich auch Qualität leisten bzw. dafür bezahlen, wird sich das Problem langsam von alleine lösen. Aber da sind wir noch lange nicht. Qualitäts-Olivenöl, -Wein, -Fisch, Brot, etc. gibt's nun mal nicht zum Schnäppchen- / Aldi-Preis. Man muss nur mal kurz betriebswirtschaftlich nachdenken, welcher Aufwand / Investition (Anbau, Produktion, etc.) erforderlich ist. Allerdings gibt es mittlerweile auch in dieser Liga schwarze Schafe. Der beste Produzent ist der, den ich persönlich kenne.

biofischzucht, Freitag, 26.Januar, 16:43 Uhr

5. Verbraucher sollten stärker Bio Fischzüchter aus Deutschland fördern

Als Verbraucher kaufe ich schon seit Jahren verstärkt Forellen, Saiblinge, Karpfen, Wildlachs, Zander, usw. von Bio Fischzuchten aus Deutschland.

Salzwasserfische aus dem Meer kaufe ich nicht mehr. Zumal in der Nord- und Ostsee Kriegsmüll aus zwei Weltkriegen immer noch nicht beseitigt ist und tausende Schiffe jeden Tag dort fahren. Dazu kommt die Ölverklappung von Schiffen in Nordsee und Ostsee über die in Medien gelegentlich berichtet wird.

Bundeswehr und Bundespolizei sind doch im Meerschutz und Küstenschutz überfordert.

  • Antwort von Angler, Samstag, 27.Januar, 08:29 Uhr

    Wissen Sie, wie Biofisch aus Deutschland produziert wird? Forellen und Saiblinge werden mit Futter gemästet, das aus Fischmehl besteht. Zu diesem Fischmehl wird Beifang und Überschüsse aus der Meeresfischerei und bestimmte Fischarten (Anchovis) verarbeitet. Dabei werden dann aus 2 - 3 kg Meeresfisch 1 kg Forelle.

    Besonders schlimm ist die Lachszucht. Da werden Genmanipulierte Tiere eingesetzt und in die Freiheit entkommene Tiere gefährden massiv die Wildlachsbestände. In Norwegen gibt es in manchen Flußsystemen kaum noch genetisch reine Wildlachse.

    Wirklich mit einigermaßen gutem Gewissen kann man eigentlich nur Friedfische wie Karpfen oder Schleien aus Fischteichen essen.

Woidtruderinger, Freitag, 26.Januar, 12:56 Uhr

4. "Frischfisch"

"Frischfisch"
-aufgetaut-
auf den Tisch.

Squareman, Freitag, 26.Januar, 08:25 Uhr

3. Gutes Gewissen

Diese Labels sind doch nur dazu da damit der Verbraucher ein gutes Gewissen hat. Es gibt inzwischen eine Unzahl von Labels und jedes Jahr kommt mindestens ein Dutzend neuer Labels hinzu. Dia Anforderungen dürfen nicht zu hoch sein, denn das kostet nur Geld.

Bürger, Freitag, 26.Januar, 08:22 Uhr

2. Nur noch Vergageierung der Bürger

Man wird nur noch hintergangen. Auf diese ganzen Siegel ist gelinde gesagt, gepfiffen.
Eier aus aller Welt werden in D verpackt und das legitimiert als Herkunftsland Deutschland anzugeben. Auf unsere, auf Verbraucherbetrug ausgelegten Gesetze, gebe ich gar nichts mehr.
Mit Fisch läuft das Geschäft wie mit Fleisch, Masse statt Klasse. Allein schon, wenn man bedenkt, was weltweit täglich an Fleisch und Fisch weggeworfen wird. Das kann die Natur gar nicht hervorbringen.