Wissen


10

Stahl der Steinzeit Feuerstein - Früher Rohstoff der Zivilisation

Fred und Wilma Feuerstein lassen in der TV-Serie die Funken sprühen: Feuerstein diente aber nicht nur zum Feuermachen, er war auch der Stahl der Steinzeit, aus dem Waffen und Werkzeuge gemacht wurden.

Von: Bernd-Uwe Gutknecht

Stand: 04.10.2018

Verschiedene Feuersteine bzw. Hornsteine liegen auf einer Hand. Sie sind spitz gearbeitet, um als Werkzeuge und Waffen zu dienen.  | Bild: picture-alliance/dpa/Bernd Wüstenek

Feuerstein war der Vorläufer der Streichhölzer. Der Stein wird an einem Stück Eisen gerieben und sprüht Funken. Damit lässt sich ein Feuer entfachen.

Feuerstein entstand in der Jurazeit

Meistens liegt Feuerstein in Form von Knollen mit Durchmessern von bis zu 30 Zentimetern in Sedimentablagerungen im Boden. Vorkommen gibt es beispielsweise im Altmühltal, wo man nach wie vor Feuerstein-Brocken auf dem Waldboden einsammeln kann. Auch in Küstennähe und auf Inseln stößt man oft auf Feuerstein, zum Beispiel auf Helgoland oder Rügen. Wenn durch Wind und Salzwasser die darüber liegenden Gesteinsschichten verwittern, treten Feuerstein-Brocken zutage.

Farbige Feuersteine

"Feuerstein kann bunt sein: von weiß bis grau und sogar schwarz, manche sind bräunlich und leicht rötlich. Das sind meistens irgendwelche Verunreinigungen, die in diesem Gestein stecken, das können organische Verbindungen oder Eisenoxide sein."

Ingolf Stodian, Geologe im Nationalpark Jasmund

Das Altmühltal ist reich an Feuerstein

Feuerstein hat sich im Altmühltal im jurazeitlichen Meer abgelagert. Im Archäologie-Museum in Kelheim sind die Vitrinen gut gefüllt mit allen möglichen Fundstücken aus heimischem Feuerstein. Die Gegend um Kelheim war eine steinzeitliche Werkzeug- und Waffenschmiede. Es finden sich dort die typischen Faustkeile, aber auch Weiterentwicklungen wie Sägen, Bohrer oder Schaber zur Bearbeitung von Holz, Stein, Tierhäuten, also Leder, und Knochen.

Steinzeitmenschen nutzten Feuerstein für viele Anwendungen

"Das meiste, was man aus der Steinzeit noch findet, sind Stein-Artefakte. Und darunter ist ein sehr hoher Anteil an Feuersteinen, einfach weil er sich sehr schön bearbeiten lässt im Vergleich zu anderen Materialien. Deshalb ist es ein sehr beliebtes Rohmaterial gewesen ist, um Werkzeuge herzustellen."

Bernd Sorcan, Direktor des Kelheimer Archäologie Museums

Feuerstein-Waffen wurden immer raffinierter

Je moderner die Feuerstein-Waffen sind, umso feiner sind sie. Zum einen, weil die Bearbeitung über die Jahrtausende raffinierter wurde, zum anderen, weil die zu jagenden Tiere sich im Laufe der Jahrtausende geändert haben:

Feuerstein kann in sämtliche Formen verarbeitet werden.

"Diese kleinen Spitzchen, sogenannte Mikrolithen, sind der Umwelt geschuldet. Zuvor hat der Mensch während der Eiszeit Jagd auf die großen Tiere gemacht wie Mammut oder Wollnashorn. Mit Ende der Eiszeit sind diese aber ausgestorben. Nach dem Klimawandel mussten sich die Menschen an die neue Umwelt anpassen."

Bernd Sorcan vom Archäologie Museum Kelheim

Ötzi nutzte Feuerstein für seine Pfeile

Nach der Eiszeit galt es, Hasen oder Rehe zu erlegen, was mit der althergebrachten Wurflanze nicht mehr funktionierte. Es entstand eine neue Waffe: Pfeil und Bogen. Feuerstein wird auch Hornstein genannt und wurde auch südlich der Alpen verarbeitet, was sich zum Beispiel durch die Gletscherleiche Ötzi belegen lässt.

Ötzi-Beil und seine Feuerstein-Pfeilspitzen

"Auch der Ötzi hatte mehrere Feuersteine dabei - er ist ja ein jungsteinzeitlicher Mensch - wobei er die Metallverarbeitung auch kannte, aber seine Pfeilspitzen zum Beispiel waren aus Feuerstein."

Bernd Sorcan vom Archäologie Museum Kelheim

Sesshafte Menschen fertigten Erntegeräte aus Feuerstein

Jäger und Sammler nutzten noch Waffen wie Wurfspieße und Pfeil und Bogen, um Tiere zu erlegen. Dagegen brauchten die ersten Bauern Erntegeräte mit feinen Klingen, um Halme zu schneiden.

Fein gearbeitete Feuerstein-Klingen

"Das ist der große Sprung in der Werkzeug-Technologie. Und da spielt der Feuerstein insofern eine große Rolle, als man größere Mengen braucht. Das ist mit ein Grund, dass Bergwerke entstehen, in denen man gezielt Feuerstein abbaut."

Bernd Sorcan vom Archäologie Museum Kelheim

Feuerstein sprüht Funken in Waffen und dient als Messer

Im Mittelalter veränderte der Feuerstein die Waffentechnik. In Steinschlosswaffen diente er ab dem 16. Jahrhundert als Zündstein. Heute kommt das harte Material noch bei manchen Schönheitsoperationen als scharfkantiges Messer zum Einsatz, das besonders präzise schneidet. Feuerstein war und ist also ein treuer Begleiter des Menschen, an dem sich seine Entwicklung ablesen lässt.

  • Feuerstein - Der Stahl der Steinzeit, radioWissen, 05.10.2018, 09.05 Uhr, Bayern 2
  • Feuerstein - Der Stahl der Steinzeit, radioWissen, 25.10.2018, 15.05 Uhr, Bayern 2

10