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Fischstäbchen Wie Alaska-Seelachs zum Stäbchen wird

Im Jahr 2017 verschwanden 27 Fischstäbchen pro Kopf in deutschen Mündern. In der Praxis verzerren natürlich Kinder die Statistik. Insgesamt wurden 2,15 Milliarden Stück gegessen. Das sind 64.529 Tonnen. In den Fischstäbchen steckt meist Alaska-Seelachs.

Stand: 29.06.2018 | Archiv

Bei der Produktion von Fischstäbchen werden zigtausend Tonnen Alaska-Seelachs verarbeitet. Und der wird nicht immer ökologisch nachhaltig gefangen. | Bild: picture-alliance/dpa

Auch dank Fischstäbchen und Schlemmerfilets ist der am meisten verzehrte Fisch in Deutschland seit mehreren Jahren der Alaska-Seelachs – auch Alaska-Pollack oder Pazifischer Pollack genannt. Eigentlich gehört der Fisch gar nicht zu den Lachsen, sondern zu den Dorschen und ist mit dem Kabeljau verwandt. Gefangen wird er auch nur zum Teil in Alaska. Der andere Teil stammt aus russischen Fanggebieten im Ochotskischen Meer. Im Jahr 2016 wurden 133.362 Tonnen gefrorene Alaska-Seelachs-Filets aus China und den USA nach Deutschland importiert. Das geht aus dem Jahresbericht der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hervor.

Die Filets dieses Weißfisches sind die Grundlage für fast alle Fischstäbchen und Schlemmerfilets, die bei uns auf dem Teller landen. Und das passiert immer öfter, denn der Verbrauch von Fischstäbchen steigt: 2003 wurden 19 Stück pro Kopf verzehrt, 2017 waren es 27.

Der Newcomer wird Fisch Nummer 1

Dabei hat der Alaska-Seelachs erst eine verhältnismäßig kurze Karriere als Speisefisch: 1984 wurde er erstmals im großen Stil gefangen. Dank seines damals großen Bestands wurde der Alaska-Seelachs als Ersatz für den stark dezimierten Kabeljau genommen, der bis dahin auch für Fischstäbchen und ähnliches verwendet wurde.

Alaska-Seelachs

Namen

Alaska-Seelachs

Der Name Alaska- Seelachs täuscht, denn der Schwarmfisch zählt zu den dorschartigen Fischen und nicht zu den lachsartigen. Verwandt ist er mit dem Kabeljau. Der Theragra chalcogramma wird auch als Alaska-Pollack oder Pazifischer Pollack bezeichnet. Sein Name bezieht sich auch auf seinen Lebensraum: Er kommt in den Randgebieten des nördlichen Pazifiks von Japan und Mittelkalifornien bis in das Beringmeer und den Golf von Alaska vor.

Lebensform

Der Alaska-Seelachs lebt in Bodennähe zwischen 30 und 400 Metern, maximal bis 1.000 Meter Wassertiefe. Der Schwarmfisch ernährt sich von Bodentieren, Krill und anderen Fischen wie Sandaalen, Heringen und kleinen Lachsen. Täglich wandert der Schwarm zum Fressen vom Boden an die Wasseroberfläche.
Geschlechtsreif wird er mit drei bis vier Jahren. Weibchen können pro Jahr bis zu zwei Millionen Eier legen. Der Alaska-Seelachs wird durchschnittlich rund 80 Zentimeter lang und kann bis zu 15 Jahre alt werden.

Fang und Bestand

Gefangen wird der Alaska-Seelachs mit pelagischen Netzen, also mit Schleppnetzen auf offener See. Alaska-Seelachs wird nicht von der deutschen Fischerei befischt. Meist wird er direkt nach dem Fang auf den Schiffen verarbeitet. Als Filet, aber auch als ausgenommener Fisch, wird er tiefgefroren und nach der Anlandung weiter verarbeitet.
Mit einer Jahresfangmenge von ca. 3,5 Millionen Tonnen weltweit gehört er zu den meist gefangenen Fischarten. Sein Bestand gilt laut IUCN derzeit nicht als gefährdet. Allerdings ist sein noch vor einigen Jahren gewaltiger Bestand von neun bis zwölf Millionen Tonnen mittlerweile zurückgegangen. Das hängt mit der starken Dezimierung des Kabeljaubestands zusammen. Statt seines Verwandten wird Alaska-Seelachs heute für die Produktion von Fischstäbchen und Schlemmerfilets verwendet.

Verwendung

In Europa und Nordamerika werden die Alaska-Seelachs-Filets oft in Teighülle oder Panade angeboten. Der Weißfisch ist Hauptbestandteil von Fischstäbchen, Schlemmerfilets und anderen Tiefkühlfertigprodukten. Der knallrote Lachsersatz im Glas besteht meist auch aus Alaska-Seelachs. Genauso wie Surimi, das in Sushi verwendet wird. Surimi ist eine aus Fisch hergestellte Eiweißmasse, die durch Zusatzstoffe verfestigt und gewürzt wird. Entsprechend geformt wird die Masse zum Beispiel als Krebsfleischimitat verkauft.

(Quellen: Fischinformationszentrum Hamburg, WWF, Johann-Heinrich von Thünen-Institut, Deutsche See)

Kaufen oder nicht?

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace rät vom Verzehr von Alaska-Seelachs strikt ab, gerade weil er eine der Fischarten ist, die wirtschaftlich am meisten genutzt werden. Denn die Populationen des Alaska-Seelachs seien nicht sehr widerstandsfähig. Es brauche bis zu 14 Jahre, um den Bestand zu verdoppeln. Der WWF rät nicht generell ab, empfiehlt jedoch MSC-zertifizierte Fänge. Die Bestände seien meist gesund und nachhaltig befischt, jedoch variieren die Bestandsgrößen stark.

Gesetzliche Vorgaben

Was sich offiziell Fischstäbchen nennen darf, bestimmt in Deutschland das Bundesministerium für Ernährung, Lebensmittel und Verbaucherschutz (LFGB) in den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches. Darin ist vorgeschrieben, dass ein Fischstäbchen zu mindestens 65 Prozent aus Fisch bestehen muss, der Rest ist Panade. Auch der Fischfiletanteil ist vorgeschrieben.

"Fischstäbchen: panierte Fischportionen länglicher Form, in der Regel vorgebraten, aus Blöcken von praktisch grätenfreien Fischfilets (auch in Streifen geschnitten und/oder mit bis zu 25 Prozent zerkleinertem Fischfleisch), bei denen das Gewicht des einzelnen panierten Fischstäbchens in der Regel 30 g beträgt."

'Deutsches Lebensmittelbuch; Leitsätze für Fische, Krebs- und Weichtiere und Erzeugnisse daraus', (Stand August 2011)


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